Druck auf die Rentenkasse

Demografie in Deutschland legt Rückwärtsgang ein

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat seine Demografie-Modelle korrigiert – allerdings in eine Richtung, die für gesetzliche Rentenversicherung und Krankenversicherung nichts Gutes bedeutet. Bessere Nachrichten gibt es hingegen vom Arbeitsmarkt. Zumindest wenn man Arbeitnehmer ist.
Senioren-Paar: In 20 Jahren wollen über 40 Senioren ihre Rente von 100 Arbeitnehmern
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Senioren-Paar: In 20 Jahren wollen über 40 Senioren ihre Rente von 100 Arbeitnehmern

Der sogenannte demografische Wandel nimmt in Deutschland Form an. Bereits 2025 schrumpfte die Bevölkerung, und in den kommenden Jahren soll das noch weiter gehen. Entsprechend rechnet das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln damit, dass 2045 noch 81,1 Millionen Menschen in Deutschland leben. 2025 waren es noch geschätzte 83,5 Millionen. Damit dreht der Trend nach Jahren mit wachsender Bevölkerung.

Das liegt an zwei (nicht ganz neuen) Punkten:

  1. Mehr Menschen sterben als geboren werden. Die Zahl der Sterbefällt im Jahr übertrifft die Zahl der Geburten um rund 350.000.
  2. Die Zuwanderung kann das Minus nicht mehr ausgleichen. Nachdem 2022 wegen des Kriegs in der Ukraine 1,4 Millionen Menschen einwanderten, waren es 2025 weniger als 250.000.

Deshalb ging schon im vergangenen Jahr die Bevölkerung um etwa 100.000 Menschen zurück. Die sogenannte Migrationswende der Bundesregierung (weniger Menschen neu ins Land) sorgt nun dafür, dass auch weiterhin ein jährliches Bevölkerungsminus anfällt.

Weil die Wissenschaftler des IW solche Entwicklungen aber nicht vorhersehen, sondern nur nachträglich in ihre Systeme einbauen, haben sie nun ihre Prognosen nach unten korrigiert. Die politisch gedämpften Zuwanderungszahlen hatten sie so noch nicht berücksichtigt.

Demnach leben 2030 noch 82,7 Millionen Menschen in Deutschland. 2040 sind es 81,6 Millionen und 2045 die erwähnten 81,1.

Interessant ist, was die IW-Leute daraus für den Arbeitsmarkt ablesen. Denn entgegen den derzeitigen Entlassungswellen rechnen sie bis 2045 mit deutlichem Druck in die andere Richtung. So sinkt das Erwerbspersonenpotenzial (Zahl der Personen von 15 bis unter 67 Jahre) von 55 Millionen im Jahr 2025 um 8,3 Prozent auf 50,4 Millionen im Jahr 2045.

Hinzu kommen Zahlen, die vor allem die gesetzliche Rente und die Krankenversicherung weiter unter Druck setzen dürften. Denn die Zahl der Senioren (ab 67 Jahre) steigt von aktuell 17 Millionen auf 20,4 Millionen im Jahr 2045. Das sind mal eben 3,4 Millionen mehr.

Die Zahl der Senioren im Verhältnis zu 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter steigt im selben Zeitraum von 30,8 auf 40,4. Dann wollen also über 40 Senioren von 100 Menschen ihre Rente bekommen. Davon abgesehen dürften 2,5 Millionen altersgerechte Wohnungen in Deutschland fehlen, schätzt man beim IW.

Fürs IW ergeben sich daraus klare Aufträge an die Politik. „Arbeitsmarkt und Sozialversicherung könnten viel früher und stärker unter Druck geraten als bislang befürchtet“, sagt IW-Ökonom Philipp Deschermeier. Bei schrumpfender Bevölkerung sinke auch das wirtschaftliche Potenzialwachstum – bei 20 Millionen Rentnern verschärfe das die Krise der Rentenkassen. „Die Politik muss die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erleichtern, etwa durch schnellere Visaverfahren und eine einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse“, so Deschermeier.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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