Die Stiftung Warentest hat mal wieder Vorsorgeprodukte unter die Lupe genommen – dieses Mal hat sie sich an Risikolebensversicherungen versucht. Mal könnte es recht einfach auf den Punkt bringen: Neues Produkt, gleicher Pfusch am Test. Denn wie schon in früheren Tests zur Berufsunfähigkeitsversicherung haben es die Tester auch bei der Risikolebensversicherung nicht vermocht, das Produkt wirklich so zu testen, dass der Leser etwas damit anfangen kann.
„Orientieren Sie sich vor allem am Preis“
Mit Verlaub, aber für solche Ratschläge Geld zu verlangen und staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen bewegt sich mit großen Schritten in Richtung Verbraucherverdummung. Und mehr noch: Ein solcher Ratschlag ist gefährlich – vor allem für Antragsteller, die gesundheitlich schon ein paar mögliche Erschwernisse mitbringen, was heute bei den meisten der Fall ist. Denn die vom Versicherer im Rahmen der Antragstellung abgefragten Zeiträume variieren zum Teil deutlich: Während viele Versicherer Krankenhausaufenthalte für einen Zeitraum von zehn Jahren rückwirkend abfragen, sind es bei anderen nur fünf Jahre. Viele Versicherer stellen unspezifische Fragen im Antrag, die kaum ehrlich zu beantworten sind. Und mit Anträgen, die vereinfachte Gesundheitsfragen anbieten, kann die Antragstellung noch einmal deutlich vereinfacht werden. Und da soll der Beitrag für den Kunden entscheidend sein?
Nachversicherung – alle über einen Kamm?
Die getesteten Tarife sollen laut Stiftung Warentest ausgestattet sein mit einer Nachversicherungsgarantie, die zum Beispiel Heirat und Geburt eines Kindes abdecken. Der Blick auf die explizit empfohlenen Tarife zeigt aber zum Beispiel, dass der Klassik-Tarif der Hannoversche eine ereignisabhängige Erhöhung bei Heirat oder Geburt eines Kindes gar nicht vorsieht. Und viele andere der gelisteten Tarife unterscheiden schon bei der Nachversicherungsoption, ob geheiratet oder eine Lebenspartnerschaft begründet wird oder ob ein Kind adoptiert oder selbst zur Welt gebracht wird. Das sind für Menschen mit entsprechenden Lebensmodellen möglicherweise gravierende Unterschiede, die erwähnt werden sollten. Für Finanztest gilt das wohl eher nicht.
Verteuerungsrisiko? Na und!
Immerhin hat es das Thema Verteuerungsrisiko in den aktuellen Test geschafft – ist es ja auch nicht ganz unwichtig für den Kunden, ob er Gefahr läuft, dass sich der Beitrag vielleicht mehr als verdoppelt. Bei deutlich mehr als der Hälfte aller empfohlenen Tarife besteht dieses Risiko, das ja nicht nur theoretischer Natur ist, wie regelmäßige Beitragsanpassungen der Lebensversicherer zeigen – und trotzdem werden sie empfohlen, obwohl es jede Menge Alternativen gibt? Schade, dass die Tester die Tarife zum Beispiel von der Canada Life oder der Community Life gleich mal gar nicht mit getestet haben, die mit ihren Festpreisen dieses Risiko quasi auf Null setzen. Aber warum soll man den eigenen Lesern den Tipps geben, die wirklich gut sind?
Fazit
Da viele der Empfehlungen Direktversicherer sind, besteht die Gefahr, dass die Kunden jetzt losrennen und dort Anträge stellen – geben sie dann ihren gesundheitlichen Status zum Besten und erhalten eine Absage oder eine Erschwernis, hat der Test den Lesern von Finanztest mehr geschadet als genutzt – und schlimmer noch: Versichert sind sie dann immer noch nicht und werden auch Probleme bekommen, den gewünschten Schutz mit dem vorherigen Votum der „Testsieger“ zu erhalten. Richtig ist es tatsächlich, nicht einfach auf einen fahrlässig oberflächlich ermittelt Versicherer zu setzen, sondern über eine individuelle Beratung wirklich passenden Schutz zu finden.
Über den Autoren
Seit mehr als zehn Jahren steht optimal-absichern.de für Informationen rund um das Thema Versicherungen. Versicherungsmakler Oliver Mest leitet die Tests und setzt sie fachlich wie auch journalistisch um. Neben den eigenen Tests hat optimal-absichern.de bereits zahlreiche Tests und Produktbewertungen für Medienpartner wie zum Beispiel Guter Rat oder biallo.de umgesetzt.