Smart-Home-Systeme

„Sukzessive werden die intelligenten Häuser zum Standard werden“

Professor Rüdiger Kays vom Lehrstuhl für Kommunikationstechnik an der Technischen Universität Dortmund erläutert, warum sich intelligente Häuser nur langsam zum Standard entwickeln.
© Rüdiger Kays
Rüdiger Kays, Professor am Lehrstuhl für Kommunikationstechnik an der Technischen Universität Dortmund

Pfefferminzia: Worauf sollte ein Interessent bei der Anschaffung eines Smart-Home-Systems achten?

Rüdiger Kays: Das wichtigste ist, sich im Vorfeld das eigentliche Ziel klar zu machen. Steht das Energiesparen im Fokus, der Sicherheitsaspekt oder eher Komfort und Lifestyle? Danach gilt es zu bedenken, dass die Lebensdauer von Gebäuden länger ist, als die elektronischen Komponenten für das Smart Home. Die meisten Systeme müssen in bereits vorhandene Gebäude gebracht werden. Das heißt, Elektroinstallationen, Heizung oder Fenster müssen nachgerüstet werden. Der Markt für diese Einbaukomponenten ist ziemlich zersplittert. Dabei hängt viel von der Qualität des Lieferanten ab. Am besten sucht sich der künftige Smart-Home-Nutzer Produkte eines Unternehmens, das Erfahrung damit hat und bereits länger im Geschäft ist und daher vermutlich auch bleibt.

Welche Vorteile schaffen Smart-Home-Systeme für die Anwender?

Je nach persönlicher Motivation unterscheidet sich der Nutzen: Jemand, der einen Einbruch erleben musste und daher sein Haus sicherer machen möchte, sieht andere Vorteile als jemand, der aufgrund der überall geführten Diskussion über den Klimawandel Energiekosten sparen will.

Wie hoch sind die Anschaffungskosten, und wie schnell rechnen sie sich?

Die Kosten hängen vom Ziel des Kunden ab: Beginnt er mit der Heizungsanlage und verbaut detailliert regelbare Thermostate, plus einer Zentrale und passender Module, kommen schnell 400 Euro zusammen. Wie hoch die Heizungskosten sind, die tatsächlich gespart werden, wird auch von der Isolation des Hauses beeinflusst. Ein schlecht gedämmtes Haus erlaubt bei intelligenter Regelung größere Einsparungen als ein gut isoliertes. Aber dann wäre es ratsam, zunächst die Isolierung zu verbessern. Zudem steigt unter Umständen der Stromverbrauch. Denn all die kleinen Helferlein im intelligenten Haus benötigen Energie.

Wie steht es um die Sicherheit? Wie können sich die Nutzer beispielsweise vor Cyber-Angriffen schützen?

Genauso wie sie es bei ihrem WLAN tun: mit Passwörtern, regelmäßigen Updates der Firmware, Antivirensoftware und im besten Fall einem lokalen Server. Denn sobald über das Internet mit einem externer Server kommuniziert wird, steigt das Risiko, gehackt zu werden. Eine Cloud oder eine Vernetzung nach außen braucht das Smart-Home-System für die meisten wichtigen Funktionen nicht.

Was kann überhaupt geschehen, wenn ein Kunde Opfer eines Hacker-Angriffs wird?

Eigentlich gar nicht so viel Schlimmes. Im äußersten Fall wird die elektrische Verriegelung der Haustür gestört. Oder die Rollläden fahren hoch oder runter, obwohl sie das nicht sollen. Oder sie bleiben oben oder unten. Eventuell fällt die Heizung aus. Aber letztlich ist beispielsweise das Risiko durch stumpfe Gewalt, Opfer eines Einbruchs zu werden, ungleich höher.

Wenn alles miteinander verbunden ist, und alles von der Stromversorgung abhängt, was passiert bei einem Stromausfall?

Fällt der Strom aus, läuft nichts mehr. Das gilt jedoch nicht nur für intelligente Häuser. Denn bereits jetzt funktionieren Heizung oder elektrische Rollläden nicht, wenn die Elektrizität ausfällt. Auch das Telefonieren über das Festnetz ist im Gegensatz zu früher nicht mehr möglich. Durch das vernetzte Haus wird nichts davon schlimmer. Schön wäre es, wenn bereits heute der Router eines Smart-Home-Systems über eine eigene Batterie verfügen würde, die im Ernstfall einspringt. Auch heutige Alarmanlagen laufen mit ihrer eigenen Notfall-Stromversorgung zunächst weiter.

Wie sehen Sie die Zukunft der Smart-Home-Systeme?

Es wird viel darüber diskutiert, hauptsächlich von technikgetriebenen Interessengruppen. Dabei ist das Thema ein eher zäher Prozess, weil es mit baulichen Veränderungen an Gebäuden einhergeht. Sukzessive werden die intelligenten Häuser zum Standard werden. Viele Kunden werden mit einer Verbesserung, wie der Heizungsanlage oder der Sicherung des Hauses, beginnen und nach und nach kommen weitere Aspekte hinzu. Einen plötzlichen echten Hype erwarte ich bei Smart-Home-Systemen nicht. Es wird eine Evolution stattfinden über viele Jahre hinweg. Der Schritt von Mobiltelefonen hin zu Smartphones beispielsweise war aufgrund der Nutzungsdauer von zwei bis drei Jahren viel schneller und einfacher vollzogen und lässt sich nicht mit den baulichen Eingriffen in Immobilien vergleichen.

Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia