Finanzielle Freiheit?

Deutsche verlassen sich zu sehr auf Staat und Festanstellung

Finanzielle Unabhängigkeit ist für die Menschen hierzulande wichtig. Das Problem: Sie tun zu wenig dafür. In keinem anderen Land bezögen so viele Menschen ihr Einkommen aus einem Angestelltenverhältnis – und nur die wenigsten investierten ihr Geld gewinnbringend, zeigt eine aktuelle Umfrage der LV 1871.
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Zwei Männer besprechen aktuelle Börsenkurse: Viele Deutsche sparen aktuell nicht gewinnbringend genug.

„Finanzielle Unabhängigkeit“, „freie Meinungsäußerung“ und „Bewegungsfreiheit“ werden von Menschen weltweit am stärksten mit Freiheit verbunden. In Deutschland steht selbstbestimmtes Handeln über allem (77 Prozent), darauf folgt freie Meinungsäußerung (75 Prozent); finanzielle Unabhängigkeit liegt auf dem dritten Platz (69 Prozent).

Die meisten Bundesbürger verstehen unter finanzieller Freiheit „Unabhängigkeit in allen Lebenslagen“ (65 Prozent). Auch im Ländervergleich liegt Deutschland bei diesem Wert mit Italien (65 Prozent) an der Spitze. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der LV 1871, durchgeführt von Yougov, unter 1.000 Menschen in Italien, Norwegen, Polen und den USA sowie 2.000 Menschen in Großbritannien und Deutschland ab 18 Jahren.

Laut Studie wird hierzulande mit Blick auf die Einkommensquellen noch zu wenig getan, um finanzielle Freiheit zu erreichen. So beziehen in Deutschland nur 15 Prozent der Befragten ein Einkommen aus Geldanlagen oder Krediten. Die Menschen in Deutschland arbeiten im internationalen Vergleich auch mit Abstand am häufigsten in einem Angestellten-Verhältnis (66 Prozent). Noch dazu lägen die meisten Bundesbürger ihr Geld falsch an. Aktuellen Statista-Zahlen zufolge nutze fast jeder zweite in Deutschland Girokonto und Sparbuch zur Geldanlage. Nur 17 Prozent der Menschen hierzulande investierten in Aktien, heißt es weiter – in den USA hingegen seien es 55 Prozent.

„Den Menschen in Deutschland ist Selbstständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit zwar besonders wichtig, aber sie tun zu wenig dafür. Wer von einem selbstbestimmten Leben träumt, muss seine Finanzen selbst in die Hand nehmen und darf sich nicht allein auf den Staat verlassen“, sagt Hermann Schrögenauer, Vorstand der LV 1871.

Wunschalter für den Renteneintritt

Gefragt nach dem gewünschten Renteneintrittsalter zeigen sich die meisten Bundesbürger bescheiden. Zwar können sich 58 Prozent der Menschen in Deutschland vorstellen nur bis 60 zu arbeiten und liegen damit international an der Spitze. Von der Rente vor dem 50. Geburtstag (9 Prozent) oder gar früher (mit 40 Jahren: 1,6 Prozent; mit 30 Jahren: 1,7 Prozent) träumen jedoch nur wenige. In Polen hingegen wünschen sich vergleichsweise viele Menschen (21 Prozent), mit 50 Jahren in den Ruhestand zu gehen, bei 40 Jahren sind es in den USA immerhin noch 5 Prozent.

„Finanzielle Freiheit geht uns alle an, doch die typisch deutsche Mentalität – Bescheidenheit und Risikoscheu – steht vielen im Weg, die sich finanzielle Unabhängigkeit wünschen. Die Mehrheit der Bundesbürger verlässt sich auf die vermeintliche Sicherheit der Festanstellung und die staatliche Altersvorsorge. Auch die Politik glänzt auf dem Gebiet mit Fantasielosigkeit und bietet keine ausreichende Stütze“, warnt Schrögenauer.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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