Nach Analyse von Solvenzberichten

Bund der Versicherten fürchtet „Auseinanderdriften“ der Lebensversicherer

Über ein Viertel der Lebensversicherungsunternehmen habe „ernste Probleme“, die Branche drifte auseinander. So lautet das Fazit einer Marktuntersuchung des Bundes der Versicherten (BdV) in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus Zielke Research Consult. Vor allem Run-Off-Gesellschaften zeigten „negative Auffälligkeiten“. Doch die Analysten verteilten auch Lob.
© Zielke Research Consult
Carsten Zielke analysierte erneut die Solvenzberichte von 84 Versicherern.

22 von 84 untersuchten Lebensversicherern hätten entweder eine zu geringe Solvenz oder eine negative Gewinnerwartung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Branchenexperten Carsten Zielke, der die veröffentlichten Solvenzberichte (SFCR) der Gesellschaften für das Jahr 2019 unter die Lupe genommen hatte. Die Ergebnisse stellte Zielke am Mittwoch gemeinsam mit dem Bund der Versicherten (BdV) vor.

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Immerhin hob Zielke die zunehmende Transparenz der Branche als positiv hervor. Dies soll durch neue Transparenzsiegel gewürdigt werden. Drei Unternehmen erhielten demnach „Gold“, bei 24 Unternehmen reichte es für „Silber“ und bei 15 für „Bronze“.

Kritisch äußerte sich die Studie insbesondere zur Entwicklung bei den sogenannten Run-Off-Gesellschaften. Sie würden erneut „negative Auffälligkeiten“ zeigen, hieß es. Nur durch Ansatz von Übergangsvorschriften würde es gelingen, dass der Geschäftsbetrieb aller Run-Off-Gesellschaften aufsichtsrechtlich zulässig sei. „Diese Unternehmen bergen nach wie vor große Gefahren für Versicherte. Deren Rechte müssen für den Run-Off-Fall gestärkt werden“, erklärte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Biometrieversicherer kommen leichter durch das Niedrigzinstal

Die Biometrieversicherer schneiden dagegen deutlich besser ab. Solvenzquoten, Überschussfonds und Risikomarge liegen demnach deutlich über dem Marktniveau. Die Gewinnerwartung sei sehr hoch und das Marktrisiko geringer als im restlichen Markt, so das Urteil. Solvency II begünstige das Geschäftsmodell der Biometrieversicherer und sie würden leichter durch das Niedrigzinstal gehen als andere Unternehmen, kommentierten die Verfasser der Studie.

„In der Kapitalanlagepolitik sind die Unternehmen unbeweglich“, kritsierte Kleinlein weiter. In Anbetracht der gegenwärtigen Herausforderungen, wie anhaltender Niedrigzins, volatilen Aktien- und Anleihenmärkten und den Folgen der Corona-Pandemie, sei das „mehr als fahrlässig“.

„Versicherungsunternehmen müssen das Eigenkapital stärken ohne wieder in die Taschen der Versicherten zu greifen“, sagte der BdV-Chef in gewohnter Schärfe. „100 Milliarden aus Kundengeldern sind genug, jetzt sind Unternehmen und Aktionäre selber dran“, forderte Kleinlein ein Umdenken der Unternehmen. Sie müssten jetzt eine professionelle und angemessene Kapitalanlage sowie Kalkulation angehen und sich dabei „den Versäumnissen der Vergangenheit stellen“.

„Höhere Kapitalausstattung“ notwendig

„Die Analyse hat gezeigt, dass die Versicherer die SFCR-Berichte zunehmend ernst nehmen und wichtige Informationen mitteilen“, fasste Experte Zielke zusammen. „Diese zeigen, dass es vor allem Handlungsbedarf in einer verbesserten Asset-Allokation gibt. Das bedingt bei vielen aber auch eine höhere Kapitalausstattung, was bisher nur einige wenige verstanden haben“, ermahnte Zielke die Gesellschaften.

Hier geht es zur gesamten Untersuchung.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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Eine Antwort

  1. Die gleichen wenig zielführenden Schlussfolgerungen wie seit Jahren bei dieser Analyse! Teilweise werden Kennzahlen der SFCRs falsch interpretiert (EPIFP hat mit Zukunftsgewinn nichts zu tun, Risikomarge ist nicht beeinflussbar und nach Übergangsmaßnahme betrachtet ohnehin sinnfrei, Anteil Marktrisiko hängt von Exposure gegenüber Vt Risiken ab und sagt nichts über Risiko der Kapitalanlagen)… der Autor ist viel beratungsresistenter als die dt. Lebensversicherung

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