Die Branche debattiert, ist gespannt und wartet ab. Die IDD ist in vollem Gang und wird uns in den nächsten Wochen und Monaten in Bewegung halten. Hoffentlich. Denn wer sich nicht selbst bewegt den wird die IDD bewegen.
Dass die kommt war klar, lange Zeit schon erwähnen es Fachanwälte unserer Branche immer wieder in Vorträgen und bei Roadshows. Wie sie nun kommt ist doch etwas überraschend – auch das Tempo. Es besteht Hoffnung, dass nicht alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Dennoch lassen die Inhalte keinen Zweifel daran wer die Mitgestalter dieser Regulierung waren.
Verbraucherfreundlicher sollte das Ganze werden. Die Branchenmeinungen sind sich zumindest da einig das dies nach dem bisherigen Entwurf noch nicht gelungen ist. Am Ende werden wir sehen, was Petition, Verbandsmitgliedschaft, Briefe an Politiker und unsere Fachanwälte noch bewegen können.
Klar ist eines: Es wird ein Neuordnung geben. Jeder der heute möglichen Wege ist mehr oder weniger von der Neuregulierung betroffen. Ein „weiter wie bisher“ wird es nicht geben. Jeder der rund 50.000 freien Finanz- und Versicherungsmakler ist gefordert, eine mehr oder weniger große Entscheidung zu treffen. Weiter wie bisher auf Provision und damit in „Abhängigkeit“ vom guten Willen der Versicherungsindustrie?
Weiter wie bisher als Makler auf Honorarbasis und dadurch gegebenenfalls eine extrem eingeschränkte Produktauswahl und mehr bürokratischen Aufwand? Weiter wie bisher als Versicherungsberater und sogar dort wird sich wenigstens die Bezeichnung, vielleicht auch noch die Spielregeln ändern. Genau werden wir es im Sommer wissen, wenn das Gesetz verabschiedet wird.
Entscheidungen treffen wenn man kann, nicht muss
Heute schon Gedanken machen. Darüber was man sich selbst eigentlich vorstellt zukünftig zu tun. Wie sollte denn meine Arbeit in den nächsten Jahren aussehen? Mit welchem Kunden will ich arbeiten und vor allem welche Empfehlungen, Produkte gebe ich eigentlich noch aus tiefster Überzeugung?
Fragen und damit Entscheidungen, die nicht erst durch die IDD ausgelöst werden, sondern die man sich als Unternehmer in jeder anderen Branche immer wieder stellt. Also warum nicht endlich auch in der Finanzdienstleistung? Ich bekomme Hinweise und Mails, dass ich doch momentan nicht wirklich etwas zum Thema „Servicedienstleistung“ und „Beratungsgebühren“ sagen könnte, keinen Workshop machen könnte.
Sogar die Großen Teilnehmer und Rechtsberater halten sich erst einmal zurück, bis klar ist, was die IDD bringt. Und gerade deshalb, glaube ich, sollten wir weiter machen, Kollegen dazu animieren sich dem Thema zu widmen. Es geht nicht darum abzuwarten bis die Richtlinie da ist und dann zu entscheiden was ich nun tue und wie. Ich bin der Überzeugung, dass es viel früher beginnt. JETZT (wenn nicht schon vor Jahren) ist der letzte Zeitpunkt, an dem Sie frei mit zehn Monaten Zeit entscheiden, in welcher Art Sie ab 2018 arbeiten. Ist die IDD da, MÜSSEN Sie sich zum 1. Januar 2018 an die Spielregeln halten.
Drehen Sie den Spieß um, Unternehmer entscheiden
Sie planen Ihren Urlaub und beschließen im Januar, Sie fahren im Oktober drei Wochen weg. Tun Sie dann nichts bis zum besagten Oktobertag, stehen morgens auf und fahren irgendwo hin? Ich denke nicht. Sie planen Ihren Urlaub – wie lange, wohin, welche Übernachtung, Auto, Zug oder Flugzeug. Ich wüsste sogar vorher was ich dort essen will und warum ich genau dort hinwill. Und bei Ihrer Arbeit? Da warten wir nun ab und entscheiden dann, wenn wir die Möglichkeiten kennen, wie wir zukünftig unsere Arbeit machen. Sie entscheiden dann, welche Produkte und in welcher Form Sie zukünftig empfehlen?
