Hier geht es zum ersten Teil der Kolumne mit den ersten drei Tipps.
Tipp 4: Vermehren Sie Ihre Zeit durch Verzicht
Jetzt wird es ganz hart. Ich möchte Ihnen Verzicht empfehlen. Aber wer mag das schon? Dennoch tue ich es. Zu den größten Zeitfressern gehört bei nicht wenigen Vermittlern das Thema Informationsgewinnung. Es ist schon nachvollziehbar, dass ganz besonders Einzelunternehmer Angst haben, wichtige Informationen zu verpassen. Wenn dann aber das Ergebnis darin resultiert, dass man eine Vielzahl von Newslettern abonniert oder sich in zig Gruppen in den sozialen Netzwerken engagiert, dann muss man nicht mehr über erfolgreiches Zeitmanagement sprechen.
Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal die Frage gestellt, wann ein Teil Ihrer Maklerkollegen überhaupt arbeitet, wenn man deren Aktivitäten beispielsweise bei Facebook verfolgt. Da wird in mehreren Gruppen gleichzeitig gepostet, diskutiert oder kontrovers und hochemotional gestritten. Das geht auf Dauer nicht gut. Wertvolle Zeit verrinnt und es entwickelt sich ein Bild der Branche oder auch ein „Weltbild“, das mit der Realität wenig (oder nichts) zu tun hat.
Auch für die Informationsgewinnung empfiehlt sich also ein Check. Ich empfehle Ihnen ein Aussortieren von Zeitschriften, Newslettern und Social-Media-Aktivitäten nach dem Prinzip „Was bringt mir am meisten“. Die wichtigsten ein oder zwei Quellen pro Medium (Print, Online, Social Media) behalten Sie. Den Rest schalten Sie ab.
Die sozialen Medien haben – wie das Wort schon sagt – auch eine wichtige soziale Funktion. Dies spürt man auch am intensiven Miteinander von Vermittlern in so mancher Facebook-Gruppe. Der Nutzer bekommt aber eben auch die negativen Seiten dieser Medien (kontroverse Diskussionen, emotionalen Stress, politische Beeinflussung, Fake-News) und die Auswirkungen auf das Zeitbudget zu spüren. Letztere sind enorm, wenn man sich für den Tagesverlauf nicht Zeitfenster für diese Art des Austauschs setzt.
Wenn Sie für Ihre Kunden posten, empfiehlt sich die Planung von Posts nach Themenschwerpunkten im Voraus. Koordinieren Sie dies auch mit Schwerpunkten im Vertrieb und Ihrer Kundenbetreuung. So können Sie sich enorme Zeit und Stress bei der kurzfristigen Content-Entwicklung ersparen.
Tipp 5: Menschliche Prozesse sparen Zeit
Viele Vermittler von Versicherungen und Finanzprodukten machen ihren Job für den Kunden sehr gern. Nicht selten führt das zu dauerhaften 10- bis 12-Stunden-Arbeitstagen. Und mancher Vermittler fühlt sich als Held, wenn er am Samstag oder an Feiertagen für seine Kunden da ist.
Mit meinen Tipps zum Zeitmanagement möchte ich darauf aufmerksam machen, dass längerfristige Überbeanspruchungen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, kognitivem Leistungsabfall (Aufmerksamkeit, Erinnern und Lernen, Konfliktbewältigung, Argumentation…), höheren Unfallrisiken (Vermittler mit Außendienst) und letztlich auch eine Minderung der Geschäftsergebnisse führen wird.
Es ist demnach wichtig, die Frage „Was tue ich wann und in welchem Umfang?“ für den Unternehmer und die Mitarbeiter regelmäßig zu stellen oder mit einem Coach zu besprechen.
Die volle Leistungsfähigkeit und Gesundheit steht – unabhängig von Alter und Geschlecht – im engen Zusammenhang mit Arbeits- und Entspannungszeiten. Medizinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit bis zu 49 Stunden um 25 Prozent weniger psychovegetative Beschwerden hatten als Menschen mit 65 Wochenstunden und mehr.
Schaffen Sie sich Freiräume zur Entspannung, für mehr Bewegung und Sport. Sie werden leistungsfähiger und erfolgreicher. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Sie eher ein analytischer oder ein chaotischer Unternehmertyp sind. Wichtiger ist es, die für Sie passenden Zeitmanagement-Tipps aufzugreifen.
Gerne gebe ich Ihnen das Motto meines Unternehmens mit auf den Weg: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Lucius Annaeus Seneca