Berliner zeigten sich als „Sparmuffel“, während in Baden- Württemberg, Niedersachsen, Bremen sowie in Schleswig-Holstein am meisten gespart werde, berichtet die Kapitalanlagegesellschaft Union Investment auf Basis einer repräsentativen Umfrage unter 8.000 Deutschen durch das Hamburger Marktforschungsunternehmen Elbe 19.
Vor allem in den östlichen Bundesländern deute ein Übergewicht an kleineren Vermögen und Sparraten auf eine geringe Sparfähigkeit hin, so die Analyse. Gleichwohl mindere dieser Umstand nicht zwingend die Bereitschaft zum Sparen, heißt es. Dazu verweisen die Studienmacher auf Thüringen, dessen Einwohner „mit großem Engagement in Sachen regelmäßigem Sparen zu Werke gehen“.
Bei den Menschen, die überhaupt nicht sparen, liegt ebenfalls Berlin vorn (15,3 Prozent, Durchschnitt 10,4 Prozent). Der Anteil der Nichtsparer sei damit in der Bundeshauptstadt annähernd doppelt hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Nichtsparerquote mit 7,3 Prozent am niedrigsten sei.
„Man sieht, dass regelmäßiges Sparen nichts mit dem Einkommen oder dem vorhandenen Vermögen zu tun hat. Gerade in einigen finanzschwächeren Bundesländern sparen die Menschen sehr engagiert“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Die größten Sparvermögen gibt es demnach im Süden der Bundesrepublik. Fast sechs von zehn Befragten (58,4 Prozent) in Bayern geben laut Studie an, mehr als 10.000 Euro an Erspartem zu besitzen. Ähnlich hohe Werte erreichten Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Sparmotiv „Notgroschen“
Die Unterschiede im Sparverhalten gingen einher „mit variierenden Einstellungen zum Leben“, teilen die Autoren mit. So strebten 79,7 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt an, ihren Lebensstandard sichern und verbessern zu wollen. In Bayern sind dies hingegen nur 70 Prozent (Bundesschnitt: 72,9 Prozent). Gespart werde vielmals, „um im Notfall eine Reserve zu haben“. Dies sei besonders in Niedersachsen und Bremen wichtig, heißt es. Hier setzten zusammen 73,5 Prozent (bundesweit durchschnittlich 67,4 Prozent) auf den „Notgroschen“, wohingegen in Hamburg und Berlin wesentlich weniger Menschen aus diesem Grund Geld zurücklegten (61,3 beziehungsweise 62,4 Prozent).
„Es ist zu erkennen, dass in einigen Ländern mit kleineren Sparvermögen existenzielle Fragen rund um die Lebensstandardsicherung im Vordergrund stehen“, meint Union-Investment-Chef Reinke. „In Ländern mit höheren Sparvermögen nennen die Menschen häufiger allgemeinere Ziele wie beispielsweise finanzielle Unabhängigkeit.“
Regionale Unterschiede zeigen sich laut Union Investment auch beim Sparen für die Altersvorsorge: Das Thema sei zwar für jeden zweiten Deutschen (50,5 Prozent) ein Motiv zu sparen. Aber zwischen der höchsten (Hessen: 55,5 Prozent) und der niedrigsten Bewertung (Berlin: 44,8 Prozent) liegen „immerhin fast zehn Prozentpunkte“. Eine private Altersvorsorge abgeschlossen haben demnach 27,8 Prozent der Befragten. Am aktivsten hierbei seien die Menschen in Thüringen. Hier sorgten 34,2 Prozent privat für ihr Alter vor, in Mecklenburg-Vorpommern als Schlusslicht tun dies lediglich 18,7 Prozent.
Jeder Dritte meint, eigentlich zu wenig für die Altersvorsorge zu sparen
Dennoch herrsche bei jedem dritten Befragten eher Zweckoptimismus vor, so die Einschätzung der Autoren: So geben 32,4 Prozent der Befragten zu, für die Altersvorsorge eigentlich zu wenig zu sparen, hoffen aber trotzdem im Alter damit klarzukommen. Diese Einstellung sei in Sachsen überdurchschnittlich ausgeprägt (36,6 Prozent), in Schleswig-Holstein am wenigsten (27,7 Prozent).
„Man sieht auch, dass die private Altersvorsorge grundsätzlich überall ein Thema ist. Viele handeln, aber in einigen Bundesländern besteht besonders großer Nachholbedarf“, so Reinke. In einigen östlichen Landesteilen etwa sei „das Prinzip Hoffnung“ überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Hier gelte es, die Menschen davon zu überzeugen, dass es wichtig sei, das Thema nicht zu verdrängen, sagt der Experte.
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