Das ist eines der Probleme in unserer freien Branche. Wir haben uns schon viel zu lange auf die Vorgaben, Empfehlungen und Hinweise der Anbieter verlassen. Seit dem „Neustart“ nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir ein Vergütungssystem und Produkte, die uns vorgegeben wurden. Kaum ein Vermittler, Makler hat sich in den vergangenen Jahren ernsthaft Gedanken darüber gemacht. Hat ja auch alles immer funktioniert. Meistens.
Selbst entscheiden, oder nach gesetzlichen Vorgaben handeln?
Die Kollegen, die schon seit 30 oder 40 Jahren gegen Honorar arbeiten, waren doch die „Exoten“. In den vergangenen Jahren hat das Thema Fahrt aufgenommen und seitdem geht eine Diskussion durch die Branche und wir „zerfleischen“ uns teilweise selbst. Jetzt kommt wieder eine gesetzliche Vorgabe, die Sie zur Entscheidung zwingt. Meine Entscheidung habe ich mit der gesetzlichen Vorgabe des Produktinformationsblattes und der Info zu Kosten ab 2009 getroffen.
Kommen Sie selbst in Bewegung. Machen Sie sich heute Ihren Plan, wie Sie arbeiten wollen. Welche Produktlösungen haben Ihre Überzeugung? Welcher Vergütungsweg ist Ihnen der sympathischere? Und wenn Sie diesen Plan haben sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Fachwissen, nötige Zulassungen und die Einhaltung der neuen IDD berücksichtigt wird. Sie entscheiden vorher, für sich und ihre Kunden. Beide Wege haben Ihre Berechtigung und es liegt an Ihnen sich für einen passenden zu entscheiden.
Die Zukunft für freie Finanzdienstleister und Versicherungsmakler wird spannend und herausfordernd. Kreativität, Liebe zum Beruf, persönliche Überzeugung und persönlicher Einsatz werden die Dinge sein, die Sie zukünftig von Ihrem Mitbewerber unterscheiden. Es liegt an uns selbst, was wir daraus machen und wann wir beginnen uns mit unserem Unternehmen „Finanzbüro“ zu beschäftigen. Wenn andere sagen, dass wir es tun müssen, oder wenn wir selbst die Möglichkeiten zur Entscheidung haben?
Das was wir von unseren Kunden verlangen, dass was wir Ihnen immer wieder vorpredigen, „Sie müssen Entscheidungen treffen“, zur Altersvorsorge, zur Höhe der Sparrate, zur Art der Absicherung, wird nun von jedem von uns selbst verlangt. Treffen Sie eine Entscheidung wie Sie Ihr Geschäft die nächsten Jahre positionieren.
Ich will Sie dazu ermutigen genau das zu tun. Beschäftigen Sie sich mit sich, Ihren Überzeugungen und daraus mit dem Angebot Ihres Finanzbüros. Wenn Sie es jetzt nicht tun, tut es der Gesetzgeber. Jeder Unternehmer muss Entscheidungen treffen, immer. Auch wenn wir nichts tun, haben wir eine Entscheidung getroffen. Dann genau diese, nichts zu tun und abzuwarten.
Über den Autoren
Percy Grüterich machte 1999 im Familien-Büro die ersten Schritte in Richtung Finanzberater. 2001 bis 2003 folgte die Ausbildung zum Versicherungsfachmann, 2006 die Qualifizierung zum Finanzplaner. Seit 2007 arbeitet Grüterich als Finanz- & Versicherungsmakler. 2010 spezialisierte er sich auf die Themen Finanzdienstleistung, Absicherung und Geldanlage / persönliche Vorsorge. Heute betreibt er das Maklerbüro Finanzservice Finanzielle Fitness in Mellrichstadt.
Seine Überzeugung zur Dienstleistung spiegelt sich im Angebot. Grüterich ist Erfinder des Fall-X-Pakets, einer Notfallmappe, in der Kunden alle wichtigen Daten und Dokumente sammeln können, für den Fall, dass ihnen etwas zustößt. Dieses stellt Grüterich anderen Beratern zur Verfügung und unterstützt damit deren Angebot. Workshops und Seminare zu Servicegebühren, Geschäftsmodellen und Dienstleistung runden die Unterstützung anderer Berater ab.