Studie

Generation Mitte geht es materiell gut – und hat das Sparen verlernt

Der sogenannten Generation Mitte geht es so gut wie noch nie – eigentlich. Zugleich sind die 30- bis 59-Jährigen in Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und beklagen Nachteile, die ihre Eltern so nicht kannten – etwa den Verlust von Planungssicherheit oder das vergebliche Bemühen, Wohneigentum zu bilden. Das zeigt eine Allensbach-Umfrage im Auftrag des Versicherungsverbandes GDV.
© dpa/picture alliance
Pendler benutzen die Rolltreppe zum Tiefbahnsteig der S-Bahn im Leipziger Hauptbahnhof. Die mehr als 35 Millionen 30- bis 59-Jährigen in Deutschland stehen mitten im Berufsleben, erziehen Kinder und finanzieren die sozialen Sicherungssysteme. Sie stellen 70 Prozent der Erwerbstätigen dar und erwirtschaften über 80 Prozent der steuerpflichtigen Einkünfte.

„Uns geht’s ja noch gold“, betitelte der Schriftsteller Walter Kempowski seinen autobiographischen Familienroman, der im Nachkriegsdeutschland von 1945 das von Umbruch und Unsicherheit geprägte Leben in seiner Heimatstadt Rostock beschreibt.

Gemessen daran, geht es der sogenannten Generation Mitte im heutigen Deutschland so gut, dass jeder Vergleich absurd erscheinen würde. Und doch haben natürlich auch die derzeit 30- bis 59-jährigen Bundesbürger, die ausschließlich friedliche Zeiten kennen, Sorgen und Nöte – diese sind allerdings nicht per se materiell geprägt, sondern vor allem von als unsicher empfundenen Zeiten.

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Massiver Vertrauensverlust in politische Stabilität Deutschlands

Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen drücken auf die Stimmung der Generation Mitte – so lautet eine wesentliche Erkenntnis der Autoren einer aktuellen Allensbach-Studie, die sich näher mit dem Denken und Handeln dieser Altersgruppe auseinandergesetzt hat.

„Trotz der materiellen Zufriedenheit ist die Generation Mitte durch die weltweiten Krisen, den Verlust an politischer Stabilität in Deutschland und die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas zutiefst verunsichert“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin. Die Studie wird bereits seit 2013 jedes Jahr vom Versicherungsverband GDV in Auftrag gegeben.

Innerhalb von drei Jahren sei das Sicherheitsvertrauen in die politische Stabilität in Deutschland von 49 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 27 Prozent erodiert, berichten die Autoren.

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach 

Glückliche Zeiten? Naja…

Darüber hinaus halten zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) den gesellschaftlichen Zusammenhalt für schwach oder sehr schwach – eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2016, wie die Autoren bemerken: Damals hatten bereits 56 Prozent einen schwachen Zusammenhalt diagnostiziert. Die Generation Mitte ist demnach der Meinung, dass die Gesellschaft „materialistischer, egoistischer und intoleranter“ wird. Nur ein Drittel der 30- bis 59-Jährigen ist überzeugt, heute in einer glücklichen Zeit zu leben. 42 Prozent halten die Zeiten sogar für ausgesprochen schwierig.

Im Gegensatz dazu sehen die Befragten ihre persönliche Situation nochmals besser als im vergangenen Jahr: 42 Prozent der Befragten empfinden die eigene wirtschaftliche Situation besser als vor fünf Jahren, so die Autoren, nur 18 Prozent beklagen eine Verschlechterung. Allerdings ziehen die schwächeren sozialen Schichten hier eine signifikant ungünstigere Bilanz ihrer finanziellen Situation, ergänzen die Demoskopen.

Die Eltern hatten es leichter, denken viele

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Im Vergleich mit den eigenen Eltern im gleichen Alter sehen die 30- bis 59-Jährigen für sich die größeren finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Entfaltungsspielräume. Sie können sich im Alltag mehr leisten, leichter in den Urlaub fahren und sind räumlich flexibler. Allerdings empfinden sie ihr Leben auch als fordernder und anstrengender als das ihrer Eltern. Als Defizite sehen die 30- bis 59-Jährigen den deutlichen Verlust an Planungssicherheit und Stabilität. Im Vergleich zu den Eltern empfinden sie es als deutlich schwerer zu sparen und Wohneigentum zu erwerben.

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach 

Haben die Leistungsträger das Sparen verlernt?

Für die Generation Mitte gehört die finanzielle Unabhängigkeit (82 Prozent) nach Gesundheit (90 Prozent) und einer glücklichen Partnerschaft (83 Prozent) zwar zu den wichtigsten Lebenszielen. Allerdings ist die Bereitschaft, sich einzuschränken, um dieses Ziel zu erreichen, sehr gering ausgeprägt: Mit 14 Prozent rangiert Sparsamkeit auf der Liste der wichtigen Dinge weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Drei Viertel der Befragten haben keine Lust, sich allzu sehr einzuschränken, um zu sparen. 66 Prozent bekennen, dass die Eltern sparsamer gelebt haben, als man selbst.

„Es muss uns alarmieren, wenn die Generation Mitte sich das Sparen spart“, sagt GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Dem Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit ließen die 30- bis 59-Jährigen keine Taten folgen – obwohl 56 Prozent der Generation Mitte fürchte, dass die eigene Rente unsicher sei oder sie den Lebensstandard nicht halten könnten. „Wenn die Generation Mitte ihren Lebensstandard im Alter halten und sich auch später etwas leisten will, dann muss sie heute eigenverantwortlich mehr vorsorgen“, fordert Weiler.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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