Private Equity, Hedgefonds, Infrastruktur & Co.

„Alternative Investments können sinnvoller Baustein für Privatanleger sein“

Altersvorsorge besteht bei Privatanlegern hierzulande in aller Regel aus einer Mischung von Aktien und Anleihen. Zu Alternativen Investments wie Private Equity, Infrastruktur-Anlagen oder Versicherungsverbriefungen greifen Investoren eher selten. Das ist schade, meint Andrea Wehner, Multi-Asset-Spezialistin bei Standard Life. Denn die Alternative Anlagen können eine wertvolle Beimischung fürs Portfolio sein.
© Standard Life
Andrea Wehner ist Multi-Asset-Spezialistin bei Standard Life.
Pfefferminzia: Welche Rollen spielen Alternative Investments bisher in der privaten Altersvorsorge?

Andrea Wehner: Der Begriff „Alternative Investments“ umfasst viele verschiede Anlagen. Von Investoren werden mit Alternativen Investments zum Teil ganz unterschiedliche Anlagen assoziiert. Für manche Investoren sind damit eher Hedgefonds und Private-Equity-Investments gemeint, andere Anleger würden auch Immobilien, Infrastruktur – inklusive soziale Infrastruktur und erneuerbare Energien –, Schiffe, Flugzeugleasing, Versicherungsverbriefungen, Lizenzgebühren und vieles mehr dazu zählen.

Aber völlig unabhängig davon, wie Alternative Investments definiert werden, basiert bis dato die Altersvorsorge bei den meisten privaten Anlegern auf dem klassischen Mix von Aktien und Anleihen, wobei in Deutschland im Gegensatz zum angelsächsischen Raum der Anteil an Anleihen vergleichsweise hoch ist. Diejenigen, die auch in Multi-Asset-Konzepte investieren, haben – ohne es vielleicht immer genau zu wissen – unter Umständen indirekt auch Anlagen in Immobilien, beispielsweise über sogenannte REITs, und Rohstoffe, allen voran Gold.

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Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass Alternatives im deutschen Vorsorgemarkt bislang noch recht zurückhaltend eingesetzt werden.

Woran liegt das?

Ich denke, dass noch einige Vorurteile gegenüber Alternativen Investments bestehen. Die vergangenen Jahre haben – leider–  gezeigt, dass selbst Anleger, die glauben, einen langfristen Anlagehorizont zu haben, schwache Nerven bekommen, wenn es mal wieder etwas turbulent an den Börsen zugeht. Volatilität wird von Anlegern auch sehr unterschiedlich interpretiert. Während die Schwankungen am Aktienmarkt als „normal“ betrachtet werden, da Aktien als traditionelle Anlage oder als Basisinvestment gelten, führen jegliche Schwankungen von Alternative Investments – auch wenn sie noch so gering sind – dazu, dass diese Investments als hochriskant betrachtet werden, was in vielen Gründen jedoch unbegründet ist.

Zudem haben Alternative Investments, die am sogenannten Grauen Kapitalmarkt notiert sind, in Deutschland einen vergleichsweise schlechten Ruf. Das führt dazu, dass viele Anleger Alternative Investments von vornherein ablehnend gegenüber stehen.

Welche Alternativen Investments eignen sich denn für die private Altersvorsorge?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten, da jedes Investment – ob traditionell oder alternativ – zu den Risikoeinstellungen, Bedürfnissen, Neigungen und auch individuellen Kenntnissen der Anleger passen sollte.

Im aktuellen Marktumfeld besteht meines Erachtens jedoch das größte Risiko darin, zu glauben, dass man in den kommenden Jahren mit traditionellen Anlagen wie Aktien und Anleihen oder einem Mix der beiden Anlageklassen, die gleichen oder ähnlich hohen Erträge erwirtschaften kann wie in den vergangenen 10, 20 oder 30 Jahren. Vor dem Hintergrund der aktuell relativ hohen Bewertungen – sowohl der Aktien- als auch der Anleihemärkte – der wirtschaftlichen und geldpolitischen Situation, sollten Anleger beginnen, sich von diesem Glauben zu verabschieden.

