Olaf Stotz, Frankfurt School of Finance & Management, im Interview

„Hierzulande wird die Leistung betont und der Preis verschwiegen“

Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management, über den Preis und die Intransparenz bei Garantieprodukten in der Altersvorsorge.
© Frankfurt School of Finance & Management
Olaf Stotz ist Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management

Pfefferminzia: Der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung soll zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent gesenkt werden. Welche Auswirkungen erwarten Sie?

Olaf Stotz: Optisch steht dann eine Null vor dem Komma – das wird eine deutliche Wirkung auf den Anleger haben. Produkte mit Garantien werden immer weniger attraktiv. Denn sie sind für viele Anleger einfach zu teuer.

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Sie haben die Garantiekosten in der Altersvorsorge im Rahmen einer Studie untersucht. Wie haben sie sich entwickelt?

Garantiekosten hängen in erster Linie vom Zinsniveau ab und haben sich seit Anfang der 2000er Jahre vervielfacht. Aktuell liegen sie bei einem Vielfachen der eingezahlten Anlagebeträge. Das ist kaum einem Anleger bewusst. Er zahlt aber letztendlich die Kosten für die Garantie-Erstellung implizit durch entgangene Renditen. Diese Intransparenz der Kosten macht es Anlegern unmöglich, das Preis-Leistungs-Verhältnis einzuschätzen und zu vergleichen.

Sie haben einen Garantiekostenindex entwickelt – wie setzt er sich zusammen?

Wir haben dazu zwei Modelle verglichen: Eine Anlage, die eine 100-prozentige Garantie am Ende des Sparplans abbildet und eine Anlage, die auf diese Garantie verzichtet und zu 100 Prozent in Aktien anlegt. Der Index sagt also aus, um wie viel Geld mein Sparplan am Ende der Laufzeit höher liegt, wenn ich als Anleger auf die Garantie verzichte und stattdessen eine Alternativanlage in Aktien wähle.,. Die Garantiekosten sind die Differenz des mittleren Endvermögens dieser beiden Sparpläne. Das haben wir für verschiedene Anlegertypen und Aktienindizes mit einem Simulationsmodell aus 40 Millionen Szenarien berechnet.

Können Sie das an einem Beispiel konkret darstellen?

Betrachten wir beispielhaft eine 25-jährige Anlegerin. Sie zahlt über 42 Jahre monatlich 50 Euro ein, also insgesamt 25.200 Euro. Die Anlage ohne Garantie erzielt nach unseren Berechnungen im Durchschnitt ein Vermögen von etwas mehr als 230.000 Euro. Bei der 100-prozentigen Garantiestrategie liegt das durchschnittliche Vermögen dagegen bei nur knapp über 170.000 Euro. Dort ist das eingezahlte Kapital zwar in allen Fällen sicher, bei der Strategie ohne Garantie ist die Ausfallwahrscheinlichkeit aber nur leicht höher. In weniger als 0,6 Prozent der Fälle wird ein Vermögen von unter 25.200 Euro erzielt. Und um diese Fälle abzusichern, liegen die Garantiekosten bei rund 60.000 Euro.

Welche Alternativen sehen Sie anstelle eines starren Garantieversprechens?

Eine flexibel gestaltete Garantie wäre eine Lösung, um ein konstanteres Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen. Man könnte etwa eine ökonomische Variante wählen und die Ausgestaltung der Garantie flexibel von den aktuellen Kapitalmarktbedingungen abhängig machen. Sind die Kosten hoch, kann auf die Garantie – ganz oder teilweise – verzichtet werden. Oder man wählt einen individuellen Ansatz: Ob sich Sparer für oder gegen eine Garantie entscheiden, hängt dann von ihren persönlichen Präferenzen ab. Nur wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis für einen Sparer attraktiv ist, wird er sich für eine Garantiekomponente entscheiden.

Inwieweit können staatliche Eingriffe in die Rahmenbedingungen des Marktes das Versorgungsniveau in der Altersvorsorge verbessern?

Alles was mit Zwang verbunden ist, ist politisch schwer umsetzbar, davon halte ich persönlich wenig. Freiwillige Entscheidungen sind vielversprechender. Ein Opt-out-Verfahren für die Altersvorsorge wäre womöglich eine gute Idee. Der Anleger sollte letzten Endes entscheiden können, was er möchte.

Gibt es Beispiele aus dem Ausland, die sich hier bewährt haben und von denen wir lernen könnten?

Wir beobachten weltweit einen Trend weg von Systemen, bei denen die
Auszahlungssicherheit im Vordergrund steht, hin zu Systemen, die über die Beitragshöhe gesteuert werden. Dort leitet sich der Rentenanspruch aus der zugrundeliegenden Bewegung der Kapitalmärkte ab. In Australien etwa werden mehr als 90 Prozent der Altersvorsorge über derartig konzipierte Sparpläne abgedeckt. In den USA kann der Anleger zudem individuell entscheiden, welche Anlageklassen in seinem Sparplan enthalten sein sollen. Am wichtigsten ist ein transparentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hierzulande wird die Leistung betont und der Preis verschwiegen, das kann nicht zu vernünftigen Entscheidungen führen.

Weitere Informationen finden Sie in der Studie „Garantiekosten in der Altersvorsorge – Entwicklung eines Garantiekostenindexes“.

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