Künstliche Intelligenz

Was erwartet die Makler von morgen tatsächlich?

Das Thema künstliche Intelligenz sorgt gerade in vielen Branchen für heftiges Hufe scharren. Vor allem in der Versicherungsbranche gibt es große Sorgen, dass Arbeitsplätze in naher Zukunft wegautomatisiert werden. Was aktuell möglich ist und welche Sorgen berechtigt sind, erklärt Dennie Liemen, Vorstand der Beratungswerk 24 AG, in seinem Gastbeitrag.
© Beratungswerk 24
Dennie Liemen

Selbst Experten sind sich uneinig: Wird die fortschreitende Industrialisierung in Form der digitalen Transformation Jobs kosten oder schaffen? Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zumindest gibt mit ihrer aktuellen Berechnung die Hoffnung auf Letzteres. Bis 2030 könnten zusätzliche 250.000 Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung entstehen. Noch ist es aber nicht soweit, vielmehr ist die Entwicklung noch in vollem Gange.

Künstliche Intelligenz spürt verdächtige Muster auf

Es wird viel über die Gefahr von Big Data und künstlicher Intelligenz gesprochen. Um aber tatsächliche, heute schon reale Veränderungen durch die neuen Möglichkeiten für die Versicherungsbranche aufzuzeigen, lohnt sich ein Blick auf Insurtechs. Diese greifen in der Regel auf komplexe Datenmengen zurück, um ihre smarten Algorithmen mit Informationen zu füttern.

Shift Technology aus Frankreich nutzt künstliche Intelligenz zum Beispiel für das Aufspüren von verdächtigen Mustern. Aus diesen Daten lässt sich beispielsweise Versicherungsbetrug ableiten und auch vorbeugen.

Die neuen Technologien arbeiten nicht nur für die Versicherer, sondern insbesondere auch für die Versicherungsnehmer, die für viele Insurtechs im Vordergrund stehen. So zum Beispiel bei den beiden US-amerikanischen Start-ups Insurify und Valchoice. Beide haben sich dem Thema Vergleich von Kfz-Versicherungen angenommen, bieten den Anwender jedoch zwei verschiedene Herangehensweisen.

Smarte Algorithmen für den Versicherungswechsel

Insurify holt den Anwender da ab, wo er einen Großteil seiner Zeit verbringt: Im Messenger. Mithilfe eines Fotos des eigenen Nummernschilds und nach Beantwortung weniger Fragen, analysiert ein Algorithmus die einzelnen Angebote. Ist etwas Passendes dabei, erhält der Suchende via Messenger die Möglichkeit sofort den Versicherungsanbieter zu wechseln.

Valchoice hingegen nimmt sich nicht nur die Daten der Versicherer vor sondern bezieht auch die öffentliche Meinung über diese mit ein. Gibt es kritische Stimmen aufgrund von Schadensregulierung oder ähnlichem, findet das der Anwender auch in seinem Report mit möglichen Policen wieder. Somit hat der Versicherungsnehmer die Möglichkeit zu entscheiden, was ihm oder ihr wichtiger ist: die günstigste Police oder die Police des zufriedenstellendsten Versicherers.

Aktuell werden smarte Algorithmen vor allem zur Auswertung und Analyse komplexer Daten genutzt. Auch Schadensregulierungen und andere Kalkulationen lassen sich bereits zum Teil automatisieren. Wer den Großteil seiner täglichen Arbeit aus diesen Tätigkeiten schöpft, könnte auf mittelbarer Zeit durch einen Algorithmus ersetzt werden.

Wer hingegen den Kontakt zu Versicherungsnehmern verantwortet und lebt, wird auch in Zukunft weiter auf seinen Arbeitsplatz zählen können. Zudem lassen sich Versicherungsnehmer gerade bei komplexeren Fragen lieber von Beratern aus Fleisch und Blut bei ihren Anliegen helfen. Vor allem diese Gespräche können durch die neu entstehenden Werkzeuge verbessert werden, was zu einer besseren Kundenbindung und Kundenerfahrung führt. Auch die Spezialisierung auf bestimmte Versicherungsprodukte wie Gewerbe- und Sachversicherungen können helfen, sich unersetzlich zu machen. Schließlich lassen sich komplexe Policen und Beratungsgespräche noch nicht automatisieren.

Fazit

Schon heute ist klar: Prozesse werden sich durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz verändern und damit auf lange Sicht auch die Organisation von Versicherungsunternehmen. Vor allem automatisierbare Aufgaben, wie Kalkulationen oder Schadensregulierungen, lassen sich durch technische Lösungen effizienter abarbeiten. Auch allgemeine Anfragen können durch intelligente Chat-Routinen bearbeitet werden.

Um die Schreckensszenarien unter den Maklern zu entschärfen, sollten die Assekuranzen frühzeitig über mögliche Änderungen informieren und durch Schulungen beispielsweise auf die neuen Herausforderungen vorbereiten. Damit sichern Unternehmen die Erfahrung ihrer Mitarbeiter für die Zukunft und schöpfen die Vorteile des nächsten Evolutionsschritts der Industrialisierung für den Vertrieb, das Risikomanagement oder auch für Vertragserneuerungen voll aus.

Der Autor: Als Vorstand der Beratungswerk 24 AG entwickelt Dennie Liemen zusammen mit seinem Team Strategien für das E-Marketing von Web-Portalen für die Versicherungsbranche, etwa sachversicherung24.info.

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