Die weltweite Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das Finanzvermögen privater Haushalte in Europa, meldet die ING-Bank Deutschland. Demnach hat sich das Kapital der Europäer zu Ende März um insgesamt rund 771 Milliarden Euro oder 3,0 Prozent gegenüber Dezember 2019 reduziert. Deutsche kamen mit einem Verlust von 128 Milliarden Euro oder 2,0 Prozent noch vergleichsweise gut davon – und befinden sich seit Ende Juni laut ING-Bank sogar wieder auf einem neuen Rekordhoch.
Schuld an dem „glimpflichen“ Verlust der Deutschen im ersten Quartal waren demnach zunächst der vergleichsweise hohe Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld (41 Prozent versus Eurozone 35 Prozent) sowie Versicherungen (37 Prozent versus Eurozone 35 Prozent), die jeweils entweder gar nicht oder nur in geringem Maße auf Schwankungen des Kapitalmarktes reagieren. Der Anteil an Aktien, die stark mit dem Kaptalmarkt schwanken, war entsprechend geringer (10 Prozent versus Eurozone 17 Prozent).
Insgesamt mussten Bürger aus 16 der 19 Länder im ersten Vierteljahr Vermögenseinbußen hinnehmen. Mit minus 11,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal war Griechenland am heftigsten betroffen. Laut der ING-Studie lag das an überdurchschnittlich hohen Verlusten des Aktienvermögens. Auf den weiteren Plätzen folgen Italien mit minus 5,1 Prozent und Belgien mit minus 4,4 Prozent.
Immerhin: Betrachtet man den Nettoeffekt im ersten Quartal 2020, verglichen mit den vergangenen 12 Monaten – also die Summe aus Mittelzuflüssen (Einzahlungen) und Wertentwicklung (Rendite) –, so liegt der gesamte Euroraum mit 1,4 Prozent weiterhin im Plus. Gleiches gilt für fast alle Einzelländer. Mit Griechenland, Italien, Belgien und Spanien liegen nur vier von 19 Ländern auch gegenüber dem Vorjahreswert im roten Bereich.
Zudem konnten litauische, holländische und zypriotische Einwohner ihr Vermögen trotz der Krise sogar um 5,5 Prozent, 3,3 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern.
Schaut man auf die Zahlungsmittel der Deutschen, so hat Bargeldsparen im ersten Quartal mit Abstand am meisten zugelegt. Laut der ING Deutschland handelt es sich insgesamt um 20 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bargeldumlauf im Euroraum ist im ersten Quartal um 49 Milliarden Euro gewachsen. Das heißt: Mehr als 40 Prozent des zusätzlichen Bargeldumlaufs ist in den Portemonnaies der Deutschen gelandet.
Ebenfalls deutlich gestiegen sind Aktien-Investments mit 14 Milliarden Euro – was 15 Prozent des Sparvolumens entspricht. Der große Verlierer des ersten Quartals waren indes die Bankeinlagen, die mit 5 Prozent des Sparvolumens so wenig neues Geld anziehen konnten wie seit 15 Jahren nicht mehr.
„An den Mittelzuflüssen in den einzelnen Kategorien kann man die Präferenzen verschiedener Anlegertypen erkennen“, kommentiert Thomas Dwornitzak, Leiter Sparen und Anlegen bei der ING Deutschland, die Ergebnisse. „Während für vorsichtige Sparer nur Bargeld sicher genug schien, haben chancenorientierte Anleger vermehrt auf Wertpapiere gesetzt.“
Die Studie zeigt aber auch: So heftig und unerwartet die Corona-Pandemie einschlug, so schnell war ihr negativer Effekt auf das Finanzvermögen – zumindest vorläufig – auch schon wieder vorbei. Mit der Erholung der Kapitalmärkte und weiterhin hohen Neuanlagen stieg das Finanzvermögen in Deutschland laut Studie um schätzungsweise 3,4 Prozent (212 Milliarden Euro) auf einen neuen Rekordwert von 6,55 Billionen Euro per Ende Juni 2020. Innerhalb eines Quartals ist dies der höchste absolute Vermögensanstieg aller Zeiten sowie der dritthöchste prozentuale Anstieg der letzten 20 Jahre.
Dazu Thomas Dwornitzak:
„Vor allem die höheren Aktieninvestments im ersten Quartal haben sich bereits im Folgequartal ausgezahlt. In der aktuellen Niedrigzinsphase werden viele Kunden vom Sparer zum Anleger. Sie nehmen vor allem das Angebot, mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere zu investieren, als sinnvolle Alternative an.“
Für die Studie „Unser Geld und Covid-19“ hat die ING Deutschland Daten der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der Europäischen Zentralbank, des statistischen Bundesamts (Destatis) sowie Eurostat ausgewertet. Der Ausblick für das erste Halbjahr ermittelten die Studienautoren auf Basis der Entwicklung der Kapitalmärkte mithilfe statistischer Schätzverfahren.
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