Interview mit einem Überschwemmungs-Opfer

„In meiner Wohnung stand fünf bis zehn Zentimeter hoch das Wasser“

Durch starke Regenfälle kam es in der Wohnung von Thorsten Meier zu verheerenden Schäden am Haus und an der Einrichtung. Glück im Unglück, dass er im Rahmen seiner Wohngebäudeversicherung eine Elementardeckung abgeschlossen hatte. Im Gespräch mit Pfefferminzia spricht Meier über seine Erfahrung. Der Name wurde geändert.
© Getty Images
Symbolfoto: Ein überschwemmtes Haus.

Pfefferminzia: Herr Meier, was genau ist in Ihrer Wohnung passiert?

Thorsten Meier: Ich bin morgens um 5 Uhr durch ein lautes Gluckern wach geworden und konnte mir im ersten Moment keinen Reim darauf machen. Als ich auf dem Boden blickte und das Wasser sah, war ich mit einem Schlag hellwach. Aber es kam noch schlimmer: Als ich die Tür zum Badezimmer öffnete, kam ein regelrechter Schwall aus Wasser und Fäkalien entgegen. Das Abwasser drückte durch Badewanne und Toilette. In meiner Wohnung stand fünf bis zehn Zentimeter hoch das Wasser. Eine höchst unappetitliche Angelegenheit.
 
Wie kam es dazu?

Ich bin kein Experte. Ich weiß nur, dass es in der Nacht zuvor sintflutartige Regenfälle gab. Die Wassermengen, auch vom Nachbarort, der auf einem Berg liegt, konnten wohl nicht mehr ablaufen und drückten das Wasser nach oben. In dem Ort, wo ich wohne, waren einige Häuser betroffen, allerdings in erster Linie Kellerräume. Teilweise stand das Wasser einen halben Meter auch. Da ich im Souterrain wohne, hat es mich besonders hart getroffen.

Welche Maßnahmen haben Sie zuerst ergriffen?

Nach dem ersten Schreck habe ich gleich die Feuerwehr angerufen. Die konnte mir aber nicht helfen, weil es eben noch zahlreiche Fälle gab, wo das Wasser wesentlich höher stand. Zum Glück hatte mein Vermieter einen Kärcher und half mit beim Absaugen, um das Ausmaß des Schadens so gering wie möglich zu halten. Dann weckte ich meine BGV-Vermittlerin aus dem Schlaf und fragte, ob wir damals die Elementardeckung in der Hausratversicherung mit eingeschlossen hatten. Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als sie dies bejahte.

Wie lief die Schadenregulierung ab?

In meinem Fall war der Hausrat bei einem anderen Versicherer als das Wohngebäude versichert. Beide Versicherer haben schnell reagiert. Allerdings hatte ich den doppelten Aufwand: Zuerst kam der eine Sachverständige, dann der andere. Alles war zeitlich versetzt und nicht aufeinander abgestimmt. Das kostet Nerven. Wenn es irgendwie geht, sollte man beides in eine Hand geben.

Was passierte mit dem Hausrat und was mit dem Gebäude?

Einen Teil des Hausrats musste ich wegwerfen. Furnierte Möbel waren an den Sockeln durchnässt, die Feuchtigkeit zog nach oben und weichte alles auf. Alles, was nicht Vollholz war, musste ich entsorgen, allen voran die Teppiche. Was nicht zu stark beschädigt war, habe ich mehrmals abgewaschen und desinfiziert. Aber das war nicht alles: Ein Sachverständiger der Gebäudeversicherung stellte fest, dass alles auch biologisch verseucht war. Der Estrich musste raus, die Tapeten, Putz und Fließen runter, alles getrocknet und wiederhergestellt werden – im Grunde eine Kernsanierung.

Für mich bedeutete das, dass ich ausziehen musste. Ich wohne jetzt schon den dritten Monat in einer Pension, meinen verbleibenden Hausrat habe ich bei einer Spedition gelagert. Das alles zahlt meine Hausratversicherung, die Transportkosten teilten sich die beiden Versicherer. Ein Aha-Effekt für mich war, welche Kosten noch zu der kaputten Einrichtung hinzukamen.

Wie hoch war der Schaden?

Der Schaden an der Einrichtung lag bei rund 7.000 Euro, das Einlagern und der Umzug kosteten nochmal etwa 5.000 Euro, die Kosten für das Ein-Zimmer-Apartment belaufen sich bisher auf knapp 4.200 Euro. Der Schaden am Gebäude ist noch nicht abgeschlossen, ich schätze aber, er wird bei rund 70.000 Euro liegen.

Alles in allem hatte ich viel Aufwand und Ärger, aber auch Glück im Unglück: Ich hatte in beiden Fällen eine Elementarzusatzdeckung und blieb nicht auf den Gesamtkosten in Höhe von bisher rund 90.000 Euro sitzen. Da kann ich mich glücklicher schätzen als manch anderer in der Nachbarschaft.

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