Reform der Altersvorsorge

Aktivrente – hopp oder top?

Steuerfrei 2.000 Euro hinzuverdienen nach dem Renteneintritt: Die zu Jahresbeginn gestartete Aktivrente ist in Fachkreisen umstritten. Pfefferminzia stellt die wichtigsten Argumente für und wider Aktivrente gegenüber.
Älterer Mann überprüft eine große Maschine in der Werkstatt.
© picture-alliance/ ZB | Patrick Pleul
Ein älterer Mann bei der Arbeit im Sägewerk: Die Aktivrente soll Arbeiten nach dem Renteneintritt attraktiver machen.

Im Dezember vergangenen Jahres wurde das neue Rentenpaket verabschiedet. Darin enthalten: die Aktivrente. Seit 1. Januar 2026 können angestellte Arbeitnehmer nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro monatlich, also 24.000 Euro pro Jahr, steuerfrei hinzuzuverdienen. Die Bundesregierung möchte so einen starken Anreiz für eine freiwillige längere Arbeitszeit setzen und damit dem sich verschärfenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Außerdem soll die Aktivrente die Rentenkassen entlasten.  

Die Befürworter der Regelung betonen eine Stärkung der Wirtschaft und heben die höheren Netto-Einkommen für ältere Arbeitnehmer hervor. Andere Experten kritisieren vor allem eine Bevorzugung von Besserverdienenden, eine Ungleichbehandlung von Selbstständigen und hohe Steuermindereinnahmen.  

Pro: Argumente für die Aktivrente im Detail 

Voraussetzung für die Nutzung der Aktivrente ist der Bezug der gesetzlichen Rente. Der steuerfreie Hinzuverdienst erfolgt, ohne Beiträge für die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung zahlen zu müssen. „Das schafft zusätzliche Kaufkraft und sichert Fachkräfte“, sagte der Erfinder der Aktivrente, CDU-Politiker Carsten Linnemann, 2025 der Presse. Der Arbeitsmarkt profitiere so weiter vom Erfahrungswissen langjähriger Fachkräfte. Der Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen (BVSV) hat Ende vergangenes Jahr ein Jobcenter für Rentner eingerichtet, die die Aktivrente nutzen möchten. 

Ein weiterer Vorteil: Mit der Aktivrente kann die gesetzliche Rente gesteigert werden. Denn längeres Arbeiten führt zu höheren Einzahlungen in die Rentenversicherung und somit zu einer höheren eigenen Rente. Ein weiteres Argument der Befürworter ist die Entlastung der Rentenkasse: Denn durch fortlaufende Beitragszahlungen wird das Rentensystem gestärkt. Auch kann der Wechsel in den Ruhestand gleitender gestaltet werden. Außerhalb der Bundesregierung findet man jedoch kaum uneingeschränkte Befürworter der Aktivrente.  

Contra: Die Argumente gegen die Aktivrente im Detail 

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) blickt kritisch auf Kosten und Effektivität der Aktivrente. Laut einer IW-Umfrage arbeiten die meisten älteren Beschäftigten aus Freude an ihrer Tätigkeit oder wegen sozialer Kontakte – aber nicht aus finanziellen Gründen. Werde dieses Ziel verfehlt, bleibe auch die erhoffte Entlastung der Rentenkasse aus. „Zudem birgt die Regelung rechtlichen Sprengstoff. Die steuerliche Bevorzugung der angestellten Rentner gegenüber Selbstständigen könnte gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen“, so Jochen Pimpertz, Leiter des Clusters Staat, Steuern und Soziale Sicherung des IW. Neben Selbstständigen sind auch Freiberufler, Beamte und Minijobber von der Neuregelung ausgenommen.  

Hinzu kommt: Werden ältere Beschäftigte gegenüber jüngeren bevorzugt, lässt sich das womöglich als Altersdiskriminierung auslegen. Experten befürchten zudem hohe Steuermindereinnahmen von bis zu 900 Millionen Euro pro Jahr bei unsicheren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das IW schätzt die Mindereinnahmen durch die Aktivrente sogar auf bis zu 1,4 Milliarden Euro. Weitere Argumente gegen die Aktivrente betreffen die aufwendige monatliche Prüfung der Steuerfreiheit und dass diese sich nicht auch auf die Sozialversicherungsbeiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung erstreckt, die von den arbeitenden Rentnern weiterhin abgeführt werden müssen. 

Fazit: Die Aktivrente ist ein umstrittenes Instrument, das zwar Anreize für längeres Arbeiten schafft, aber in der Ausgestaltung tiefgreifende soziale Fragen aufwirft. Die Aktivrente gilt als ein Kompromiss der Regierungskoalition, um die Flexibilität zu erhöhen, anstatt das Rentenalter weiter zu erhöhen. Die meisten Experten betonen die hohen Kosten bei gleichzeitig unsicherem Nutzen, der in erster Linie Besserverdienenden zugute kommen werde. Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, die von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Aktivrente maximal zu 33.000 zusätzlich beschäftigten Rentnern führen kann. Bei derzeit rund 1,3 Millionen arbeitenden Rentnern wäre das ein Plus von 2,5 Prozent. 

Weitere Detailregelungen zur Aktivrente finden Sie hier auf Pfefferminzia.de. 

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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