Pfefferminzia: Sie behaupten, dass 97 Prozent der Insurtechs in Deutschland eine Lachnummer sind. Wie kommen Sie zu diesem Schluss?
Dominik Groenen: Wenn ich mir die Apps oder Webseiten anschaue von Clark, Knip, Get Safe oder Friendsurance sieht das auf den ersten Blick immer toll aus. Hinter der Fassade aber sind das alles herkömmliche Versicherungsmakler nach Paragraf 34d GewO, die bei ihrer ortsansässigen IHK registriert sind und mit großen Partnern wie Fonds Finanz, BCA, DEMV und Jung, DMS & Cie. zusammenarbeiten. Auch bei Softfair klingeln die Unternehmen an und möchten technische Lösungen nutzen. Das kritisiere ich: Man stellt sich als mega-innovativ dar, pocht darauf, dass man 15 Millionen Euro Investorengelder eingesammelt hat – bekommt gleichzeitig aber die ganze Abwicklung und Verarbeitung nicht hin und muss sich Partner suchen. Für mich ist das schon ein Stückweit Verarschung.
Was machen Sie mit massUp anders?
Wir sind der einzige Anbieter am deutschen Markt, der nicht registrierter Versicherungsmakler, Mehrfachagent oder so etwas ist. Wir sind also keine Konkurrenz für den Vertrieb. Was im deutschen Versicherungsmarkt lange Zeit fehlte, waren Schnittstellen. Und die bieten wir. Wenn ein Versicherer oder Makler schnell bestimmte Produkte auf seiner Webseite integrieren möchte, in einen Onlineshop, bei einem stationären Händler oder in ein Kundenportal kann er das über massUp machen. Innerhalb von wenigen Minuten können wir mit unserer Technologie Versicherungsprodukte an jede digitale Stelle dieser Welt bringen. Damit sind wir einzigartig am Markt. Vor ein paar Wochen habe ich mit einem Kreditkartenanbieter telefoniert, der 800.000 Kunden hat. Und der möchte seinen Kunden jetzt bestimmte Versicherungsprodukte anbieten. Da kommen wir ins Spiel und machen dies möglich. Der große Unterschied ist aber, dass wir das nicht als Anbieter am Markt machen. Wir selber gehen niemals an Endkunden.
Sondern?
Wir halten uns im Hintergrund, sind White-Label-Anbieter. Das komplette Online-Geschäft der neuen MLP-Marke „MLP Financify“ beispielsweise läuft über unsere Lösung. Das unterscheidet uns. Und da merken wir jetzt, dass da auch ein bestimmter Neid entsteht.
Von Seiten der anderen Start-ups?
Genau. Viele Geschäftsmodelle bei den anderen Start-ups kommen nicht zum Fliegen, weil die sich direkt an den Endkunden wenden. Will man aber Endkunden erreichen, braucht man vor allem viel Geld. Wir haben einen ganz anderen Ansatz gewählt. Denn wir gehen dahin, wo es schon Kunden gibt. Ein Versicherer oder ein Kreditkartenanbieter hat schon Kunden. Da geht es nur darum, wie ich die neu aktiviert bekomme. Wenn wir mit Versicherern oder Maklern sprechen, bekommen wir Lob. „Sie helfen uns ja“, ist ein Satz, den ich oft höre. Die anderen sind die Konkurrenten, wir die Unterstützer. Es gibt zwei Lager – und wir sind die Guten. Das merken aktuell auch die anderen Insurtechs und sind schlichtweg neidisch und merken, dass Sie auf einem falschen Weg sind.
Für welche Versicherungsprodukte funktioniert Ihr Modell?
Angefangen haben wir mit Produkten aus dem Nischenbereich wie Smartphone- und Fahrradversicherung oder Policen für Sportgeräte und Musikinstrumente. So konnten wir beweisen, dass unser System funktioniert und wir die Produkte schnell integrieren konnten. Mittlerweile sind wir aber auch in der Lage, Privathaftpflicht, Hausrat- oder Risikolebensversicherungen einzubinden oder auch Produkte aus dem Bereich Standardgewerbe-Bereich. Damit werden wir jetzt noch viel spannender für Versicherer, Großmakler und den einzelnen Makler.
Auch Makler können also zum Beispiel eine Risikolebensversicherung auf ihrer Webseite einbinden?
Ja. Wir beschäftigen uns mit einem Teil des Marktes, den sich viele Makler noch gar nicht erschlossen haben. Kein Makler macht heute nennenswertes Direktgeschäft. In vielen Bereichen ergibt es aber einfach keinen Sinn mehr, dass der Makler raus zum Kunden fährt. Wir bieten ihm hier eine Lösung. Und weil wir keine Konkurrenten sind, die nur an seine Kunden oder an seine Daten wollen, arbeiten Makler auch gerne mit uns zusammen.
Sie sind mit dem Analysehaus Morgen & Morgen gerade auf Roadshow und erklären Maklern, wie sie sich fit für die Generation Smartphone machen können. Wie geht das denn?
Absolut korrrekt. Morgen & Morgen und wir haben eine strategische Partnerschaft gebildet und sind gerade auf großer Roadshow. Der Internetzugang über Smartphones und Tablets liegt heute schon bei rund 68 Prozent. Emails checken, Bahntickets buchen, googeln, Facebook nutzen, Onlinebanking nutzen und so weiter – heute macht man doch schon fast alles übers Smartphone. Es ist wichtig, dem Makler klarzumachen, dass er die Leute auch genau da abholen muss. Dazu braucht er mindestens mal eine Webseite, die ein auf Mobil-Nutzer abgestimmtes, responsives Design hat. Das haben viele Vertriebler noch nicht. Um solches Wissen geht es. Auch wichtig, ist der Blick über den Tellerrand auf andere Branchen. Mein Lieblingsbeispiel ist hier WhatsApp. Diejenigen, die vorher bei Vodafone, T-Mobile oder O2 für das Thema SMS zuständig waren, können sich heutzutage doch alle aus dem Fenster stürzen. Was machen diese Abteilungen denn heute noch? WhatsApp hat alles auf den Kopf gestellt von einem Tag auf den anderen. Die Digitalisierung kann Geschäftsbereiche komplett verändern. Wichtig ist es, auch dafür mal ein Bewusstsein zu schaffen.
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