Digitalisierung

Diese Insurtechs stehen auf Maklers Seite

Bei der Debatte über Insurtechs stehen in der Regel diejenigen im Vordergrund, die gegen Makler arbeiten, die ihnen das Geschäft wegnehmen wollen. Es gibt aber auch viele Unternehmen, die Makler unterstützen wollen. Wir stellen einige dieser Insurtechs vor.
© dpa/picture alliance
Amazon-Chef Jeff Bezos stellt bei einer Pressekonferenz den neuen E-Reader Kindle vor: Amazon ist ein Beispiel für den Erfolg, den Fintechs haben können, wenn sie etablierte Strukturen umkrempeln.

Vermittler sind die Verlierer der aktuellen Digitalisierungswelle in der Versicherungsbranche. So sehen das zumindest Führungskräfte in den Versicherungsunternehmen. Laut einer Umfrage des Strategie- und Marktberatungsunternehmens Zeb glauben 56 Prozent von 120 befragten Vorständen, dass Insurtechs ein Risiko für Vermittler darstellen.

Das muss aber nicht sein. Ja, die Digitalisierung und neue Marktteilnehmer krempeln den Markt um. Mitnichten sind aber alle Insurtechs darauf aus, Maklern das Geschäft wegzunehmen oder sie aus dem Markt zu drängen. Es gibt viele Beispiele für Start-ups, die auf Kooperationen mit Beratern aus sind. Pfefferminzia stellt einige dieser Insurtechs vor. Dabei lassen sich die Angebote in verschiedene Gruppen unterteilen.

Gruppe 1: Anbieter digitaler Versicherungsordner

Die erste geht einen ähnlichen Weg wie die Clarks und Knips dieser Welt und bieten digitale Versicherungsordner an. Der Unterschied: Das Angebot richtet sich an Makler, damit sie ihren Kunden wiederum diesen Service anbieten können.

Als Pionier der digitalen Kundenordner kann man MyDiverso+ bezeichnen. Seit 2009 bieten die Griesheimer diesen Service schon an. Mit MyDiverso+ können Makler Privatkunden, Gewerbetreibenden und Freiberuflern ihre Unterlagen digital zur Verfügung stellen. „Und zwar nicht nur die Finanz- und Versicherungsunterlagen, sondern auch alle anderen Formen von Dokumenten wie Mietverträge, Rechnungen, Fotos oder aber auch die Vorsorgeverfügungen und das Testament“, sagt Geschäftsführer Ralf Kohl. Dabei gibt es auch eine Mitteilungsfunktion, über die der Kunde seinen Makler direkt kontaktieren kann, etwa um eine neue Bankverbindung mitzuteilen oder einen Schaden zu melden.

Ist die kostenfreie Dienstleistung noch zeitgemäß?

Auch mal Geld für Service verlangen Makler können dabei entscheiden, ob sie diesen Service ihren Kunden kostenfrei oder gegen eine Gebühr anbieten wollen. „In Zeiten von Regulierungen, LVRG und Null-Zins-Politik sollte jeder Versicherungsmakler sich überlegen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, alle Serviceleistungen, welche nichts mit der eigentlichen Versicherungsvermittlung zu tun haben, kostenfrei anzubieten“, sagt Kohl.

Für Makler selbst ist MyDiverso+ bis zu einer Kundenzahl von sechs gratis. Kohl: „Ab dem siebten Kontakt wird MyDiverso+ kostenpflichtig. In der Premium-Starter-Variante für monatlich 35 Euro kann der Vermittler Verträge von bis zu 250 Kontakten verwalten und 5 Gigabyte an Dokumenten hochladen.“

Gruppe 2: Versicherungen auf der Makler-Homepage anbieten

Die zweite Gruppe der Insurtechs bietet Maklern den Service an, bestimmte Versicherungen auf der eigenen Makler-Homepage einzubinden. Hier sind etwa Mass-Up und Virado zu nennen. „Kein Makler macht heute ein nennenswertes Direktgeschäft. In vielen Bereichen ergibt es aber einfach keinen Sinn mehr, dass der Makler raus zum Kunden fährt“, sagt Mass-Up Mitgründer Dominik Groenen, der sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft des Unternehmens herausgezogen hat, Mass-Up aber nach wie vor beratend zur Seite steht.

