„Versicherungsvertrieb der Zukunft“ in Köln

„Wie kann der Deckel dann bitte trotzdem kommen?“

Die Debatte um die mögliche Einführung eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung bewegte auch die Teilnehmer des MCC-Kongresses „Versicherungsvertrieb der Zukunft“ in Köln. Allen voran BVK-Präsident Michael Heinz zeigte sich irritiert über den jüngsten Vorstoß aus Berlin.
© MCC-Seminare
Himmel hilf: BVK-Präsident Michael Heinz sprach auf dem MCC-Kongress „Versicherungsvertrieb der Zukunft“ Klartext in Sachen Provisionsdeckel.

Köln und Berlin trennen gut 550 Autobahn-Kilometer. Und auch ideell gesehen schien dieser Tage zwischen der Rheinmetropole und der Bundeshauptstadt eine erhebliche Distanz zu liegen, wie auf dem MCC-Kongress „Versicherungsvertrieb der Zukunft“ vergangene Woche in Köln deutlich wurde.

Denn: Das Entsetzen über die Pläne der Bundesregierung – beziehungsweise des SPD-geführten Finanzministeriums – für den Versicherungsvertrieb waren dort mit Händen zu greifen. Der Provisionsdeckel in der Lebensversicherung wirft seine Schatten voraus und dies schlug mächtig auf die Stimmung – sowohl beim Fachpublikum als auch bei einigen Referenten.

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„Ich will Sie mal kurz teilhaben lassen an meiner politischen Arbeit: Ich bin in Sitzungswochen des Bundestages fast jede Woche einen Tag in Berlin. Ich treffe dort auf viele Menschen, die mir zum Thema Provisionsdeckel überhaupt keine Antwort geben können. Die aber trotzdem sagen: Muss sein“, ließ Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), in seinem Vortrag sichtlich genervt durchblicken.

Von den vier abgeordnetenstärksten Parteien (CDU, SPD, AfD, FDP, Anm. d. Redaktion) seien drei gegen den Provisionsdeckel, bemerkte Heinz. „Jetzt werden Sie sich fragen: Wie kann der Deckel dann bitte trotzdem kommen?“

Der BVK-Präsident beantwortete die Frage, indem er beispielhaft auf eine „junge Abgeordnete, 32 Jahre, erste Legislatur im Bundestag“ zu sprechen kam. Das Parteibuch der Politikerin verschwieg Heinz „aus Höflichkeit“. Geschenkt. Es wusste ja sowieso jeder im Saal Bescheid. Was dann aus dem Munde des gewohnt wortgewaltigen Verbandschef folgte, muss man so wiedergeben, wie es gesagt wurde. Denn es zeigt exemplarisch, wie schwer oder gar unmöglich es sein kann, mit Sachargumenten die scheinbar undurchdringliche Mauer politischer Festlegungen (man kann es auch Ideologie nennen) zu durchbrechen.  

Jedenfalls erinnerte sich Heinz an das Gespräch mit jener Abgeordneten so:

„Ich versuche ihr – vergeblich allerdings – zu erklären, was das für ein toller Beruf ist und was das für ein tolle Branche ist – und dass durch die IDD alles geregelt ist. Und jeder zweite Satz der Dame lautet: ,Aber die Provisionen sind ja so hoch.‘ ,Was meinen Sie denn?‘ ,Naja, die Provisionen. Und dann hat man ja gehört… Und die Beschwerden.‘ ,250 im Jahr.‘ ,Ja, ja, aber die Provision…‘“

„Dann gehen Sie nach 45 Minuten raus und sind sich nicht sicher, ob die Abgeordnete gedacht hat, ich wär‘ Präsident des Bauernverbandes“, fügte Heinz unter Gelächter der Zuhörer hinzu (was vielen wohl eher im Halse stecken geblieben sein dürfte).

Entschiedene Gegner des Provisiondeckels: Martin Gräfer, Vertriebsvorstand Die Bayerische (links) und Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender JDC Group (rechts), diskutieren mit Moderator Hans-Wilhelm Zeidler über den „Versicherungsvertrieb der Zukunft“. Quelle: MCC-Forum

Es passt zu dieser bitteren Pointe, dass sich der Vermittler-Chef als nächstes darüber echauffierte, dass der Referentenentwurf zum Provisionsdeckel als erstes „in der Politik beliebten Journalisten“ zugespielt worden sei, nicht aber an die betroffenen Verbände, wie etwa den Versicherungsverband GDV. „Wie kann das angehen?“, rief Heinz in den Saal. „Das ist eine Frage der politischen Kultur in diesem Land.“

Immerhin dürfte es Heinz und seine Branchenmitstreiter gefreut haben, dass am Donnerstag, also nach dem Kongress in Köln, bekannt wurde, dass sich Fachpolitiker von CDU/CSU gegen den Referentenentwurf für einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung ausgesprochen haben sollen. Die Gruppe sähe in der Lebensversicherung keinen Regelungsbedarf und warnte vor hohen Kosten gerade für kleinere Gesellschaften, zitierte der Versicherungsmonitor aus einer Stellungnahme des Arbeitskreises Finanzen, der an das Kanzleramt und das Wirtschaftsministerium verschickt wurde.

Stichwort kleinere Gesellschaften: Angesichts der Tatsache, dass die Vermittlerzahlen weiter rückläufig sind, ließ Heinz sodann wissen, dass er „gar nicht böse“ über diese Entwicklung sei. „Es wird dort eine qualitative Veränderung stattfinden“, fasste der BVK-Präsident zusammen. „Morgen bei Aral, abends bei Signal“ ginge heute nicht mehr.

„Macht Regulatorik den Vertrieb unattraktiv?“, wollte Moderator Zeidler von Rechtsexperte Norman Wirth (links) und Standard-Life-Manager Christian Nuschele wissen. Quelle: MCC-Forum

Darüber hinaus erinnerte Heinz daran, dass heute das „Wehklagen“ in jenen Ländern einsetze, die ein Provisionsverbot umgesetzt hätten, „weil große Teile der Menschen in diesen Ländern von der Beratung ausgeschlossen sind, weil diese für sie nicht finanzierbar ist“.  

Auf das Thema Provisionsverbot kam auch Christian Nuschele, Head of Sales and Marketing Germany and Austria bei Standard Life, zu sprechen. Viele Menschen aus der britischen Bevölkerung würden keine Finanzberatung mehr in Anspruch nehmen, berichtete Nuschele über die Folgen des Provisionsverbotes in Großbritannien, das 2013 eingeführt wurde. Grund hierfür sei, dass viele Briten nicht die Mittel für eine Honorarberatung aufbringen können oder wollen. Zugleich habe sich aber die Beratungsqualität im Vereinigten Königreich deutlich verbessert, wie Nuschele ergänzte.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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