Multi-Asset-Ansätze, die ein breites Investment-Universum haben und nicht nur auf eine Mischung von Aktien und Anleihen angewiesen sind, können vor diesem Hintergrund deshalb ein sinnvoller Baustein in der privaten Altersvorsorge sein.

Welche Rolle sollte Gold in einem diversifizierten Depot spielen?

Aus Investmentsicht ist Gold eine Anlage wie jede andere, das heißt, es gibt Zeiten, in denen es vorteilhaft sein kann, in Gold zu investieren und es gibt Zeiten, in denen es attraktivere Investments gibt. Das gleiche gilt im Übrigen auch für jedes andere Edelmetall oder generell für Rohstoffe, wobei je nach Metall oder Rohstoff die Nachfrage der Industrie und generell die Angebots- und Nachfragesituation gegebenenfalls einen größeren Einfluss auf die Preisentwicklung hat, als dies bei Gold der Fall ist.

In einem inflationären Umfeld kann eine Gold- oder Rohstoffposition im Portfolio durchaus Sinn ergeben, wobei wir gerade in diesem Jahr während des Kurseinbruchs im Frühjahr gesehen haben, dass die diversifizierenden Eigenschaften beispielsweise von Gold nicht immer zum Tragen kommen. In dem erwähnten Zeitraum war die Korrelation von Gold und Aktien positiv.

Einen längerfristigen Trend sehen wir beispielsweise derzeit im Bereich Zukunftsmobilität, also die Transformation hin zur Elektrifizierung von Fahrzeugen und zur Reduzierung der Emissionen. Das lässt die Nachfrage nach hierfür notwendigen Rohstoffen steigen, was sich nicht nur positiv auf die Preise dieser Rohstoffe auswirken sollte, sondern natürlich auch auf die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind. Ein anderes Beispiel wäre der Bereich  „grüne“ Infrastruktur. Das heißt Anleger sind nicht zwangsläufig darauf angewiesen, direkt in Rohstoffe zu investieren, sondern sie können auch an der Entwicklung des Rohstoffmarktes quasi indirekt über spezifische Aktien partizipieren.

Welche Strategien sind bei Absolute-Return-Fondskonzepten derzeit besonders erfolgversprechend?

Wie bereits erwähnt, halten wir vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklung undfundamentalerBewertung die Anlageklassen Aktien und Anleihen und damit einhergehend eine traditionelle Mischung von Aktien und Anleihen auf Sicht der nächsten drei, fünf oder zehn Jahre für wenig attraktiv.

Das heißt jedoch nicht, dass es innerhalb der Aktien- und Anleihemärkte keine Chancen gibt. Auch wenn bereits vor der Pandemie interessante Trends zu beobachten waren, hat Covid-19 einige dieser Trends beschleunigt. In manchen Bereichen ist die Diskrepanz zwischen Gewinnern und Verlierern extrem hoch. Denken Sie beispielsweise an Unternehmen im Bereich E-Sports/Video-Gaming – dieser Sektor entwickelt sich wesentlich besser als der breite Markt oder der Nasdaq-Index. Andere Bereiche sind die bereits erwähnte Zukunftsmobilität, industrielle Automation oder 5G-Technologie.

Auch bei Anleihen gibt es durchaus Bereiche, die – noch – eine attraktive risiko-adjustierte Rendite bieten wie beispielsweise Hochzinsanleihen. Wobei wir in unseren Absolute-Return-Portfolios bereits angefangen haben, Gewinne mitzunehmen und diese Positionen zu reduzieren. In den Absolute-Return-Portfolios sehen wir momentan mehr Potenzial bei sogenannten Relativ-Value-Strategien. Das ist eine Investmentstrategie, die US-Hochzinsanleihen den Anleihen aus Schwellenländern gegenüberstellt – eine Long-Position in US-Hochzinsleihen versus eine Short-Position in Schwellenländeranleihen. Diese Investmentstrategie gibt uns die Möglichkeit, die Bewertungsunterschiede zwischen diesen beiden Märkten auszunutzen.