„Wir bieten ihm hier eine Lösung. Angefangen haben wir mit Produkten aus dem Nischenbereich wie Smartphone- und Fahrradversicherung oder Policen für Sportgeräte und Musikinstrumente.“ Mittlerweile sei man aber auch in der Lage, Privathaftpflicht, Hausrat- oder Risikolebensversicherungen einzubinden oder auch Produkte aus dem Standardgewerbe-Bereich.

Einfacher Zugang zu Nischenversicherungen

Einen ähnlichen Weg geht Achim Hepp, Gründer und Digital-Chef von Virado: „Wir bieten Maklern einen einfachen Zugang zu Produkt- und Nischenversicherungen, die junge und moderne Leute heute nachfragen. Produkte wie zum Beispiel eine Handyversicherung, die mittlerweile die Kfz-Versicherung als Einsteigerprodukt abgelöst hat“, sagt Hepp. Genau diese Produkte stünden Maklern nicht zur Verfügung, da eine Anbindung an den Versicherer teuer und zeitaufwendig sei.

„Zusätzlich wird der Makler bald in der Lage sein, auch Geschäftskunden, wie beispielsweise einen Fahrradladen, an Virado anzubinden und danach passiv in der Wertschöpfungskette mitzuverdienen“, sagt Hepp. Das Angebot sei kostenfrei – erst wenn der Makler eine Versicherung verkauft, verdient Virado mit.

Gruppe 3: Vergleichsplattformen für Makler

Die nächste Gruppe ist die der Vergleichsplattformen speziell für Makler. Im Bereich der Ratenkredite ist Finanzcheck Pro aktiv. „Es gibt viele Versicherungsmakler, die nah am Kunden dran sind und mit ihm alle möglichen Themen besprechen. Da spielen auch Kredite eine Rolle“, sagt Malte Raudszus, zuständig für die Geschäftsentwicklung bei Finanzcheck.

Mit Finanzcheck Pro kann der Makler vergleichen, bei welcher Bank der Kunde am günstigsten einen Kredit bekommt – oder den alten teuren Kredit gegen einen günstigeren tauschen kann. „So kann der Vermittler etwa seinen Kunden ansprechen und ihm eine Umschuldung anbieten: Wir können dir im Monat 40 Euro sparen, wenn du den Kredit umschuldest. Von diesen 40 Euro investieren wir 20 Euro mehr in die Altersvorsorge“, erklärt Raudszus die Idee.

Vergleich mit wenigen Klicks

Bei Finanzchef Pro stehen nicht Kredite, sondern Gewerbeversicherungen im Fokus. „Derzeit bildet Finanzchef Pro Lösungen von namhaften Versicherern für über 1.000 Betriebsarten und Mischbetriebe ab“, sagt Hendrik Rennert, Geschäftsführer von Finanzchef24. „Angebundene Vermittler können Angebote in den Sparten Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Inhaltsversicherung vergleichen und erhalten eine vollständige elektronische Beratungsdokumentation.“ Die Einreichung gehe online mit wenigen Klicks. Die Antragsabwicklung erfolge im Maklerpool-Modell bei vertraglich garantiertem Kundenschutz.

Gruppe 4: Digitale Kommandozentralen

Die nächste Gruppe ist die einer „digitalen Kommandozentrale“ für Makler. Beispiel: Mobilversichert. „Wir bieten dem Makler eine digitale, cloudbasierte Kunden- und Vertragsverwaltung inklusive Vergleichsrechnern und einer personalisierten App für seine Kunden an“, beschreibt Manuel Stroeh vom Betreiber Munich General Insurance Services, die Leistung. 39 Euro netto kostet das im Monat.

Derzeit arbeiten die Entwickler außerdem daran, Schadenverwaltung, Courtagevorschau und Beratungsprotokolle in das System zu integrieren. Weiterer Service: „Der Kunde kann Verträge über Mobilversichert abschließen. Diese Funktion kann vom Makler freigeschaltet werden. Die abgeschlossenen Verträge gehen dann in den Bestand des Maklers“, sagt Stroeh.

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