„Beitragsanpassungen zu erwarten“

Preisanstieg treibt Versicherungsbosse um

Die Inflation ist aktuell die größte Herausforderung für die Vorstandsmitglieder von Versicherern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Horváth. Die Berater rechnen nun fest mit „Inflationsbedingten Beitragsanpassungen“.
© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Viele Deutsche bekommen die steigenden Lebenshaltungskosten empfindlich zu spüren – künftig dürfte die Inflation auch auf die Versicherungsprämien durchschlagen.

Die Inflation dürfte schon bald auch auf die Versicherungen durchschlagen. So erklärte kürzlich Allianz-Finanzchef Giuilio Terzariol, dass er es für möglich halte, dass die Prämien in der Kfz-Versicherung um bis zu 10 Prozent steigen, in Einzelfällen sogar darüber.

Die offenen Worte vom Marktführer aus München machen vor allem eins deutlich: Die Inflation besorgt zunehmend auch die Versicherungswirtschaft. „Die größte Herausforderung für die Vorstandsmitglieder ist aktuell der Preisanstieg“, berichtet das Beratungsunternehmen Horváth am Donnerstag in einer Mitteilung. Dazu berufen sich die Berater auf eine nach eigenen Angaben repräsentativen Befragung von über 20 Vorstandsmitgliedern großer Versicherungsunternehmen aus mehreren Ländern.

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Dass die Inflation die Entscheider in den Vorstandetagen aktuell umtreibt, zeigt sich Horváth zufolge daran, dass die Preis- und Erlösmodellen vielerorts neu ausgerichtet würden. So hätten derartige Modelle gegenüber dem Vorjahr an strategischer Bedeutung gewonnen, wie es hieß. In Zahlen ausgedrückt: Bezeichnete 2021 nur etwa die Hälfte der Befragten dieses Handlungsfeld als wichtiges Managementthema (52 Prozent), sind es jetzt mehr als drei Viertel (77 Prozent).

„Inflationsbedingte Beitragsanpassungen sind zu erwarten“

„Inflationsbedingte Beitragsanpassungen sind zu erwarten, um beispielweise die gestiegenen Ausgaben für Schaden- und Leistungsaufwände auszugleichen, und sind der Haupttreiber für das absolute Prämienwachstum“, erläutert Martin Müller, Versicherungsexperte bei Horváth, die Lage der Branche.

Auch die Kapitalmarkt- und Zinsentwicklung seien stärker in den Fokus gerückt: 74 Prozent der Versicherer wollen ihr Produktportfolio und ihre Kapitalanlagestrategie anpassen. „Dies spiegelt sich auch in den zunehmenden Aktivitäten rund um Lebensversicherungen im Run-Off und Bestandsveräußerungen wider“, so Müller.

Fokus auf Digitalisierung und Cybersicherheit

Die größte strategische Priorität habe für die Branche aber weiterhin die Digitalisierung. 80 Prozent bearbeiten diese aktuell mit sehr hoher Priorität, weitere 20 Prozent mit hoher Priorität. „Damit ist sie seit 2019 das Top-Thema“, heißt es bei Horváth. Allerdings verschiebe sich hier der Fokus – und zwar von der Kundenschnittstelle hin zu den Backoffice-Prozessen und IT-Kernsystemen. „Dies kann auch als Reaktion auf den absehbaren Fachkräftemangel interpretiert werden“, sagt Martin Müller.

Auch Cybersicherheit gewinne für die Branche an Bedeutung – mehr als die Hälfte der Versicherer bearbeiten dieses Handlungsfeld gerade mit sehr hoher Priorität. Der Schutz der Kundendaten und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen sei „enorm wichtig“, konstatiert Experte Müller. „Nicht zu vergessen ist, dass dies aber auch auf der Produktseite ein interessantes Wachstumsfeld für die Versicherungswirtschaft sein kann“, fügt der Horváth-Manager mit Blick auf die Cyberversicherung hinzu.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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