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„Wir sind an einem Punkt, an dem wir die Frage beantworten müssen, was unser Rentensystem leisten soll: Geht es allein darum, dass für eingezahlte Beiträge für den Einzelnen ein angemessener Gegenwert herauskommt?“, sagt der Rentenexperte Tim Köhler-Rama im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
Darin macht Köhler-Rama den Vorschlag, die gesetzliche Rente nicht mehr nur als „eine Art Sparkasse“ zu betrachten, sondern mit ihr auch individuelle Risiken abzusichern, wie beispielsweise eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit. Dies könne in Form eines Ausgleichs geschehen, so der Rentenexperte.
Dieser Ausgleich zu Gunsten kleiner Renten kann laut Köhler-Rama aber nur dann erfolgen, wenn diejenigen mit höheren Renten „auf einen Teil ihres Rentenanspruchs“ verzichteten. „So funktioniert Solidarität nun einmal“, sagte Köhler-Rama. „Da haben wir früher im Rentensystem mehr getan als heute. Dabei gibt es ja immer mehr gebrochene Erwerbsbiografien.“
Wissenschaftler rüttelt an einer Grundfeste der Rente – dem Äquivalenzprinzip
Mit seinem Vorschlag stellt der Wissenschaftler eine Aufweichung des Äquivalenzprinzips zur Diskussion – einer Grundfeste der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach diesem Prinzip erhält jeder nur so viel Rente, wie er im Verhältnis eingezahlt hat.
Das Äquivalenzprinzip werde in der Debatte immer besonders hoch gehalten, konstatiert Köhler-Rama, doch bei der gesetzlichen Rente handele es sich „eben auch um eine Versicherung“. Und in eine Versicherung zahle auch jeder etwas ein, um vor Risiken geschützt zu sein, so der Rentenexperte. Ein solches Risiko sei beispielsweise, wegen Invalidität oder Arbeitslosigkeit nicht genug für das Alter vorsorgen zu können.
„Dagegen abgesichert zu sein und dann trotz geringer Beitragszahlungen eine Rente zu bekommen, von der man leben kann, ist etwas, wovon alle profitieren“, sagte der Wissenschaftler. „Das müssen dann aber auch alle bezahlen.“ Dabei kritisierte der Forscher, dass sich die Rentenkommission mit derartigen Fragen gar nicht befasse. Ihr Auftrag sei „zu eng definiert“. Die Kommission solle lediglich überlegen, wie die Politik am besten an einigen Stellschrauben drehen könne, damit die Rechnung auch künftig noch aufgehe. Damit greife die Politik zu kurz.
Versicherer hätten die gesetzliche Rente „systematisch schlecht geredet“
Auf die Frage, dass vor allem jüngere Menschen nicht sicher seien, ob sie noch einen vernünftigen Gegenwert aus der gesetzlichen Rente rausbekämen, verwies Köhler-Rama auf die „Folgen einer jahrzehntelangen Propaganda der Versicherungswirtschaft, die ihre Produkte verkaufen möchte“. Ende der 90er Jahre hätten die Versicherer das Argument guter Zinsen auf ihrer Seite und sich „aus erkennbarem Eigeninteresse“ daran gemacht, die gesetzliche Rente „systematisch schlecht zu reden“.
Mit dem heutigen Zinsniveau sei die Lage aber eine ganz andere, betonte der Forscher. Vor dem Hintergrund, dass die Finanzmarktkrise die Risiken privater Anlageprodukte „mehr als deutlich“ gemacht habe, stehe die gesetzliche Rente im Vergleich „wirklich ordentlich da“, so Köhler-Rama.
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