Pfefferminzia: Herr Grabmaier, JDC bringt zum Jahreswechsel eine eigene App auf den Markt. Wieso dieser Schritt?
Sebastian Grabmaier: Einer unserer Geschäftsbereiche ist die Entwicklung moderner Beratungs- und Verwaltungstechnologien für Berater und Kunden, wir nennen das Advisortech. Anders als andere Fintech-Unternehmen arbeiten wir hier aber nicht disruptiv gegen Berater, sondern für Berater. Viele Makler fühlen sich durch die ganzen technischen Neuerungen bedroht: Sind wir jetzt alle obsolet? Redet der Kunde nur noch mit seinem Handy?
Ich ziehe da gerne den Vergleich zum Deutschen Buchhandel und dem Start von Amazon. Hätte der Buchhandel nicht so lange gewartet und von sich aus günstige Online-Einkaufsmöglichkeiten geschaffen, hätte Amazon vielleicht gar keinen so großen Markterfolg gehabt. Und genauso können Makler darauf warten, dass ihnen die Fintechs wie ein Staubsauger Verträge abziehen, oder aber sie gehen proaktiv vor, indem sie ihrerseits mit einer eigenen Kunden-App Verträge einsammeln. Unsere App bedroht also den Makler nicht, sie gibt ihm die Riesen-Chance, diese neuen, hochinteressanten Technologien erfolgreich für sich einzusetzen.
Was bietet die App konkret?
Grabmaier: Wir haben neun Monate lang alle Steine umgedreht und uns angeschaut, welche der Fintech-Geschäftsmodelle sinnvoll sind und welche nichts taugen. Was in unseren Augen jedem Kunden einen echten Mehrwert bringen wird, sind Apps, die alle seine Versicherungsverträge auf dem Handy bündeln. So entsteht erstmals ein vollständiger Überblick über das Versicherungsportfolio, das man dazu stets via Smartphone verfügbar hat. Das bieten wir künftig an.
Die Fintechs haben etwas geschafft, was der Markt bisher nicht zustande gebracht hat, nämlich die Versicherer dazu zu bringen, dass sie ganz einfache Bestandsübertragungen zulassen. Wir bieten ja bisher auch einfache Tools zur Bestandsübertragung an, aber selbst da forderte das Versicherungsunternehmen bisher immer, dass man Kundenstammdaten und die Vertragsnummer in das System eingeben musste. Für die Vertragsnummer müssen die meisten Kunden aber erst in ihren Unterlagen kramen – und das ist vielen zu viel Aufwand.
Für unsere App brauchen Sie nur Namen, Geburtstag, Email-Adresse und eine Unterschrift auf dem Display des Handys. Sie sagen dem Versicherer als Kunde: Einmal den Vertrag übertragen bitte – vier Tage später sind die Daten da und vier Wochen später der Vertrag. Alle seine Versicherungsdokumente hat der Kunde dann immer mit seinem Telefon dabei, was zum Beispiel auf Reisen oder bei Schadensfällen sehr praktisch ist.
Und welche Vorteile ergeben sich für den Berater?
Grabmaier: Sinn und Zweck ist es immer, Beratungsansätze zu schaffen. Hat der Kunde alle seine Verträge vor Augen, fällt ihm vielleicht auf, dass er doppelt versichert ist oder gar nicht. In der App sind Call-to-Action-Buttons hinterlegt wie „Jetzt Berater kontaktieren“. Er kann also etwa mit seinem Berater chatten wie bei WhatsApp oder künftig auch Videochats nutzen. Der Makler wiederum kann seinen Kunden darauf aufmerksam machen, dass er bei einer Versicherung vielleicht zu viel Beitrag zahlt im Verhältnis zur Leistung oder zu dem Preis auch ein besserer Schutz möglich ist.
Wir schaffen also ein echtes hybrides Beratungsmodell, bei dem der Kunde nicht nur – wie bei den anderen Apps – einen Überblick über die eigenen Verträge hat, sondern immer auch den Zugang zum Berater suchen kann. Und zwar nicht zu irgendeinem, sondern zu seinem Berater. Der Kunde merkt bei den anderen Apps ja oft gar nicht, dass er einen Betreuungswechsel veranlasst, wenn er diese Apps nutzt. Er verliert dadurch seinen ursprünglichen Betreuer, was er in den allermeisten Fällen eigentlich gar nicht will.
Was muss der Makler machen, um die App seinen Kunden anzubieten?
Grabmaier: Der Makler lädt den Kunden etwa über einen Link in einer Email ein, die App im App-Store herunterzuladen. Der Kunde lädt sie runter, gibt sein Passwort ein und sieht dann direkt alle Verträge, die er bei diesem Makler hat. Er hat zusätzlich die Möglichkeit, andere Versicherungsverträge anzufordern und zu diesem Makler zu übertragen. Der Berater kann die Vertragszahl pro Kunde also deutlich erhöhen.
Entstehen dabei Kosten für Makler und Kunde?
Grabmaier: Nein. Die App ist kostenlos im App-Store zu haben und kostenfrei für Kunden und Makler.
Und wie refinanzieren Sie Ihren Aufwand?
Grabmaier: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wenn eine Haftpflichtversicherung beispielsweise 100 Euro kostet, zahlt der Kunde davon jedes Jahr über 20 Euro an Courtage für die Vermittlung und laufende Betreuung. Nutzt er die App, bekommt der Makler nach wie vor einen Großteil dieser 20 Euro, der Kunde bezahlt einen kleinen Teil aber auch für die neue Technologie. Überträgt der Kunde nun weitere Verträge über die App auf seinen Makler, steigt nicht nur die Courtage für den Makler, sondern auch der Deckungsbeitrag für JDC, was die App schnell voll finanziert.
Haben Sie schon Ideen für die Weiterentwicklung der App?
Grabmaier: Ja. Der nächste Schritt ist, dass der Kunde auch seine ganzen Kapitalanlageverträge bündeln kann – seine Bankdaten, seine Wertpapierdepots. Das werden wir nach und nach ausbauen. Die Technik ist schon da und der Vermittler könnte das auch schon sehen, wir arbeiten nur noch an einer vernünftigen Nutzeroberfläche für den Kunden.
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