Babyboomer in Rentennot

Welche Produkte für die Zielgruppe 50plus infrage kommen

Jedes Jahr zahlen Versicherer Milliarden aus fälligen Lebensversicherungen aus. Oft ist das Geld dann erst mal verloren, wenn Kunden es auf dem Sparbuch parken. Welche Konzepte die Versicherer für die Wiederanlage des Vermögens der Zielgruppe 50plus in der Schublade haben.
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Stolze Eltern mit ihren frisch geborenen Zwillingen im Jahr 1964: In keinem anderen Jahr davor oder danach wurden in Deutschland so viele Kinder geboren.

Es gab noch nie zuvor und nie wieder danach so viele Neugeborene in Deutschland: 1964 ist das unangefochtene Rekordjahr, wenn es um den Babyboom hierzulande geht: 1,4 Millionen Kinder kamen zur Welt. Die Generation der Babyboomer umfasst die Jahrgänge 1956 bis 1968, und sie haben eines gemeinsam: Sie werden das Rentensystem hierzulande vor eine harte Belastungsprobe stellen.

In wenigen Jahren gehen die ersten Babyboomer in Rente. Bis etwa 2035 werden fast alle im Ruhestand sein. Damit fallen in Deutschland rund 14 Prozent der arbeitenden Bevölkerung weg. Viele Ältere müssen dann mit sinkenden Renten rechnen. „Für die Generation der Babyboomer gilt ja bereits, dass der Erhalt des Lebensstandards im Alter nur über den Zusatzbaustein der privaten Altersvorsorge erreichbar sein wird“, sagt Uwe-Matthias Müller, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Initiative 50plus. „Anders als viele Jüngere hat die Generation 50plus aber auch die Mittel für eine sinnvolle private Altersvorsorge.“

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Heute schon hat diese Zielgruppe die größte Kaufkraft über alle Altersschichten hinweg. „80 Prozent der privaten Einlagen bei Banken und Sparkassen entfallen auf diesen Bevölkerungsteil“, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge- und Finanzplanung (IVFP). Und weiter: „Das durchschnittliche Nettovermögen der Generation beträgt knapp 280.000 Euro.“ Und ist damit überdurchschnittlich hoch. Hinzu kommt, dass bei vielen Älteren in nächster Zeit eine Lebensversicherung zur Auszahlung kommt.

Bleibt das Geld dann aber bei der Versicherung? In der Regel nicht. Im Schnitt liegt die Wiederanlagequote bei den Versicherern nur bei 15 Prozent. Fast ein Fünftel der Versicherer kommt nicht mal auf 10 Prozent. Das zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners. Woran liegt es aber, dass die Generation 50plus das Geld nicht beim Versicherer reinvestiert? Die Unternehmen glauben vor allem, dass es an den Produkten liegt. Sie seien für die Kunden nicht attraktiv und zu unflexibel. Auch den Vertrieb nehmen die Versicherer aber in die Verantwortung.

Jederzeit Zugriff aufs Vermögen

Bei den Produkten tut sich seit einiger Zeit einiges. So hat etwa der Versicherer Standard Life Ende 2015 das Produkt Parkallee extra für die Zielgruppe 50plus auf den Markt gebracht. Voraus ging eine Marktanalyse, um abzuklopfen, worauf es den Kunden in diesem Alter ankommt. „Die über 50-Jährigen wünschen sich Produkte, die eine ansprechende Rendite erwirtschaften, das Risiko aber weitgehend vermeiden“, sagt Claus Mischler, Leiter der Produktentwicklung bei Standard Life. „Darüber hinaus erwarten sie von dem Produkt höchste Flexibilität – vor allem wollen sie jederzeit Zugriff auf ihr Vermögen haben.“

Wie hat Standard Life diese Wünsche bei dem neuen Produkt umgesetzt? Parkallee ist eine fondsgebundene Rentenversicherung, die es in den zwei Varianten aktiv und komfort gibt. Wählt der Kunde die aktive Variante, kann er sich sein Portfolio selbst zusammenbauen. Über 50 Fonds stehen ihm dabei zur Wahl, die mindestens drei Sterne der Rating-Agentur Morningstar oder ein C von Feri-Fondsrating vorweisen können. In der Variante komfort stehen verschiedene gemanagte Portfolios, genauer die Standard Life MyFolio-Fonds, sowie das Flaggschiff-Produkt Global Absolute Return Strategies Fonds (WKN: A1H5Z3) bereit.

