Im Donaukurier, der sich auf ein Interview des Finanzportals biallo.de bezieht, prophezeit Finanzexperte Sascha Anspichler negative Kreditzinsen und beschreibt die Voraussetzungen unter denen ein Baukredit Geld auszahlen könnte. Damit negative Darlehenszinsen eintreten können, müssten Wiederanlagezinsen so stark fallen, dass sie die Bankenmargen übersteigen, so Anspichler. Bereits jetzt gäbe es bei Wiederanlageprodukten wie Pfandbriefen Negativzinsen. Die Bankenmarge ermittelte sich aus den kalkulatorischen Kosten und dem kalkulierten Gewinn für die Bank. Ginge man aktuell von einer Bankenmarge von 0,7 Prozent aus, wären Negativzinsen bereits ab Pfandbriefrenditen von unter minus 0,7 Prozent möglich.
„Sollten zehnjährige Pfandbriefrenditen genauso rasant fallen wie in den letzten drei Jahren, hätten wir vermutlich bereits im Jahr 2018 negative Darlehenszinsen bei Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung“, sagt Finanzexperte Anspichler. Das Szenario würde seiner Meinung nach umso schneller eintreten, je schlechter die europäische Konjunktur läuft. „Die EZB wäre gezwungen, die Zinsen in den tiefroten Bereich zu drücken und das Anleihekaufprogramm nochmals zu forcieren.“ Die Frage, ob Banken dann Kreditnehmern Geld auszahlen wird bejaht. Eine Zinsgutschrift anstatt einer Zinsbelastung sei ohne weiteres umsetzbar.
Vermutlich würden Banken ihre Kreditgestaltung gar nicht verändern. Banken suchen eher nach Ausweichmöglichkeiten und heben lieber die Gebühren an, um den Kunden keine Negativzinsen ausweisen zu müssen. Daher wären Zinsgutschriften durchaus wahrscheinlich. Veränderungen bei der Kreditgestaltung muss es aber bei der Bonitätsprüfung bzw. der Wirtschaftlichkeitsprüfung von Bauprojekten geben. Hier geht Experte Anspichler von strengeren Kriterien und einer Ausweitung der Prüfungsorgane innerhalb der Banken aus. „Eine Finanzierung muss wirtschaftlich auch fortgeführt werden können, wenn die Zinsen wieder steigen. Gut möglich, dass die Banken die kalkulierten Kosten etwas erhöhen, um den erhöhten Aufwand zu kompensieren.“
Die fallenden Zinsen hätten in den letzten Jahren zudem zu steigenden Immobilienpreisen geführt. Negative Darlehenszinsen würden zwar an dieser Entwicklung nichts ändern. Allerdings bliebe abzuwarten, wann bei den Verbrauchern die Schmerzgrenze bezüglich der gestiegenen Immobilienpreise erreicht ist. Hier werden auch Konjunktur und Arbeitsmarktsituation Einfluss nehmen.
Steigen würden die Zinsen laut Sascha Anspichler erst wieder, wenn die europäische Konjunktur aus eigener Kraft floriert und das Inflationsziel von mindestens zwei Prozent erreicht ist. „Falls die Zinsen nur moderat steigen, wären vorübergehend weiter steigende Immobilienpreise vorstellbar. Vermutlich würden die Verbraucher aus einer Euphorie heraus an Immobilien zur Kapitalanlage festhalten.“ Deutliche Zinserhöhungen über einen längeren Zeitraum sollten zu fallenden Immobilienpreisen führen, insbesondere dann, wenn Immobilien in Boom-Phasen auf Vorrat gebaut werden und dem großen Angebot dann eine rasch fallende Nachfrage gegenüberstünde.
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