Assekurata zum Finanzkraft-Bericht der Bild

„Eine einzelne Kennzahl kann kein umfassendes Rating ersetzen“

Die Tageszeitung „Bild“ titelt am Mittwoch mit einer Geschichte unter der Überschrift „So krank ist ihre Lebensversicherung“. Dabei geht sie auf die Finanzkraft einzelner Anbieter ein und bezieht sich dabei auf eine Analyse des Rating-Hauses Assekurata. Die Rater haben nun eine Stellungnahme zum Bild-Bericht veröffentlicht. Tenor: Man könne die Finanzkraft eines Versicherers nicht anhand einer einzigen Kennzahl beurteilen.
© Screenshot Bild-Zeitung
Screenshot des heutigen Berichts der Bild.

„So krank ist ihre Lebensversicherung. 75 Anbieter im Rendite-Check. Schon 20 Unternehmen in der Zins-Falle. Was Kunden jetzt wissen müssen“ – so prangt es in großen Lettern auf der Mittwochsausgabe der Zeitung Bild.

In der Tageszeitung dann eine Tabelle mit eben diesen 75 Anbietern (Zugang über Bild Plus, kostenpflichtig). Die meisten grün eingefärbt, 20 in rot, darunter namhafte Anbieter wie Gothaer, Volkswohl Bund, Huk-Coburg, Debeka oder HDI Leben. In dem Bericht geht es um die Finanzkraft der Versicherer und die Bild stellt den rotmarkierten Anbietern ein eher schlechtes Zeugnis aus.

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Basis ist eine Kennzahl des Analysehauses Assekurata. Diese stellt die Erträge, die ein Lebensversicherer aus den Kapitalanlagen seiner Kundengelder erwirtschaftet hat, den bestehenden Rechnungszinsanforderungen (Garantiezinsen und Zuführung zur Zinszusatzreserve) gegenüber.

Eine Kennzahl reicht nicht

Assekurata hat nun eine Stellungnahme zu dem Bild-Bericht veröffentlicht und wehrt sich gegen das Vorgehen der Zeitung. „Assekurata weist darauf hin, dass es nicht sachgerecht ist, die Finanzkraft eines Anbieters alleine anhand dieser Kennzahl zu messen. Bei der Finanzkraft spielen viele Faktoren eine Rolle, welche sich nur mittels eines interaktiven Ratings seriös ermitteln und bewerten lassen“, heißt es.

Die Berichterstattung erwecke den Eindruck, dass ein hoher Wert dieser Kennzahl eine hohe Finanzkraft widerspiegele und umgekehrt. „Kennzahlen im negativen Bereich seien augenscheinlich besonders kritisch, da sich diese Unternehmen in der „Zins-Falle“ befänden.“

Aus Sicht von Assekurata ist diese Interpretation aus den folgenden Gründen nicht stichhaltig: „Zunächst einmal stehen den Lebensversicherern noch weitere Kapitalanlageerträge zur Verfügung, die in der dargestellten Kennzahl nicht berücksichtigt sind. Sollten die Kapitalanlageerträge selbst dann nicht zur Rechnungszinsfinanzierung ausreichen, können die Unternehmen überdies auf weitere Ergebnisquellen jenseits der Kapitalanlage zurückgreifen. Diese weiteren Ergebnisquellen können den Gesamtertrag mitunter deutlich stabilisieren. Dies trifft beim Risikoergebnis auf alle und beim übrigen Ergebnis immerhin auf 50 Anbieter zu (Geschäftsjahr 2015).“

Darüber hinaus hänge die Höhe der Kennzahl maßgeblich von den aufgelösten Bewertungsreserven ab. Dabei stünden Unternehmen, die in dem betrachteten Bilanzjahr viele Bewertungsreserven (vor allem über den Verkauf von festverzinslichen Anlagen) aufgelöst hätten, tendenziell besser da. „Das ist gerade dann besonders trügerisch, wenn der Verkauf von Altpapieren aus einer gewissen Drucksituation entstanden ist, sofern die Rechnungszinsen ansonsten nicht komplett finanzierbar gewesen wären“, schreibt Assekurata weiter.

Wesentliche Punkte bleiben unberücksichtigt

Eine geeignetere Kennzahl für die Bewertung der Finanzkraft eines Versicherers stelle beispielsweise die EKG-Quote dar, die in der gleichen Assekurata-Studie veröffentlicht wurde. „Diese bezieht neben dem gesamten Kapitalanlageergebnis auch das Risikoergebnis, das übrige Ergebnis und einen Teil der vorhandenen Bewertungsreserven ein.“

Das Fazit der Analysten: Die „Finanzkraft“-Kennzahl der Bild-Zeitung sei aus Sicht von Assekurata keinesfalls als Fundamentalaussage zur Finanzkraft beziehungsweise Bonität einzelner Unternehmen zu missdeuten, zumal sie weitere wichtige Aspekte, beispielsweise die Eigenmittelstärke unter Solvency II, völlig ignoriere.

„Grundsätzlich gilt, dass eine einzelne Kennzahl letztlich kein umfassendes qualifiziertes Rating ersetzen kann, das die vielschichtigen wirtschaftlichen Sachverhalte auf einer internen Datenbasis und mit einer zukunftsgerichteten Perspektive betrachtet.“

Auch Bundestagsabgeordnete Susanna Karawanskij (DIE LINKE) hat den Bericht der Bild gelesen. Ihre Meinung dazu:

„Die Versicherungswirtschaft sucht immer die Schuld woanders und kehrt zu wenig vor der eigenen Haustüre. Fakt ist, die Lebensversicherungsunternehmen haben sich verkalkuliert. Es wurden in der Vergangenheit Garantien versprochen, die in einem anderen wirtschaftlichen Umfeld bei realistischen Prognosen nie gehalten werden können. Schnelle Kundengewinnung darf nie vor Sicherheit und Vorsicht gehen. Leidtragende dürfen aber nun nicht weiterhin die Kunden sein, deren Überschüsse seit Jahren wie Schnee in der Sonne dahinschmelzen. Die Versicherungsunternehmen sollten stattdessen auch mal in die eigene Tasche greifen und beispielsweise etwas von ihren Jahr für Jahr stolz präsentierten stattlichen Gewinnen abknapsen. Zugleich müssen Versicherte wieder hälftig an den Bewertungsreserven beteiligt, und es muss – wie es auch Verbraucherschutzverbände fordern – mehr von den freien RfB an Versicherte ausgekehrt werden. Nur so kann für Verbraucher „Druck“ (BILD) aus der Lebensversicherung genommen werden.“

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