Vermittlergewinn unter 50.000 Euro – großes Leser-Echo

„Altersarmut des Maklers ist programmiert“

Am Montag hatte Pfefferminzia berichtet, dass gut jeder dritte Versicherungsvermittler mit seinem Geschäft einen Jahresgewinn von weniger als 50.000 Euro vor Steuern erwirtschaftet. Das Leser-Echo war gewaltig – darunter auch die E-Mail eines Maklers, in der beispielhaft vorgerechnet wurde, was von 50.000 Euro am Ende eigentlich übrigbleibt. Hier kommen die Details.
© dpa
Gehen bald die Lichter aus? Viele Kleinvermittler fühlen sich durch die hohe Regulatorik in ihrer Existenz bedroht.

Weniger als 50.000 Euro Jahresgewinn vor Steuern? Viele Vermittler können darüber nur den Kopf schütteln. So teilte etwa Alexander F. der Pfefferminzia-Redaktion via Facebook mit: „Was bitte machen diese Vermittler den ganzen Tag? Wer so wenig Gewinn macht, sollte den Beruf(ung) wechseln und Platz für die Anderen machen.“

Leser Harald L. schreibt: „Der Markt bereinigt sich. Wir Ü-50 haben noch paar Jahre! Danach wünsche ich allen viel Spaß im Netz! Denn erst dann, wenn es etwas nicht mehr gibt, weiß man auch, was man verloren hat.“

Den Hintergrund für solch meinungsstarke Reaktionen bilden die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) unter seinen Mitgliedern. Demnach verbucht gut jeder dritte Versicherungsvermittler (31 Prozent) mit seinem Geschäft einen Gewinn, der unterhalb von 50.000 Euro im Jahr liegt – vor Steuern (wir berichteten).

Ein Makler aus dem Landkreis Rottweil (Baden-Württemberg) nahm die Meldung zum Anlass, um in einer E-Mail an die Redaktion einmal beispielhaft aufzuschlüsseln, was von 50.000 Euro am Ende eigentlich übrigbleiben würde (betriebsbedingte Aufwendungen für Büromiete, Personal, Arbeitsmaterial etc. wurden bereits berücksichtigt, denn es geht ja hier um Gewinn, nicht um Umsatz). Er schreibt:

„Ich führe seit 20 Jahren ein kleines Maklerunternehmen mit momentan nur noch einem Vollzeitangestellten. Haben Sie die Zahl 50.000 Euro Gewinn vor Steuern im Jahr einmal hinterfragt? Mit diesem Gewinn wird es einem selbstständigen Makler nicht möglich sein, eine Familie zu ernähren – geschweige denn, diese noch ordentlich abzusichern und sich eine Altersvorsorge aufzubauen (Rückstellungen für schlechte Zeiten oder Urlaub sind auch nicht möglich).

Beispielrechnung für monatliche Belastungen:

1.000 Euro – Miete oder Abzahlung Eigenheim

700 Euro – gesetzliche Krankenversicherung bei circa 50.000 Euro Gewinn

150 Euro – private Zusatzversicherung

400 Euro – 1-Prozent-Regelung für private Kfz-Nutzung

100 Euro – private Berufsunfähigkeitsversicherung

200 Euro – weitere Versicherungen (Privathaftpflicht, Gebäude/Hausrat, Risiko-Leben, etc.)

100 Euro – Telefon/Handy/TV

100 Euro – Wasser/Grundsteuer

100 Euro – Strom

100 Euro – Heizung

100 Euro – Kindergarten

40 Euro – Tageszeitung

100 Euro – Frisör für mehrere Personen

100 Euro – Vereinsbeiträge Kinder (Musikverein etc.)

__________

3.290 Euro Fixkosten – von den rund 4.170 Euro Gewinn je Monat (vereinfacht angenommen 50.000 Euro/12 = 4.166 Euro) bleiben also nur noch 880 Euro übrig – wohlgemerkt auf Brutto-Basis, das heißt der Fiskus hat hier überhaupt noch gar nicht zugeschlagen.

In der Rechnung sind außerdem noch nicht berücksichtigt die Kosten für:

  • Lebensmittel
  • Kleidung
  • ein zweites Auto nebst Benzinkosten/Reparaturen
  • Freizeitgestaltung (Hobbys, Kino/Theater, Ausgehen, Wochenendausflüge)

Eine Altersvorsorge wird ebenfalls nicht aufgebaut.“

 Das Fazit des Maklers:

„50.000 Euro reichen längst nicht aus und die Sozialhilfe beziehungsweise Altersarmut des Maklers ist programmiert. Und: In der Regel arbeitet die Ehefrau bei vielen Maklern schon mit, um dieses Ergebnis zu erreichen, die Perspektive für die Zukunft ist = 0.

Die Haftung, Dokumentation, Kostenentwicklung, Registrierung, jährliche Prüfungsgebühren IHK/Wirtschaftsprüfer etc. werden es einem kleinen Makler nicht ermöglichen, zu überleben.

Die über Jahre und Jahrzehnte aufgebauten Bestände sind so gut wie nichts mehr wert und stellen eher noch ein Haftungsrisiko mit enormen Betreuungsaufwand dar.“

Dabei betont der Makler, dass seine Berechnungen „lediglich eine sehr einseitige Betrachtung“ seien. „Auf die Hauptprobleme der sich ständig verschlechternden Rahmenbedingungen wird hier nicht eingegangen.“

Leser Dennis E. gibt via Facebook zu bedenken, dass in der BVK-Umfrage nicht ersichtlich sei, wie das Verhältnis von Haupt- und Nebenberuflern sei. So gebe es in der Branche „bis heute noch viele Nebenberufler, für die ein niedriger Gewinn bei gleichzeitig bestehender hauptberuflicher sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit ausreichend wäre“.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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