
„Mit Weitblick die richtigen Investitionen tätigen“
„Die Digitalisierung bietet den Versicherern ganz neue Möglichkeiten, mit Kunden in Verbindung zu bleiben und moderne Produkte passgenau zur Verfügung zu stellen“ – mit diesen einleiteten Worten hieß Versicherungswissenschaftler Andreas Richter von der LMU München die Gäste des Handelsblatt Insurance Summit 2018 am vergangenen Donnerstag in München willkommen.
Es bestehe die Chance, eine Branche zu „entstauben“ und modern neu aufzustellen, sagte Richter. Zugleich gelte es aber, keine Zeit zu verlieren. „Nach einer Phase des Ausprobierens sind nun mit Weitblick die richtigen Investitionen zu tätigen. Dies ist eine besondere Herausforderung in einer Zeit, in der die Branche auch finanziell besonders unter Druck steht“, so die Einschätzung des Forschers.

Zurich-Chef Greco tritt Fusionsgerüchten entgegen
„Mit Weitblick die richtigen Investitionen tätigen“ – so hätte auch der Vortrag von Zurich-Chef Mario Greco überschrieben sein können. Oder noch passender: „Bloß nicht die falschen Investitionen tätigen“. So machte Greco den Zuhörern noch einmal klar, dass er von großen, grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen unter europäischen Versicherungsriesen so gar nichts hält. Diese „werden für uns nie ein Thema sein“, sagte der Chef des Schweizer Versicherers. Hintergrund ist, dass Zurich immer wieder als mögliches Übernahmeziel für die Allianz oder für die italienische Generali genannt wurde.
Zurich sei schon jetzt so global aufgestellt wie kaum ein anderer Versicherer, ergänzte Greco. Auch mögliche Übernahmen von Versicherern durch branchenfremde Tech-Konzerne wie Amazon oder Google erwartet Greco nicht. „Sie wollen nur unsere Kunden, sie wollen nicht das Geschäft“, sagte der Zurich-Chef.

Google-Managerin Fix-Bähre erklärt den „neuen Kunden“
Apropos Google: Sarah Fix-Bähre, Versicherungsexpertin von Google Germany, sprach in ihrem Vortrag darüber, dass die Digitalisierung auch die Versicherungsbranche längst erreicht habe. Der „neue Kunde“ sei anspruchsvoller und ungeduldiger – Unternehmen müssten sich daher deutlich schneller bewegen, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sagte Fix-Bähre. Dazu brauche es neben einer Omnikanal-Vertriebsstrategie vor allem ein neues Führungsverständnis und einen konsequenten Kulturwandel. „Denn die Kultur frisst die Strategie bekanntermaßen zum Frühstück“, so die Google-Managerin.

Allianz will alle Produkte auch global anbieten können
Durch die Brille des Kunden schaute auch Allianz-Chef Oliver Bäte. Erst kurz vor seinem Auftritt am Freitag wurde bekannt, dass Bätes Amtszeit um weitere fünf Jahre verlängert wurde – und der Konzernchef ließ schon mal durchblicken, wie er diese Zeit gestalten will. Die Allianz werde ab sofort nur noch Produkte entwickeln, die sich für die globalen Märkte des Versicherers skalieren lassen, kündigte Bäte an – vielleicht ja bald auch für den chinesischen Markt? Als erster ausländischer Versicherer überhaupt darf die Allianz ohne chinesische Partner im Reich der Mitte eine Holding gründen.


Generali für „jede mögliche Akquisition offen“
Auf Expansion und Umbau setzt auch ein weiteres Schwergewicht der Branche – die Generali. Ihr Chef, Philippe Donnet, kündigte jüngst an, in den kommenden drei Jahren zwischen drei und vier Milliarden Euro in organisches Wachstum und Zukäufe zu investieren. In München erläuterte Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani die neue strategische Ausrichtung des italienischen Versicherers. „Wir sind für jede mögliche Akquisition offen“, sagte Liverani. Dabei schloss er den deutschen Markt ausdrücklich in die Wachstumsziele des Konzerns ein.


„Nur flexible, lernende Organisationen werden erfolgreich sein“
Axa-Deutschlandchef Alexander Vollert eröffnete den zweiten Tag des Handelsblatt Insurance Summits. Mit der Devise „Mobile First“ und bei jedem Prozess „Digital First“ fasste er die strategische Agenda des Versicherers zusammen.
Er forderte ein neues Denken innerhalb der Versicherungswirtschaft. Unser Weg sei es, kundenorientierteres Denken im gesamten Unternehmen konsequent zu fördern, so Vollert. „Denn nur flexible, lernende Organisationen werden erfolgreich sein. Dabei gibt es keine Anleitung und keinen Lehrplan, der über Jahre identisch bleibt und den man abarbeiten könnte, um die perfekte Transformation zu vollziehen“, sagte der Axa-Manager. Es werde auch Fehlschläge geben, das sei aber legitim, wenn man daraus Lehren ziehe.


Grünen-Experte Gerhard Schick sieht Fehlanreize im Vertrieb
Ob Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter der Grünen, so etwas wie die „perfekte Transformation“ des Altersvorsorgesystems plant, sei mal dahin gestellt. Jedenfalls stellte der profilierte Finanzexperte im Interview mit Moderatorin Sina Mainitz „schwere Missstände“ im Finanzystem fest. Durch Provisionszahlungen entstünden Fehlanreize im Vertrieb, wodurch viele Bürger misstrauisch eingestellt seien gegenüber einer Beratung. Außerdem sagte Schick, der mit seiner Bürgerbewegung „Finanzwende“ gegen die vermeintlichen Missstände vorgehen will, dass man hierzulande von teuren Produktgarantien absehen solle. Zudem sei eine stärkere Investition der Bürger in Aktien sinnvoll.


Michael Heinz, Präsident des BVK. Quelle: Euroforum Deutschland
„Es wird keinen Provisionsdeckel für die Lebensversicherung geben“
„Es ist gut und wichtig, dass sich der Markt für Finanzberatung weiter professionalisiert“, sagte MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg auf der Podiumsdiskussion zum Thema „Umbruch der Vertriebssysteme“. Er ist der Ansicht, dass Häuser, die „einen qualitativ hochwertigen Beratungsansatz und ein überzeugendes Gesamtpaket für ihre Berater“ böten, am besten auf den Wandel eingestellt seien.
Ralf Berndt, Vertriebsvorstand der Stuttgarter, betonte, dass Vermittler auch in Zukunft die tragende Säule des Versicherungsvertriebs in Deutschland seien, obwohl sich deren Anzahl spürbar reduzieren werde.
Vermittler-Lobbyist Michal Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), unterstrich in München noch einmal, dass er nicht davon ausgehe, dass sich die Vermittler bald auf eine spürbare geringere Entlohnung einstellen müssten. „Es wird keinen Provisionsdeckel für die Lebensversicherung geben“, gab sich Heinz überzeugt.