Alle diese Beispiele zeigen, dass es nach wie vor sowohl innerhalb der Aktien- und Anleihemärkte als auch abseits der traditionellen Anlageklassen genügend Möglichkeiten gibt, um attraktive Renditen zu erzielen und das Portfolio ausreichend zu diversifizieren.

Insofern sind aus unserer Sicht vor allem die Absolute-Return-Konzepte interessant, die ein breites Investment-Universum und Freiheiten bei der Ideengenerierung haben, verbunden mit der Flexibilität, das Risiko aktiv steuern zu können, um Marktschwankungen gewinnbringend auszunutzen.

Der GARS, das Flaggschiff von Standard Aberdeen im Absolute-Return-Segment, war in den vergangenen Jahren in Bezug auf die Performance eher unterdurchschnittlich unterwegs. Was haben Sie zuletzt am Konzept geändert?

Zunächst einmal verwenden wir bei Aberdeen Standard Investments nur sehr ungern den Begriff Flaggschiff. Denn nur weil vielleicht ein anderer Multi-Asset-Fonds nicht ganz so viele Gelder verwaltet, heißt das ja noch lange nicht, dass ein solcher Fonds für einen bestimmten Anleger gegebenenfalls nicht sogar besser geeignet ist.

Aber GARS genießt in der Tat aufgrund der langen Historie und der Tatsache, dass die Pensionsgelder, also die private Altersvorsorge von sehr vielen Mitarbeitern des Konzerns – vor allem in Großbritannien – in GARS investiert sind, eine besonders hohe Bedeutung im Unternehmen.

Die Wertentwicklung zwischen 2016 und 2018 war auch für uns ausgesprochen enttäuschend. Wenngleich wir uns ständig hinterfragen, was wir eventuell verbessern können, wurde aufgrund dieser unzufrieden stellenden Wertentwicklung ein Prozess angestoßen, der zu kleineren, aber auch größeren Veränderungen geführt hat. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die neue Zusammensetzung des Portfoliomanagements zu nennen sowie die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den über den Globus verstreuten Teams der einzelnen Anlageklassen.

Dies ist vor allem für die Ideengenerierung von großer Bedeutung oder auch für die erhöhte Flexibilität in Bezug auf das Risiko des Portfolios – also  das Erhöhen oder die Reduzierung des Risikos, um rasch Chancen am Markt wahrzunehmen oder das Portfolio in schwachen Marktphasen defensiver aufzustellen. Die generelle Philosophie von GARS blieb jedoch unangetastet, weil wir nach wie vor fest davon überzeugt sind, dass dieses Konzept mit den Freiheiten bezüglich der Ideengenerierung und der Disziplin bei der Portfoliokonstruktion, die Grundlage dafür ist, langfristig attraktive absolute Renditen zu erzielen.

Ich denke, die Entwicklung von GARS seit Ende 2018, als dieser Veränderungsprozess angestoßen wurde, zeigt sehr eindrucksvoll, dass wir an den „richtigen“ Stellschrauben gedreht haben und wir auf dem richtigen Weg sind. Natürlich ist uns bewusst, dass wir das Vertrauen noch nicht bei allen Anlegern zurückgewonnen haben, aber die vergangenen zwei Jahre machen uns sehr zuversichtlich, dass wir unseren Anlegern auch in Zukunft wieder die Rendite erwirtschaften können, die sie von GARS gewohnt sind und erwarten.

Gerade auch im Hinblick darauf, dass aus unserer Sicht – wie bereits erwähnt – mit einem traditionellen Mix von Aktien und Anleihen in den kommenden Jahren womöglich nicht die Renditen erwirtschaftet werden können, die Anleger für ihre private Altersvorsorge benötigen, stellt GARS – wieder – eine sinnvolle Investmentlösung dar.

 

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