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Verbraucherschützer werden das nur sehr ungern hören, aber offenbar ist es so: Kunden fragen nur selten sogenannte Nettotarife von Versicherungen nach. Der Absatz ist äußerst gering, und das wird wohl auch erstmal so bleiben.
Unter Nettotarifen versteht die Branche all jene Versicherungstarife, in denen keine Provision beziehungsweise Courtage für den Vermittler enthalten ist. Stattdessen zahlen Kunden separate Honorare für die Beratung.
Schon seit Jahren trommelt der Verbraucherschutz für diesen Vertriebsweg. Er vermutet – nicht immer ohne Grund –, dass die Höhe der Provision mit darüber bestimmt, welches Produkt der Kunde bekommt. Stichwort: Interessenskonflikt. Diverse Regierungen wollen seit fast zwei Jahrzehnten über unterschiedliche Maßnahmen die Honorarberatung ebenfalls nach vorn bringen.
Doch Kunden entscheiden nun mal mit den Füßen. Und eine Studie mit dem Titel „Nettotarifangebot deutscher Versicherungsunternehmen“ aus dem Institut für Versicherungswissenschaft an der Uni Köln zeigt das enttäuschende Ergebnis: Die Zahl der Honorarberater bleibt gering. Die Nachfrage nach Nettopolicen ist dünn. Verfasst haben die Studie die Professoren Matthias Beenken und Heinrich R. Schradin.
Speziell im Geschäft mit Versicherungen stehen 178.460 Vermittlern lediglich 331 Versicherungsberater auf Honorarbasis gegenüber. Wobei Beenken und Schradin hinzufügen, dass Versicherungsmakler statt gegen Provision auch gegen Honorar vermitteln können. Sie bieten dann den Nettotarif an, sofern es denn einen gibt.
Doch wie genau ist es um den Markt bestellt? Für die aktuelle Studie (es ist Ausgabe Nummer 4) befragten die Forscher 25 Versicherungsunternehmen. Damit sinkt die Zahl der Teilnehmer fortlaufend. 2011 waren es noch 49. Immerhin arbeiten 82 Prozent der teilnehmenden Versicherer mit Maklern zusammen.
13 Versicherer aus der Stichprobe bieten Nettotarife an. Einer davon ermöglicht es, Provision an die Kunden weiterzugeben (durchzuleiten). Und ein weiterer bietet das an, aber keine Nettotarife. Insgesamt nennen die Studienautoren das „ein nennenswertes Angebot an Nettotarif-Anbietern“.
Trotzdem liegt der Anteil der Nettotarife am Neugeschäft nur knapp über null. Sie betragen:
Dabei stellt sich heraus, dass sich die Versicherungsunternehmen normalerweise nicht darum kümmern, wie Vermittler die Nettotarife verkaufen. Das finden Beenken und Schradin aus folgenden Gründen mindestens fragwürdig:
Insofern sollten Versicherer im Rahmen des Risikomanagements genau hinschauen, wie ihre Nettotarife unters Volk gebracht werden. Finden die Studienautoren.
Weitere Details aus der Studie zeigen, wie enorm skeptisch Versicherer gegenüber der Honorarberatung sind. Nur wenige sehen Verbraucherschutz und Transparenz als Vorteile. Fast drei Viertel meinen, dass sich Honorarberatung vor allem für vermögende Kunden eignet. Und die Hälfte hält eine Honorar-Ordnung für sinnvoll, um Kunden zu schützen, die mit der Sache nicht so vertraut sind.
Am Ende schätzen die Befragten vor allem die Nachfrage als sehr gering ein. So teilt ein befragter Versicherer wörtlich mit: „Honorarberatung setzt sich nicht durch, da Endkunden den Wert einer Beratung nicht wertschätzen können.“ Ein anderer meint: „Anhand der uns bisher vorliegenden Informationen und Erfahrungen scheint das Kundeninteresse an der Honorarberatung weiterhin sehr überschaubar zu sein.“
Dem stehen Kosten gegenüber, die für jeden neuen Nettotarif zwangsläufig anfallen. Das Argument greift vor allem in Hinblick darauf, dass der Gesetzgeber wiederholt das Niveau der Abschlusskosten drücken wollte.
Noch weitere – nicht neue – Argumente zielen dahin, dass sich Kunden mit mittleren oder niedrigen Einkommen Honorare nicht leisten können. So könnten sichtbare Versorgungslücken entstehen. Ein Versicherer schreibt: „Eine Umstellung auf Honorar statt Provision/Courtage hätte eine erhebliche Unterversicherung vieler Haushalte zur Folge.“
Die komplette Studie können Sie hier herunterladen.
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