Sieben Thesen zur Regulierung

GDV beklagt Gießkannenprinzip in der Versicherungsaufsicht

Stimmt das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen noch, wenn es um die Regulierung der Versicherungsbranche geht? Nein, findet der Versicherungsverband GDV. Was der Verband in einem neuen Positionspapier genau kritisiert, erfahren Sie hier.
© picture alliance/Lisa Ducret/dpa
Die Sonne strahlt auf der Dachterrasse des Reichstagsgebäudes durch die Bundestagkuppel: Von der Politik wünscht sich der GDV eine weniger intensive Regulierung.

„Gleiche Wettbewerbsbedingungen für Versicherer und Insurtechs“ oder „Wettbewerb im Vertrieb ist sinnvoller als das Deckeln von Provisionen“ lauten zwei von insgesamt sieben Thesen zur Regulierung, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einem Positionspapier zusammengefasst hat.

Zwar sei ein „guter ordnungspolitischer Rahmen“ Voraussetzung für Wachstum, und dazu würde auch der Schutz der Eigentumsrechte, Regeln für fairen Wettbewerb und grundlegende Verbraucherschutzstandards gehören, doch eine „zu intensive Regulierung“ schränke die „Steuerungsfunktion des Marktes“ ein, stellt der Verband in dem Papier klar. Zu viele unterschiedliche Auflagen, die nebeneinander existieren, würde „die Gefahr von Überschneidungen oder Inkonsistenzen“ erhöhen. 

Genau dies treffe auf die Versicherungswirtschaft zu, beklagen die Interessenvertreter – obwohl die Branche bereits seit jeher aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung besonders reguliert sei.

Daher würde sich die Frage aufdrängen, ob die Kosten einer Regulierung noch im Verhältnis zum Nutzen stünden. So komme es doch bei der Regulierung letztlich auf drei Dinge an: Flexibilität, Einfachheit und Angemessenheit, argumentiert der GDV – und kritisiert, dass unternehmensindividuelle Besonderheiten von Geschäftsmodellen in der Aufsichtspraxis „zu wenig Berücksichtigung finden“. Daher fordert der Verband, eine Prüfung voranzuschalten, ob Anforderungen im Einzelfall für das Unternehmen „aus Risikogesichtspunkten überhaupt angemessen und notwendig sind“.

So lauten die sieben Thesen im Überblick:
These 1: Solvency II mit politischen Zielen in Einklang bringen

Der Solvency-II-Review 2020 läuft, konstatiert der GDV. Allerdings sollte die Aufsicht, alle „Themen wie Extrapolation, Volatilitätsentwicklung, Zinsrisiko und Aufsichtsbefugnisse im Zusammenhang betrachten und mit politischen Zielen in Einklang bringen“. Zudem solle bei der Anpassung der Berichtspflichten der tatsächliche Informationsbedarf unterschiedlicher Adressaten in den Vordergrund rücken. Denn, so das Argument des GDV, „Berichte, die nicht gelesen werden, tragen auch nicht zur Transparenz bei“.

These 2: Gleiche Wettbewerbsbedingungen für Versicherer und Insurtechs

Regulierung müsse technologieneutral erfolgen. Insbesondere die Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder über Messenger-Dienste dürfe nicht durch überhöhte datenschutzrechtliche Anforderungen behindert werden. Alle Prozesse sollten nahtlos, sicher und medienbruchfrei über elektronische Kanäle abgewickelt werden dürfen.

These 3: Wettbewerb im Vertrieb ist sinnvoller als das Deckeln von Provisionen

Einen Eingriff in das bestehende Vergütungssystem lehnen die Versicherer ab. Es sei jedem klar, welche vertrieblichen Fehlanreize es geben könnte und wie sie vermieden werden könnten, so der Verband. Mehr Vorschriften dazu bedarf es aus GDV-Sicht nicht.

These 4: Unternehmenssteuer wettbewerbsfähig gestalten

Höchstens 25 Prozent sollte laut GDV die Steuer für alle in Deutschland tätigen Unternehmen auf Ebene der Gesellschaft betragen. Zudem sei für die Zukunftsfähigkeit eine Reform des Unternehmenssteuerrechts erforderlich. Überflüssig sei dagegen die Finanztransaktionssteuer. Sie würde unter anderem negative Auswirkungen auf die Altersvorsorge haben.

These 5: Kapitalmarktunion vollenden

Für ein vereintes Europa müsse endlich die Vereinigung der Kapitalmärkte europaweit erreicht werden. Das sei nun angesichts des Austritts Großbritanniens aus der europäischen Union besonders wichtig.

These 6: Kosten des Rechts müssen bezahlbar bleiben

Steigen die Gebühren für Anwälte und die Gerichtskosten, hat das zum einen Auswirkungen auf die Höhe der Prämie für eine Rechtsschutzversicherung. Zum anderen steige das Risiko für all jene, die keine entsprechende Absicherung haben. Das müsse berücksichtigt werden. Ebenfalls in die anwaltliche Gebührenordnung einfließe müsse die „massenhafte Bearbeitung online gewonnener und abgewickelter Mandate mit gleichförmigen Sachverhalten“, wie im „Diesel-Skandal“.

These 7: Beim Verursacher ansetzen: Bekämpfung der Finanzierung von Geldwäsche und Terrorismus

Hier würden Versicherer bereits ihren Beitrag leisten und mit den Behörden zusammenarbeiten. Tatsächlich sei die Versicherungswirtschaft jedoch nicht „besonders anfällig für kriminelle Aktivitäten dieser Art“. Das habe jüngst die Nationale Risikoanalyse des Bundesministeriums der Finanzen bestätigt. Daher sollten diesbezügliche Überwachungsprozesse in einem „angemessenen Verhältnis zur geringen Risikoanfälligkeit ihrer Produkte stehen“.

Hier geht es zur GDV-Veröffentlichung: „Die Positionen der deutschen Versicherer 2020“.

Mehr zum Thema

Das sagen wichtige Verbände zum Provisionsdeckel

Kurz vor Ostern, am 18. April, hatte das Bundesfinanzministerium den offiziellen Referentenentwurf zu einem gesetzlichen…

GDV-Studie: Regulierung kostet über 4 Prozent Wirtschaftsleistung

Bremsfaktor Bürokratie: Laut einer aktuellen Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hätte das Bruttoinlandsprodukt…

Makler bleiben auf hohen Regulierungskosten sitzen

Standard Life und MLP hatten Berater in die britische Botschaft in Berlin geladen, um über…

Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia