Nach Putins Angriff auf die Ukraine

„Dunkelsten Tage in Europa seit Jahrzehnten“ – Reaktionen aus der Versicherungsbranche

Russlands Präsident Wladimir Putin hat alle Befürchtungen wahr gemacht und die Ukraine militärisch angegriffen. Wird das auch Folgen für die Versicherungsbranche hierzulande haben? Der Versicherungsverband GDV hat eine erste Stellungnahme veröffentlicht. Und auch einzelne Versicherer haben sich auf Nachfrage von Pfefferminzia zum Konflikt geäußert.
© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Waldimir Putin ist Präsident Russlands und hat nun einen Krieg in der Ukraine begonnen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Die Aktienmärkte weltweit sind eingebrochen, der Ölpreis überspringt die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel (mehr zu den Auswirkungen auf die Finanzmärkte lesen Sie hier).

Wie trifft die Krise die Versicherer? Dazu äußerte sich nun Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer (GDV), in einer ersten Einschätzung:

Der Krieg in der Ukraine hat für die deutschen Versicherer nur geringe direkte wirtschaftliche Auswirkungen, da sie kaum in der Ukraine und in Russland engagiert sind. Die Auswirkungen von Kriegen auf die internationalen Kapitalmärkte sind kurzfristig oft stark, aber selten langfristiger Natur. Abzuwarten bleiben die Auswirkungen durch die absehbaren Wirtschafts- und insbesondere Finanzsektorsanktionen. Gesamtwirtschaftlich und damit auch indirekt auf die deutschen Versicherungen wirken die erhöhten geopolitischen Unsicherheiten und höheren Energie- und Nahrungsmittelpreise belastend.

Was die Versicherer selbst zum Konflikt sagen

Wir haben auch einzelne Versicherer um eine Stellungnahmen zu der Ukraine-Krise gebeten.

Von der Axa heißt es:

Wir beobachten derzeit die Lage in der Ukraine und die internationale Reaktion genau und nehmen eine fortlaufende Bewertung der Risiken vor. Axa ist in der Ukraine nicht tätig. In Russland hält Axa eine Minderheitsbeteiligung an der Reso Garantia. In unseren Asset-Management-Aktivitäten ist der Anteil von Investments in Russland/Ukraine marginal.

R+V

Die R+V gibt auf Nachfrage an, kein „größeres Engagement“ in der Region zu haben – weder aus Kapitalanlagesicht noch aus Versicherungssicht, heißt es. Die gesamten Investments in Russland lägen deutlich unter 0,5 Prozent der Kapitalanlagen. „Wir waren schon vor dem Krieg defensiv und warten jetzt ab“, schreibt der Versicherer weiter. Bezüglich der Sanktionen rechnet die R+V nicht nur mit Folgen für Russland selbst. „Alle Unternehmen und Staaten, die mit Russland zu tun haben, werden in Mitleidenschaft gezogen, sei es bei Export, Import oder bei Finanzierungen.“ Die explodierenden Energiepreise werden die Inflation weiter antreiben und das werde wie eine Steuer auf den Konsum wirken, prophezeit die R+V weiter. Zum anderen werde die Situation die Zentralbanken in Schwierigkeiten bringen, weil sie neu abwägen müssten zwischen mehr Inflation und weniger Wachstum.

Talanx

Bei der Talanx zeigt man sich tief betroffen von den aktuellen Ereignissen: „Ohne Zweifel erleben wir momentan die dunkelsten Tage in Europa seit Jahrzehnten“, schreibt ein Sprecher. „Gleichwohl hoffen wir nach wie vor inständig, dass es zu einer schnellen Beruhigung der Lage kommt. Unsere Gedanken sind bei jenen, die derzeit um ihr Leben fürchten.“ Die Talanx habe in Russland nur eine Industrie-Niederlassung, heißt es weiter. Durch das geringe Engagement in Russland erwartet der Konzern durch Wirtschaftssanktionen „keine materiellen nachteiligen Folgen“.

Aufgrund der sehr niedrigen Aktienquote sehe man derzeit keine materiellen direkten Auswirkungen auf die eigene Kapitalanlage. Geopolitische Krisensituationen – im konkreten Fall: Krieg – führten aber immer zu Unsicherheiten und stärkeren Volatilitäten. „Und natürlich können negative Folgen für die Konjunktur eintreten, was von den Finanzmärkten derzeit schon reflektiert wird“, so der Sprecher weiter.

Munich Re

Vom Rückversicherer Munich Re heißt es:

Munich Re und seine Tochtergesellschaften unterhalten keine Büros/Niederlassungen in der Ukraine und sind sowohl in der Ukraine, als auch in Russland, nur sehr geringfügig mit Versicherungsgeschäft vertreten. Dementsprechend erwarten wir keine signifikanten direkten Auswirkungen auf das Geschäft. Auch hält Munich Re nur in geringem Umfang Kapitalanlagen aus den beiden Ländern. Sekundäreffekte am globalen Kapitalmarkt würden aber natürlich auch uns, wie alle anderen Marktteilnehmer, betreffen.

Signal Iduna

Peter Andres ist Sprecher der Geschäftsführung der Signal Iduna Asset Management.

Für die Signal Iduna beantwortete Peter Andres, Sprecher der Geschäftsführung der Signal Iduna Asset Management, unsere Fragen. Weder in der Ukraine noch in Russland habe man Tochtergesellschaften oder Niederlassungen. Bezüglich der Kapitalanlage antwortet Andres: „Wir erwarten in den nächsten Wochen weiterhin volatile Kapitalmärkte, die stark von der Entwicklung in der Ukraine abhängen werden. Durch unsere übergeordnete Absicherungsstrategie (long Put) in der Asset-Klasse Aktien begrenzen wir die monetären Auswirkungen auf das Kapitalanlageergebnis. Direkte Investments in russischen Aktien halten wir nicht. Auf der Rentenseite halten wir lediglich über Zielfondsinvestments in Emerging-Markets-Produkten minimale Investments.“

Bezüglich der Sanktionen erwartet man bei der Signal Iduna „für beide Seiten negative Folgen, zumal auch mit Reaktionen der anderen Seite zu rechnen ist“. Unterm Strich bedeute das negative Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Andres: „Vor allem weiter steigende Energiepreise dürften negativ zu Buche schlagen. Von Vorteil ist, dass wir der wärmeren Jahreszeit entgegensehen, so dass ein Import- oder Lieferstopp russischen Gases kurzfristig zu verkraften wäre. Eine Rezession kann angesichts einer aufgestauten Nachfrage infolge der Corona-Krise und gut gefüllter Orderbücher der Unternehmen wohl ausgeschlossen werden.“

Bezüglich der Auswirkungen auf die Inflation und den Energiemarkt, meint Andres: „Ein weiterer Anstieg der Energiepreise treibt die ohnehin bereits hohen Preissteigerungsraten zusätzlich an. Eine solche Entwicklung wird die Notenbanken, allen voran die US-Notenbank, in ihren jüngsten Äußerungen hinsichtlich einer restriktiveren Geldpolitik tendenziell bestärken. Allerdings könnten sie angesichts der unsicheren Gemengelage kurzfristig auf ‚Beobachtungsmodus‘ schalten, ehe dann Zinsschritte erfolgen. Die Vereinigten Staaten werden möglicherweise Ölreserven freigeben, um dem Anstieg des Ölpreises entgegenzuwirken. In Europa könnte es letztlich den Energiewandel und Ausbau regenerativer Energien beschleunigen, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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