Small Caps in der privaten Altersvorsorge

„20 Prozent Beimischung reduzieren das Risiko für Anleger“

Small Caps gelten als anspruchsvolle Investmentkategorie. Inwieweit sich die Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung als Baustein der Altersvorsorge eignen, erläutert Michael Heidinger, Direktor Business Development bei Aberdeen Standard Investments, im Interview mit Pfefferminzia.
© Aberdeen Standard Investments
Michael Heidinger ist Direktor Business Development bei Aberdeen Standard Investments.
Pfefferminzia: Was kennzeichnet Small Caps?

Michael Heidinger: Wenn Sie Unternehmen, die in einer Benchmark oder einem Investment-Universum vertreten sind, nach der Marktkapitalisierung sortieren, gelten die unteren 15 Prozent als Small Caps. Global sprechen wir dabei von etwa 6.000 Aktien. In diesem Jahr haben sich Small Caps ordentlich geschlagen und konnten sich von den großen Verlusten im März wieder mehr als erholen. Auch historisch kann sich die Performance sehen lassen: Im Schnitt der vergangenen Jahre haben Small Caps rund 5 Prozent mehr Rendite gebracht als Large Caps.

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Welche Vorteile hat das Investment in Small Caps?

Zum einen das stärkere Wachstum. Small Caps agieren häufig in Nischen und sind dort vielfach Marktführer. Beispiele für sogenannte Hidden Champions sind etwa Nemetschek im Bereich Software für Architektur- und Ingenieurbüros oder Kornit, ein Hersteller von Digitaldruckern. Beides sind sehr gut aufgestellte Unternehmen, die neue Möglichkeiten in den Geschäftsprozessen aufzeigen. Ein Wachstum von 15 bis 20 Prozent ist bei Small Caps nicht selten. Das ist im Niedrigzinsumfeld ganz besonders wertvoll.

Aberdeen Standard Investments verfügt hier über eine von Scope ausgezeichnete Expertise. Was charakterisiert Ihre Small-Cap-Aktienstrategien?

Die Analysten von Scope haben einerseits die regionale Vielfalt unserer Angebote im Small-Cap-Bereich überzeugt und andererseits die Qualität der Produkte selbst. Wir haben im Jahr 2020 gerade global stark outperformt und verfügen über langjährige Expertise: Unsere älteste Small-Cap-Strategie besteht seit über 20 Jahren am Markt. Bei der Auswahl der Small Caps sind in erster Linie die Bilanzen und Geschäftsmodelle relevant. Aber wir gehen einen Schritt weiter: Unternehmen werden regelmäßig besucht und auch der Austausch mit dem Management bleibt in Zeiten von Corona zentral, um sicher zu prognostizieren, ob auch im nächsten Jahr attraktive Renditen erzielt werden können.

Welchen Anteil sollten Small Caps in einer fondsgebundenen Rentenversicherung einnehmen?

Ich hatte die Performancevorteile von Small Caps bereits erwähnt. In einer zinslosen Zeit sind 5 Prozent zusätzliche Small-Caps-Prämie pro Jahr natürlich für viele Kunden interessant. Häufig übersehen werden aber die Diversifikationsvorteile: Ein Kunde, der langfristig über 10 bis 15 Jahre Altersvorsorge betreibt, kann mit einer Beimischung von bis zu 20 Prozent Small Caps sein Risiko in einem globalen Aktienportfolio sogar reduzieren. Ein höherer Anteil ist für Kunden relevant, die über höheres Risiko mehr Rendite erzielen möchten. Bei unserem Partner Standard Life können Kunden zwischen drei unterschiedlichen Small-Cap-Investments wählen. Zur Verfügung stehen ein global diversifiziertes Konzept, ein globales Konzept mit Fokus auf US-Werten sowie der European Smaller Company Fund, der bereits für 0,5 Prozent Gebühren pro Jahr verfügbar ist. In den Policen gibt es also Small-Caps-Expertise auf ETF-Kostenniveau.

Wie anfällig sind Small Caps durch die Corona-Krise?

Das ist nicht unbedingt eine Frage der Marktkapitalisierung , sondern eher der Branchenzugehörigkeit. Man muss sich bei jedem Unternehmen fragen: Funktioniert das Geschäftsmodell auch in einer Pandemie weiter? Ist die Bilanz so werthaltig, dass sie eine Pandemie überdauern kann? Kann das Management diese Phase durchsteuern? Zudem bieten so starke Verwerfungen, wie wir sie im März 2020 gesehen haben, sehr gute Einstiegsmöglichkeiten, die wir bei einigen Unternehmen aufgrund der deutlich niedrigeren Bewertung genutzt haben.

Aber es gibt doch generell deutlich höhere Risiken und kaum Analysekennzahlen?

Small Caps weisen gegenüber Large Caps eine höhere Volatilität und auf Sicht der Einzelunternehmen ein größeres Totalverlustrisiko auf, ja. Langfristig gesehen werden circa 15 Prozent der Small-Cap-Unternehmen nicht mehr existieren, im Large-Cap-Bereich sind lediglich 6 bis 8 Prozent betroffen. Dieses Risiko gilt es natürlich zu managen – und daher ist ein diversifizierter Fonds in dem Bereich eine sehr gute Entscheidung. Aber die Wahl eines ETFs wurde den Kunden um sein Zusatzpotential berauben. Es gibt im Small-Caps-Bereichs weniger Expertenanalysen und auch allgemeines Research fehlt. Wenn man sich aber die Bilanzen und das Management von Small Caps anschaut und auf die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells prüft, bekommt man valide Informationen und kann sich vor Verlustrisiken schützen. Kurzum: Dieser Markt ist ineffizient, daher braucht man Expertise, um die richtigen Aktien zu finden.

Nutzen Makler die Chancen von Small Caps in der Beratung?

Small Caps sind kein neues hippes Trendthema, findet aber bei Maklern immer noch viel zu wenig Beachtung. Viele setzen auf Trends und verpassen es, sich rechtzeitig davon zu lösen. Gold zum Beispiel war im Sommer noch interessant, aber wer als Makler im Herbst Goldminenaktien für Kunden gekauft hat, ist dem Trend hinterhergelaufen. Small Caps sind kein Trend, sondern überzeugen durch konstante strukturelle Erfolgsfaktoren, die in der Beratung genutzt werden sollten.

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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