André Männicke über die Zukunft des Maklervertriebs

„Angst vor einem Markteintritt von Google oder Amazon ist groß“

Medienbruchfreies Arbeiten ist Maklern auch im Jahr 2018 nicht überall möglich. André Männicke, Vorstand der Smart Insurtech, macht dafür auch die „zum Teil historischen IT-Systeme der Versicherer“ verantwortlich. Im Interview sagt er, warum MVP-Insellösungen keine Zukunft haben, wie die Pläne der Online-Riesen Google oder Amazon für den Versicherungsmarkt aussehen könnten und warum sich sein Haus nicht als disruptiver Angreifer versteht.
© Smart Insurtech
André Männicke, Vorstand der Smart Insurtech, setzt sich dafür ein, alle Marktteilnehmer über eine Plattform miteinander zu vernetzen.

Pfefferminzia: Man müsse zu einer „gesamthaften Optimierung der Prozesse vom Kunden und Vermittler bis zu den Backend-Systemen der Versicherer kommen“, forderte Stephan Gawarecki, Vorstand der Hypoport AG, dem Mutterhaus der Smart Insurtech, im Rahmen der DKM. Wie stehen Sie zu dieser Aussage und welche konkreten Schritte sind hier erforderlich?

André Männicke: Die Versicherungswirtschaft hat es bisher nicht geschafft, branchenumfassende Standards in hinreichender Breite zu setzen. Doch Standards sind genau das, was Vertriebe und Produktgeber unbedingt brauchen, um nachhaltig effizienter zu arbeiten und sich so für die Zukunft gut aufzustellen. Bisherige Ansätze sind oft auf Einzelbereiche oder Teilprozesse beschränkt. Über unsere Plattform wird dagegen die gesamte Wertschöpfungskette medienbruchfrei verbunden.

Um echten Mehrwert für Vertriebe und Versicherer zu bieten, ist der Dialog zwischen allen Marktteilnehmern essentiell. Wir sprechen kontinuierlich mit unseren Kunden und Interessenten, erarbeiten Schnittstellen und binden so immer mehr Marktteilnehmer und Produkte an die Plattform an. Das positive Feedback unserer Kunden aus allen Bereichen der Versicherungswirtschaft bestärkt uns darin, diesen Weg konsequent weiter zu gehen.

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Es heißt, dass von Anwendungen aus dem Ausland nur 10 Prozent der Codes für den deutschen Versicherungsmarkt nutzbar seien. Ist dem so und wenn ja, inwieweit ist das für Ihr Unternehmen eine Chance? Was machen Sie anders?

Ja, es ist sehr schwierig für ausländische Anbieter, hier in Deutschland Fuß zu fassen. Die Eintrittsbarrieren sind hoch, die Regulierung ist äußerst komplex und die lokalen Marktgegebenheiten, zum Beispiel der Vertriebswegemix, sind sehr spezifisch. Dennoch ist die Angst vor einem Markteintritt von Riesen wie Google oder Amazon groß. Realistisch ist ein solches Szenario wohl zunächst an der B2C-Schnittstelle, also im Privatkundengeschäft, zu erwarten. Deshalb müssen wir die Chance nutzen, im gewerblichen B2B-Bereich starke Lösungen zu entwickeln. Insofern erleben wir derzeit auch eine hohe Bereitschaft, sich mit unseren Lösungen zu befassen. Im Dialog können wir zeigen, dass wir die Branche und ihre spezifischen Gegebenheiten in Deutschland extrem gut kennen. Unter der Dachmarke Smart Insurtech haben wir zahlreiche renommierte IT-Anbieter versammelt, die modernste und vollständig integrierte Lösungen garantieren.

Im Unterschied gerade zu den großen außereuropäischen Anbietern verstehen wir uns dabei nicht als disruptiver Angreifer, der die Existenz von Vermittlern und Produktgebern bedroht. Im Gegenteil: Wir sind supportiv und stärken die Branche im Kern.

Als Makler solle man sich besser kein eigenes Maklerverwaltungsprogram (MVP) zulegen, sagten Sie kürzlich. Können Sie das näher erläutern?

Wichtig bei der Auswahl von IT-Unterstützung ist, sich damit nicht auf eine Insel zu begeben, die vielleicht auf den ersten Blick ganz schön ist, die einen auf Dauer aber zu sehr isoliert und von der man nicht mehr wegkommt. Derartige Insellösungen haben keine Zukunft am Markt, davon sind wir überzeugt und das zeigt sich auch in anderen Branchen. Wir arbeiten an standardisierten Schnittstellen in zentralen Beratungs- und Verwaltungsprozessen – mit dem Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette enger zu verknüpfen und somit Räume für Individualität in den eigentlichen Kerndomänen der Partner zu schaffen. Nur so können sowohl Vertriebe als auch Versicherer langfristig Kosten für IT-Infrastruktur einsparen und sich auf die Beratung beziehungsweise Produktentwicklung konzentrieren.

Welche Herausforderungen müssen Sie als Betreiber einer webbasierten Versicherungsplattform zur Verwaltung und Beratung von Versicherungs- und Vorsorgeverträge derzeit vor allem noch bewältigen?

Eine große Herausforderung sind die zum Teil historischen IT-Systeme auf Seiten der Versicherer. In manchen Häusern sind die Komponenten so alt, dass wir in einem ersten Schritt Zwischen-Lösungen entwickeln müssen, bevor wir die Systeme in medienbruchfreie Prozessketten einbetten können.

Auf Seiten der Vertriebe müssen wir erklären, welche Vorteile – unter anderem beim mobilen Datenzugriff und bei der Prozessintegration – eine Plattformlösung bietet. An der Kreditplattform Europace, ebenfalls aus dem Hause Hypoport, sind die Vorteile seit Jahren erkennbar: Ein großer Teil des stetigen Wachstums beruht darauf, dass die angebundenen Vermittler produktiver sind als der Marktdurchschnitt und erhebliche Kosteneinsparungen realisieren.

Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesteckt?

Plattformlösungen geben der Versicherungsbranche die Möglichkeit, sich vom Digitalisierungs- und Kostendruck zu befreien. Welche technischen Funktionen wir in zehn Jahren abbilden werden, können wir jetzt noch nicht voraussagen. Wir orientieren uns immer am Bedarf unserer Kunden und werden auch in zehn Jahren genau die Schnittstellen und Dienstleistungen bauen, die dann benötigt werden.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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