In Zeiten von Corona-Krise und Klimawandel wird das Fahrrad, sei es in klassischer Form oder als E-Bike, für immer mehr Menschen zu einer im doppelten Sinne sauberen Form der Fortbewegung – virenfrei und umweltschonend. Gibt es womöglich sogar einen Corona-Effekt, der sich auch bei der Nachfrage nach Versicherungen rund ums Rad bemerkbar macht?
„Fahrräder und E-Bikes werden auch die Freiheit geschätzt, die sie bieten. In Zeiten wie diesen, mit verständlichen und richtigen Einschränkungen unseres täglichen Lebens, verstärkt sich dieses Gefühl noch“, sagt Alexander Kanther, Leiter der Produktentwicklung bei der Ammerländer Versicherung.
„Die selbstbestimmte Bewegung an der frischen Luft, zum Einkauf oder zur Arbeit, fühlt sich gerade einfach noch besser an als sonst. Außerdem lassen sich Abstände leichter einhalten als im Bus oder in der Straßenbahn.“ Davon könnten auch Fahrradversicherungen profitieren, so Kanther. „Wie die Auswirkungen genau aussehen, wird sich aber noch zeigen. Schließlich befinden sich viele Menschen gerade auch in einer wirtschaftlich unsicheren Situation.“
Zumindest im vergangenen Jahr waren die Deutschen, wie auch schon in den Jahren zuvor, bereit, für eine gesunde und nachhaltige Mobilität tief in die Tasche zu greifen. 4,31 Millionen Fahrräder und E-Bikes wurden 2019 verkauft – ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) im März meldete.
Der Umsatz kletterte auf 4,23 Milliarden Euro, was einen Zuwachs von rund 34 Prozent bedeutet. Der ZIV führt das satte Umsatzplus vor allem auf den hohen Absatz von E-Bikes zurück, der den durchschnittlichen Verkaufspreis in die Höhe schnellen ließ. Dieser habe zuletzt bei 982 Euro gelegen – schaut man nur auf die E-Bikes, die bereits jedes dritte verkaufte Rad ausmachen, liegt der gemittelte Preis sogar bei über 2.300 Euro.
Zusammen mit dem Komponenten- und Zubehörbereich ergibt sich somit ein Gesamtumsatz der Branche von circa 7 Milliarden Euro – was auch in der Versicherungswirtschaft Begehrlichkeiten weckt. Das Marktpotenzial ist beträchtlich: 70 Prozent der Deutschen besitzen mindestens ein Fahrrad, zugleich geben 54 Prozent der Besitzer an, ihr Rad nicht gegen Diebstahl versichert zu haben. Das berichtete das Vergleichsportal Check24 im März auf Basis einer repräsentativen Umfrage. Demnach haben 38 Prozent der Fahrradbesitzer ihren Drahtesel in der Hausratversicherung eingeschlossen.
Gerade einmal 4 Prozent schlossen eine gesonderte Fahrradversicherung ab. Betrachtet man nur die E-Bikes, zeigt sich dieses Bild: Genau die Hälfte ist über eine Hausratversicherung abgesichert, 20 Prozent mit einer separaten Fahrradversicherung. Welcher Weg ist nun der bessere?
Der hohe E-Bike-Wert werfe ein neues Absicherungsbedürfnis auf, das herkömmliche Versicherungsprodukte nicht erfüllen könnten, heißt es beim Versicherungsdienstleister Konzept & Marketing (K&M). Für den passenden Schutz sei aber „keine separate und meist teure Fahrradversicherung notwendig“, finden die Experten von K&M. Das Unternehmen aus Hannover setzt im Vertrieb auf die hauseigenen Fahrrad-Bausteine der K&M-Hausratversicherung „Allsafe home“.
Generell gilt, dass Fahr- und Elektroräder Teil des Hausrats sind – bedeutet: Die Zweiräder sind gegen Einbruchdiebstahl aus verschlossenen Räumen wie Kellern oder Wohnungen über jede Hausratversicherung abgesichert. Leider würden aber die meisten Räder auf offener Straße gestohlen, heißt es bei K&M. Während jedoch einige Versicherer den Diebstahlschutz vor der Haustür in ihre Premiumtarife verpackten, sei der Ausschluss der sogenannten Nachtzeitklausel bei K&M schon zur kleinsten Tarifvariante zuwählbar, was „deutlich kundenfreundlicher“ sei, wie es heißt.
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Wann lohnt sich dann eine eigene Fahrradpolice überhaupt? „Das hängt davon ab, wie hochwertig das Modell ist und wie umfassend der Schutz sein soll. In der Hausratversicherung lassen sich Fahrräder begrenzt gegen Diebstahl absichern. Eine Fahrradpolice geht weiter und kann vor allem bei hochwertigen Fahrrädern und E-Bikes sinnvoll sein“, sagt Ammerländer-Manager Kanther.
Auch die Leistungen seien umfangreicher und beispielsweise höhere Versicherungssummen möglich. „Neben Diebstahl sind noch weitere Punkte abgesichert, etwa Vandalismus, Akku- und Motorschäden oder Reparaturen. Je nach Produkt kommen Schutzbriefe, Neuwertentschädigung und der Einschluss grober Fahrlässigkeit dazu“, zählt Kanther auf.
Stichwort Schutzbrief: Torsten Greif, Experte bei der Roland Schutzbrief-Versicherung, setzt auf eine ganz besondere Innovation. Im Oktober 2019 starteten die Kölner eine digitale Pannenhilfe für Fahrradfahrer. Welche Bilanz zieht er ein gutes halbes Jahr später? „Wir sind mit einem unserer großen Partner gestartet und binden seitdem sukzessive weitere Partner ein“, sagt er.
Man habe damit etwas geschaffen, das es vorher gar nicht gegeben habe. „Fahrrad-Schutzbrief-Kunden haben die Möglichkeit, ihre Panne oder ihren Unfall ganz einfach und transparent mit dem Smartphone online zu melden.“ Der Service werde gut angenommen, freut sich Greif – und das, obwohl die Hauptsaison noch gar nicht richtig begonnen habe.
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