Pfefferminzia: Warum kommt Ihr neues Provisionssystem denn erst jetzt? Das LVRG ist schon über ein Jahr alt.
Maximilian Buddecke: Wir haben vergangenes Jahr ein Drei-Phasen-Modell gestartet. Und was wir jetzt machen, ist Phase 3. Phase 1 griff direkt nach Inkrafttreten des LVRG am 1. Januar 2015. Zu diesem Datum haben wir die Kosten unserer Produkte reduziert, also den Zillmersatz auf 25 Promille gesenkt. Phase 2 startete am 1. April 2015. Da haben wir flächendeckend für alle die Provisionen der Altersvorsorgeprodukte um 11 Prozent reduziert. Damals haben wir aber schon betont, dass es eine Phase 3 geben wird. Das passiert nun zum 1. Juli 2016. Wir wollen Vermittlern in Zukunft ein sehr flexibles Abrechnungssystem anbieten.
Wie sieht das aus?
Vier Modelle wird es geben. Verkauft der Vermittler ein Altersvorsorgeprodukt kann er bei jedem Vertragsabschluss aus drei Abrechnungssystemen wählen, das vierte Modell bezieht sich auf die BU. Wichtig ist dabei, dass das Abrechnungsmodell keine Auswirkungen auf den Vertrag des Kunden hat. Welches Modell der Vermittler wählt, benachteiligt den Kunden nicht. Die drei Modelle in der Altersvorsorge sollen sicherstellen, dass der Vermittler das jeweils passende für seine persönliche Situation aussuchen kann. Die Modelle heißen Klassik, Zukunft und Bilanz.
Fangen wir mit dem Modell Klassik an.
Das Modell Klassik ist so gestrickt, dass wir 100 Prozent der heutigen Abschlussprovision auszahlen. Von diesen 100 Prozent werden wir aber die Hälfte als eine Vorauszahlung auf eine ratierliche Abschlussprovision auszahlen. Das ist also anders deklariert in der Bilanz. Bei der einen Hälfte, der „normalen“ Abschlussprovision also, gilt eine Haftungszeit von fünf Jahren. Bei der anderen, der ratierlichen Hälfte, gilt dagegen eine Haftungszeit von acht Jahren.
Ok, wie sieht es beim Modell Zukunft aus?
Vermittler erhalten 50 Prozent der heutigen Abschlussprovision nach wie vor sofort. 25 Prozent gibt es dann wieder als Vorschuss auf die ratierliche Abschlussprovision. Dieses Mal aber nur mit einer Haftungszeit von fünf Jahren. Und die restlichen 25 Prozent gibt es gehebelt mit einem Faktor als laufende Abschlussprovision, die die ganze Vertragslaufzeit durchläuft. Je länger der Kunde den Vertrag also hält, desto länger soll auch der Vermittler davon profitieren.
Fehlt nur das Modell Bilanz.
Genau. In diesem Modell werden wir zu Anfang 50 Prozent der Provision auszahlen und die restliche Hälfte – auch diese wird wieder mit einem kleinen Faktor gehebelt – bekommt der Vermittler gleichmäßig verteilt auf die ersten fünf Jahre. Hier beträgt die Haftungszeit auch fünf Jahre.
Was ändert sich im biometrischen Bereich?
Hier spiegeln wir das Modell Klassik. Es gibt 100 Prozent der Abschlussprovision sofort und die Hälfte wird wieder als ratierliche Abschlussprovision ausgezahlt. Allerdings mit dem Unterschied, dass wir hier die Haftungszeit nicht verlängern. Da bleibt es bei fünf Jahren.
Wenn Sie eines der Provisionsmodelle Zukunft nennen, ist das dann eine Prognose, wohin der Markt eher steuern wird? Wird das also tatsächlich Ihrer Ansicht nach das Provisionsmodell der Zukunft sein?
Das könnte man vermuten mit der Bezeichnung, da gebe ich Ihnen recht. Das würde mir aber von der Interpretation her zu weit gehen. Es kommt einfach auf die persönliche Situation des Vermittlers an. Bei einem Abschluss sagt er: „Ich brauche jetzt Liquidität, also nehme ich die Klassik-Variante“. Beim nächsten Kunden, weiß er, der hält durch, also nimmt er da das Modell Zukunft. Beim dritten Kunden braucht er Gewinne in seiner Bilanz und wählt deshalb das Modell Bilanz. Diese Flexibilität wollten wir ihm geben, alleine darauf kam es an. Wir sind da nicht dogmatisch.
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