Sicherheit bietet bei den gemanagten Varianten das Hin- und Herschichten zwischen chancebringenden und risikoarmen Anlageklassen. Bei Parkallee aktiv können Kunden den Sicherungsmechanismus Capital Security Management dazubuchen. Systematisch analysiert er monatlich Kapitalmarktdaten und passt die Kapitalanlage gegebenenfalls an.

Um dem hohen Flexibilitätswunsch der Kunden nachzukommen, hat Standard Life unter anderem die Option Quick-Cash entwickelt. Damit können Kunden maximal 25.000 Euro innerhalb von zwei Tagen abzwacken. Das geht einmal pro Jahr und fünfmal pro Vertrag.

Genau dieser Aspekt war auch dem Versicherer Aegon bei der Secure Depot-Rente wichtig. „Wir haben sehr viel Marktforschung betrieben“, sagt Torsten Haupt, Hauptbevollmächtigter von Aegon in Deutschland. „Der Kunde will das Geld nicht einfach aus der Hand geben, ihm ist die Liquidität und Flexibilität, die ein Tages- oder Festgeldkonto verspricht, sehr wichtig.“ Bei der Aegon Secure Depot-Rente liegt das Geld des Kunden in einem von Blackrock verwalteten Wertpapierfonds, auf den der Kunde jederzeit flexibel zugreifen kann. Auch während der Rentenzahlung. Gleichzeitig gibt es eine Einkommensgarantie bis zum Lebensende.

Renten kann steigen, aber nicht fallen

Die lebenslange Rente kann steigen, aber nicht mehr fallen – es sei denn, der Kunde entnimmt Geld aus seinem Vertrag. Das Aegon Portfolio Vol6 ist ein Mischfonds, der in europäische Aktien und Anleihen sowie Cash investiert. Ziel der Fondsmanager ist es, die Volatilität gering zu halten, konkret bei rund 6 Prozent. Jeden Tag prüfen die Fondsmanager, ob sich das Portfolio innerhalb der Toleranzspanne bewegt. Ist die Grenze gerissen, tauschen die Fondsmanager den Wert, der das Risiko verursacht, nötigenfalls aus.

Ebenfalls mehr Rendite in der Rentenphase soll die Garantie Investment Rente der Canada Life der Zielgruppe 50plus bescheren. Der Kunde investiert einen Einmalbeitrag in einen Fonds und erhält dafür eine feste monatliche Auszahlung. Ein paar Sicherheitsbausteine hat Canada Life dabei eingezogen. Der erste garantiert dem Kunden eine lebenslange Mindestrente. Sicherheitsbaustein 2 garantiert, dass diese Rente bei entsprechender Wertentwicklung des Fonds steigt. Hierfür ermittelt der Automatische Renten Check einmal jährlich das aktuelle Anteilsguthaben des Kunden.

Ist es im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, stockt Canada Life die Rente auf. Auf Kapitalanlageseite wählt der Kunde bei Vertragsabschluss eines von drei Portfolios der Canada-Life-Tocher Setanta aus: „Chance“ enthält etwa 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Renten, „Balance“ 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Renten und „Defensiv“ 20 Prozent Aktien und 80 Prozent Renten.

Versicherer legen bei technischer Beratungsunterstützung nach

Aber nicht nur auf die Entwicklung neuer Produkte setzen die Versicherer, beobachtet IVFP-Chef Hauer: „Die Gesellschaften haben in den vergangenen Jahren erkannt, dass ohne technische Beratungsunterstützung keine optimale Beratungsleistung mehr erbracht werden kann“, sagt er. Das Institut entwickelt daher mit mehreren Gesellschaften zusammen entsprechende Beratungsmodule. Ein Beispiel hierfür ist der Wiederanlagerechner der Canada Life. Vermittler können beispielsweise Werte aus ablaufenden Lebensversicherungen sowie verfügbares Kapital eintragen. Auf Knopfdruck spuckt der Rechner dann Anlageangebote aus.

Dass in diesem Bereich mehr Unterstützung geboten wird, ist gut. Denn die Beratung der Zielgruppe 50plus ist nicht immer optimal. Müller: „Der Berater muss auf Augenhöhe mit seinem Kunden sprechen können.“ Dazu gehörten Faktoren wie Alter, Berufserfahrung & Co. Der Kunde erwarte Hilfe in vielen Fragen auch außerhalb des engen Bereichs des ihm verkauften Produkts. Dazu greife er auf sein Netzwerk zurück. „Und an dieser Stelle muss der Vermittler entscheiden, ob er wertvolles Mitglied dieses Netzwerks sein will.“

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