Digitalisierung

Wie sich das Smart Home intelligent versichern lässt

Nach einem anstrengenden Arbeitstag ein beleuchtetes und optimal geheiztes Haus vorfinden – immer mehr Deutsche erfüllen sich ihren persönlichen Traum vom Smart Home. Doch damit es im schlauen Eigenheim kein böses Erwachen gibt, muss auch der Versicherungsschutz innovativ gestaltet sein.
© dpa/picture alliance
Ein Mitarbeiter des Zentralverbandes der deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke hält auf der Internationale Handwerksmesse IHM ein Tablet in einem E-Haus in den Händen: Smart Homes sind im Kommen, bisher aber noch ein Nischenmarkt..

Leben Sie schon smart oder wohnen Sie noch? Nein, diese Frage wurde nicht von einem großen schwedischen Möbelkonzern gestellt – zumal dieser seine Kunden konsequent duzen würde. Es war der IT-Branchenverband Bitkom, der den Ikea-Kult-Slogan leicht abwandelte, um auf eine Entwicklung hinzuweisen, die sich schleichend aber unaufhaltsam unter deutschen Dächern vollzieht.

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Längst besteht das digitale Zuhause nicht mehr nur aus Computern, Tablets, Smartphones und HD-Fernsehern. Immer häufiger sind auch Alltagsgegenstände im häuslichen Umfeld miteinander vernetzt: Heizungsanlage, Beleuchtung oder auch Rollläden können heutzutage per App rauf- oder runtergefahren werden – und zwar vorzugsweise von unterwegs aus, um nach einem kalten, stressigen Arbeitstag auch das eigene Wohlbefinden auf ein zufriedenes Level hochzuregeln.

„Die Vorstellung vom smarten Zuhause ist längst keine Zukunftsvision mehr“, wissen die Experten von Bitkom zu berichten – was auch aktuelle Zahlen des Marktforschungsunternehmens Yougov bestätigen: 13 Prozent der Deutschen nutzen demnach bereits Smart-Home-Anwendungen, weitere 52 Prozent können sich die Nutzung mindestens in einem Bereich vorstellen.

Insbesondere im Energiebereich (40 Prozent) halten die Verbraucher Smart-Home-Anwendungen für sinnvoll – aber auch bei vielen Aspekten der Sicherheitstechnik (37 Prozent) und Unterhaltungselektronik (38 Prozent).

Angst vor dem Ausspionieren

Wer sich bislang immun gegen den Smart-Home-Hype zeigt, hat jedoch gewichtige Gründe für sein Zögern: „Vor allem beim Thema Sicherheit haben die Deutschen konkrete Bedenken“, sagt Studienexperte Markus Braun von Yougov. Für besonders kritisch halten 62 Prozent der Befragten das Ausspionieren durch Hacker. Aber auch die Gefahr, dass Daten in die Hände Dritter gelangen (60 Prozent) oder dass Einbrüche durch gehackte Sicherheitstechnik (58 Prozent) passieren, sind Bedenken der Verbraucher. „Anbieter von Smart-Home-Lösungen sollten das Thema Datensicherheit in den Mittelpunkt stellen“, empfiehlt Braun. Wer nicht gewährleisten könne, dass die sensiblen Kundendaten bei ihm in sicheren Händen seien, werde langfristig keine Vorbehalte abbauen und vom großen Potenzial nicht profitieren, warnt der Marktforscher.

Beim Versicherungsverband GDV reagiert man hellhörig und zugleich besorgt auf die jüngste Entwicklung. „Das smarte Zuhause macht Spaß und mag in vielen Fällen praktisch sein, verbindliche Sicherheitsstandards fehlen allerdings“, bedauert der Vorsitzende der GDV-Geschäftsführung, Jörg von Fürstenwerth.

Quelle: Yougov

Die Anbieter von Heimnetzwerktechnik schlicht zu verpflichten, sichere Geräte anzubieten, sei jedoch keine Lösung, findet er, denn schon die Steuersoftware einfacher Hardware sei für das Heimnetzwerk zu komplex. „Ein Beweis im engeren Sinne, dass das Programm fehlerfrei ist, kann kaum erbracht werden“, sagt von Fürstenwerth. Wirklich sicher sei so betrachtet kein Gerät. Alternativ setzt sich der Verband dafür ein, solche Smart-Home-Produkte zu kennzeichnen, die bestimmte Mindestanforderungen an die Cybersicherheit erfüllen.

Überhaupt Cybersicherheit – sie ist für die Versicherungsbranche ein Riesenmarkt: Immerhin 44 Prozent der Smart-Home-Interessierten würden eigens eine Versicherung abschließen, die sie gegen Schäden absichert, die durch gehackte Smart-Home-Anwendungen entstanden sind.

Markt steckt noch in den Kinderschuhen

Dies wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wo die Versicherer in Sachen Smart Home eigentlich stehen? Einige Versicherer, wie Axa, Bayerische oder Generali hätten bereits erste Produkte im Markt, sagt Diana Boduch von den Versicherungsforen Leipzig. Allerdings seien die Probleme vielfältig und ließen sich nicht so leicht lösen – zumal die Wohngebäudesparte traditionell wenig rentabel sei, wie Boduch berichtet. Insofern steckt das Thema Smart Home aus Versicherersicht noch in den Kinderschuhen – erst recht, wenn es um die Absicherung von Cyberrisiken geht.

Vielmehr geht es der Branche zunächst um Image-Gewinne und Einsparmöglichkeiten bei den Schadenkosten. Kurzum: Prävention. Hinzu kommt, dass Innovationen im häuslichen Umfeld viel Zeit bräuchten, da Wohnimmobilien nicht jährlich renoviert werden, wie Günther Ohland, Chef der Smart Home Initiative Deutschland, anmerkt.

Einer der Vorreiter im Markt ist die Provinzial Nord West, zu der auch die Hamburger Feuerkasse gehört. Seit Sommer 2017 gibt es dort einen „smarten Schutz fürs Zuhause“ als Baustein im Rahmen der Wohngebäude- und Hausratpolice. Über ein Smart-Home-Notfallmanagement sollen sich nicht nur Einbrüche frühzeitig entdecken lassen, sondern auch Leitungswasserschäden oder Brände.

Das Haus ruft selbst um Hilfe

Und das geht so: Der Kunde erhält Einbruchsmelder sowie Rauch- und Wassermelder, die allesamt untereinander vernetzt und leicht zu installieren seien, sagt Andreas Vietor, Hauptabteilungsleiter Geschäftsfeld Privatkunden bei der Provinzial Nord West. „Das Besondere ist, dass die Anlage neben der Alarmmeldung auf das Handy gleichzeitig eine Nachricht an die Notfallzentrale der Provinzial schickt, die rund um die Uhr erreichbar ist“, so Vietor. Das Haus ruft gewissermaßen selbst um Hilfe. Dabei gilt: Daten werden nur im Alarmfall gesendet und erst im Notfallcenter dem konkreten Objekt zugeordnet. „Die Daten liegen damit komplett in der Hand des Kunden“, stellt Vietor klar.

Und dennoch: „Für die Versicherer ist es aktuell noch schwierig, große Erfolge mit den Smart-Home-Angeboten zu erlangen“, sagt Expertin Boduch. „Nur wenn Smart-Home-Tarife von den Vermittlern überzeugend angeboten werden, wird es eine Chance auf große Akzeptanz bei den Kunden geben.“

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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