Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor großen Herausforderungen. Das Stichwort: demografischer Wandel. Ohne Reformen steigt der Beitragssatz bis 2040 auf mehr als 22 Prozent, zeigt nun eine neue IW-Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Bis 2060 droht sogar ein Anstieg des Rentenbeitragssatzes auf 23,6 Prozent. Lösungen in der Sozialpolitik seien damit mindestens ebenso wichtig wie die Folgen der Corona-Pandemie sowie die Klimapolitik.
Und die Zeit drängt: In diesem Jahr springe das Sicherungsniveau vor Steuern laut Bundesregierung noch einmal über die 49-Prozent-Marke, heißt es in der Studie weiter. Danach gehen die IW-Studienautoren aber davon aus, dass das Rentenniveau – also das Verhältnis zwischen der Rentenhöhe eines Durchschnittsverdieners nach 45 Jahren Beitragszahlungen und dem jeweils aktuellen durchschnittlichen Einkommen eines Arbeitnehmers – bis 2060 auf 44,4 Prozent sinkt.
Die Wahlversprechen im Rahmen des derzeitigen Wahlkampfs nennen die Studienautoren indes „großzügig“: So wollen die Grünen und die SPD das Rentenniveau langfristig bei 48 Prozent sichern. „Das käme Beitragszahler teuer zu stehen – der Beitragssatz müsste demnach auf mehr als 25 Prozent ansteigen“, kommentieren die IW-Experten. „Die Linke fordert sogar ein Niveau von 53 Prozent, was die Beiträge noch weiter nach oben treiben würde.“
Dabei biete die gesetzliche Rentenversicherung eigentlich auch andere „Stellschrauben, um die Balance zwischen den Generationen der Beitragszahler und Rentner besser zu justieren“, heißt es im Studienpapier weiter. Mit der Wiedereinführung des Nachholfaktors, einer moderat höheren Gewichtung des steigenden Rentnerquotienten sowie einer weiteren Anhebung der Regelaltersgrenze nach 2031 ließe sich der Beitragssatz ab 2040 bei 20,8 Prozent dauerhaft bremsen, so die IW-Experten. Auch das Rentenniveau würde auf lange Sicht annähernd so hoch ausfallen wie in einer Welt ohne Reformen.
„Es gäbe genug Möglichkeiten, um die Rentenversicherung nachhaltig zu stabilisieren“, findet IW-Rentenexperte Jochen Pimpertz. „Großzügige Wahlversprechen verschlimmern das Problem.“
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