Die Täter schlugen in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 2018 zu: Das E-Bike war an einem Wohnhaus im niedersächsischen Cloppenburg fest verschlossen abgestellt, doch die unbekannt entkommenen Diebe ließen sich davon nicht aufhalten. Der Sachschaden beträgt 1.800 Euro, berichtet die Polizei Dinklage über den Vorfall, man bitte die Bevölkerung um „sachdienliche Hinweise“. Die Hoffnung, das Delikt aufzuklären, dürfte allerdings überschaubar bleiben.
Jeden Tag kommt es in Deutschland zu zahlreichen Diebstählen der hochwertigen Hightech-Räder. Fakt ist: Die schicken Drahtesel mit Akku-Motor sind immer häufiger auf deutschen Straßen zu sehen. Laut aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrieverbands kauften die Bundesbürger 2016 rund 605.000 Elektrofahrräder. Inzwischen besitzen 7 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren ein „Akku-Rad“ – Tendenz steigend. So kann sich laut einer aktuellen Umfrage jeder dritte Nicht-Besitzer vorstellen, ein Elektrofahrrad zu kaufen.
Das Hauptargument der übrigen 65 Prozent, die einen Kauf derzeit ablehnen, ist demnach der hohe Preis (55 Prozent), 26 Prozent benennen das aufwendige Aufladen des Akkus, und 16 Prozent begründen ihr Nein mit der Angst vor einem Diebstahl.
Während sich bei Preis und Handling nur bedingt etwas machen lässt, bietet sich E-Bike-Interessenten beim Eindämmen des Diebstahlrisikos der größte Hebel: Zum einen präventiv, indem sich die Besitzer eine hochwertige Sicherheitsausrüstung zulegen, zum anderen, indem sie sich um einen gleichermaßen hochwertigen Versicherungsschutz bemühen. Dieser sorgt dafür, dass der Schaden ersetzt wird, wenn es trotz aller Vorkehrungen zum Verlust des Edelrads kommt.
Deutsche werfen gerne E-Bikes mit Pedelecs durcheinander
Doch bevor man sich um eine Absicherung kümmern kann, gilt es, den Begriff „E-Bike“ trennscharf zu definieren. Denn viele Deutsche werfen gerne E-Bikes mit Pedelecs durcheinander – es handelt sich aber um zwei unterschiedliche Fahrzeuge. Was versteht man also unter Pedelec beziehungsweise E-Bike? Beide Typen firmieren unter dem Oberbegriff Elektrofahrrad. Dieser unterteilt sich in drei Unterkategorien: Da wäre zunächst das klassische Pedelec (Pedal Electric Cycle). Das Pedelec leistet dem Fahrer ausschließlich während des Tretens motorische Unterstützung. Die maximale Geschwindigkeit beträgt hier 25 km/h, die Motorleistung ist auf höchstens 250 Watt begrenzt. Verkehrsrechtlich ist das Pedelec dem Fahrrad gleichgestellt, es besteht also keine Versicherungspflicht.
Die flottere „Schwester“ des Pedelecs ist das S-Pedelec: Dieses kann eine maximale Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen und eine Motorleistung von bis zu 500 Watt. Daher benötigt es eine Betriebserlaubnis und muss im Gegensatz zum klassischen Pedelec eigens versichert werden sowie ein Versicherungskennzeichen tragen. Technisch gesehen gilt aber auch hier: ohne treten, keine Motorunterstützung.
Das E-Bike ist im Gegensatz zu Pedelec und S-Pedelec mit einem Elektromofa vergleichbar. Der Grund: Der Elektromotor leistet auch dann Energie, wenn der Fahrer gar nicht in die Pedale tritt. Das E-Bike gilt bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h und einer maximalen Motorleistung von 500 Watt als Kleinkraftrad. Auch für dieses Fahrzeug ist also eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen erforderlich.
Was sollte nun wie versichert sein?
Für alle drei Typen gilt eines unisono: „Für Fahrer eines Pedelecs oder E-Bikes ist neben einer Unfallversicherung eine Privathaftpflichtversicherung äußerst wichtig“, sagt Siegfried Karle, Präsident der GVI. Ein E-Bike oder Pedelec mit einem Elektroantrieb bis maximal 250 Watt, der die Räder auf eine Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometer beschleunigt, sei häufig in der Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen, so Karle. Um aber ganz sicher zu gehen, sollten sich Verbraucher hier eine schriftliche Bestätigung von ihrem Versicherer geben lassen.
Bei E-Bikes oder Pedelecs mit 500 Watt Antrieb und einem Spitzentempo von 45 km/h sieht die Sache anders aus: Hier ist ein Moped-Kennzeichen mit eingeschlossenem Haftpflichtschutz erforderlich. Wer sich darum nicht kümmert, dem drohen „erhebliche Ordnungsstrafen, und es besteht im Schadenfall kein Versicherungsschutz“, warnt Makler Hubert Gierhartz. Mit dem Kauf des Nummernschilds könne auch eine Teilkaskoversicherung, analog zur Kfz-Versicherung, abgeschlossen werden, so Gierhartz.
Wer nicht nur den Diebstahl seines E-Bikes, sondern auch Vandalimus, Produktionsmängel und Unfallschäden absichern lassen will, muss hingegen eine Vollkaskoversicherung abschließen. Das hat seinen Preis: Wer ein 2.000 Euro teures E-Bike vollkaskoversichern lassen möchte, muss hierfür deutlich über 100 Euro im Jahr zahlen. Exakt 153,51 Euro beträgt die Jahresbruttoprämie beim Anbieter Ammerländer. Doch offenbar gibt es viele Fahrradfans, die hier nicht knausern wollen. So stellt Gerold Saathoff, Vertriebsvorstand der Ammerländer fest, dass die seit 2014 erhältliche Fahrrad-Vollkasko für E-Bikes und Pedelecs ihr „besonderes Potenzial“ bewiesen habe. Das Beitragsvolumen der Sparte habe sich 2016 gegenüber 2015 mit rund 482.000 Euro mehr als verdoppelt. Und: Deren Bedeutung werde in den nächsten Jahren noch steigen, ist Saathoff überzeugt.
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