Altersvorsorge

„Ein 40-Jähriger braucht 284.500 Euro für eine auskömmliche Rente“

Will man auch als Rentner später mal gut über die Runden kommen, ist eine private Altersvorsorge Pflicht. Viele Sparer unterschätzen dabei aber gerne, wie viel sie monatlich zurücklegen müssen, weiß Buchautor Norman Argubi. Er illustriert das an einem einfachen Beispiel.
© dpa/picture alliance
Zwei Rentner lassen am Strand des Seebades Ahlbeck auf der Insel Usedom einen Drachen steigen: Wer sich später mal noch etwas leisten will, muss privat fürs Alter vorsorgen.

Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch „33 Geheimnisse, die Ihnen Ihre Bank zum Thema Geldanlage nicht verrät“ von Norman Argubi. In den kommenden Wochen werden wir hier noch weitere Kapitel dieses Buches für Sie zusammenfassen. Wie Sie das Buch erhalten, erfahren Sie am Ende des Artikels.

Die Altersvorsorge in Deutschland ist ein extrem sensibles Thema. Es bewegt die Menschen wie kaum ein anderes. Berichtet eine Zeitung hierüber, kann man im Netz häufig beobachten, dass es schnell eine Vielzahl an Kommentaren gibt.

Neben dem berühmten Satz von Norbert Blüm („Die Rente ist sicher“) gibt es viele Stilblüten, Meinungen und Vorurteile, von denen die wenigsten korrekt sind. Erinnern Sie sich noch an die Diskussion, ob man die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht senken müsse, weil diese so hohe Überschüsse erwirtschaftet habe?

Die Überschüsse betrugen Ende 2012 knapp 30 Milliarden Euro, was gerade mal 1,69 Monatsbeiträge ergibt. Wenn Sie als Privatperson nur noch für die nächsten sieben Wochen Geld hätten, würden Sie dann überlegen, wie man das viele Geld ausgeben könnte? Oder würden Sie nicht eher dazu tendieren, die Reserve weiter zu erhöhen?

Werbung

Zur gleichen Zeit erhält die Deutsche Rentenversicherung aus Steuermitteln einen Zuschuss von knapp 80 Milliarden Euro. Das bedeutet, objektiv betrachtet gibt es gar keine Überschüsse, sondern das deutsche Rentensystem macht jährlich 50 Milliarden Euro Verlust − Jahr für Jahr mit dem Geld der Steuerzahler subventioniert.

Dabei ist zu beachten, dass dies alle Bürger zahlen, also auch diejenigen, die als Selbstständige, Beamte oder Freiberufler selbst gar keine Leistungen aus der gesetzlichen Rente zu erwarten haben. Und sogar Rentner zahlen heute häufig Steuern und subventionieren so ihre eigene Rente mit.

Das Hauptproblem des deutschen Rentensystems ist die Demographie. Als Bismarck die Struktur erfand, die heute noch gilt, mussten rund zwölf Arbeitnehmer für einen Rentner zahlen. Heute bleiben nur noch etwa drei Arbeitnehmer übrig, die sich diese Leistung teilen müssen. Kritiker behaupten nun, dass dies keinen Einfluss habe, weil auch die Produktivität in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen sei. Das ist sicher richtig, reicht aber leider noch nicht als Erklärung.

Hinzu kommt, dass noch 1950 der durchschnittliche Rentner nur sieben Jahre lang Rente bezogen hat, bevor er starb. Heute kann ein Rentner über 18 Jahre seine Rente genießen. Das ist fast dreimal so lang. Aber weder wollen wir im Gegenzug die Rentenbeiträge deswegen dritteln, noch gibt es dreimal so viele Menschen, die in die Rentenversicherung einzahlen. Demnach fehlt irgendwo Geld.

Warum viele Studierende ein Fluch für das Rentensystem ist

Es kommen weitere Herausforderungen hinzu: So machten noch vor 40 Jahren nur rund 20 Prozent der Kinder Abitur, heute sind es rund 50 Prozent. Was für den Bildungsstand in diesem Land ein Segen ist, wird für die Rente zum Fluch. Denn viele der Abiturienten studieren auch noch. Das heißt, während früher ein Großteil der Jugendlichen mit 15 oder 16 Jahren in die Ausbildung gegangen ist, beginnt für viele heute erst mit 25 oder 30 Jahren das Arbeitsleben.

Und es ist eine doppelte Belastung. Denn so zahlen die Späteinsteiger 10 bis 15 Jahre weniger für andere ein und auch die eigenen Rentenansprüche wegen der Schulausbildung enden spätestens mit dem 24. Lebensjahr. Jede Ausbildung, die länger dauert, fehlt in der eigenen Rentenhistorie.

Die Kinder fehlen

Der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, hatte die Chance, die Rente neu zu gestalten − und viele Experten rieten ihm damals dazu. Mit dem folgenschweren Satz „Ach was, Kinder kriegen die Leute immer“ beendete Adenauer die Diskussion seinerzeit. Niemand konnte sich vorstellen, dass die durchschnittliche Kinderzahl von über 3 auf heute 1,38 Kinder sinken könnte.

Frühverrentung, Zeiten von Arbeitslosigkeit, geringere Einkünfte wegen eines Studiums oder einer zweiten Ausbildung sind ebenfalls Aspekte, die die Rentenkasse belasten. Genauso wie diejenigen, die kurzfristig oder sogar dauerhaft Sozialhilfe oder Hartz IV beziehen und so ebenfalls nicht in die Rentenkasse einzahlen. Ob man das nun gut oder schlecht findet, ist eine andere Frage. Fakt ist, es belastet die Kasse der gesetzlichen Rentenversicherung.

„Wie will ich später mal leben?“

Das Thema Altersvorsorge wird somit mehr und mehr zu einer persönlichen Frage. Sie müssen für sich selbst beantworten, wie Sie später leben möchten − und hierfür aktiv Vorsorge betreiben. Sie sollten sich genau ausrechnen lassen, wie hoch der Bedarf ist, welche Anwartschaften Sie heute bereits haben und vor allem, wie sich der Bedarf inklusive einer kalkulierten Inflation bis zum Renteneintritt aufbaut. Dabei sollten Sie nicht vergessen, die Inflation auch nach dem Renteneintritt in die Kalkulation einfließen zu lassen. Ein guter Finanzberater hilft Ihnen hierbei.

Nur als Anhaltspunkt soll hier ein Beispiel genannt werden: Ein 40-Jähriger verdient 3.000 Euro netto monatlich und hat laut Bescheid der Rentenkasse einen Anspruch von 1.600 Euro Rente. Hinzu kommt eine kleine Betriebsrente von 250 Euro monatlich. Er kalkuliert, dass er später mit 2.500 Euro auskommen kann, somit ergibt sich ein Fehlbetrag von „nur“ 650 Euro.

Die Inflation erhöht die Lücke

Mit einer angenommenen Inflation von 2 Prozent bedeutet dass, dass die 650 Euro sich mit 67 Jahren schon auf 1.109 Euro summieren. Da die Inflation mit 67 Jahren nicht aufhören wird, sondern eher verstärkt weitergeht, bräuchte er im Alter von 90 Jahren bereits einen Betrag von 1.749 Euro, um den Gegenwert von heutigen 650 Euro zu erhalten. Im Durchschnitt benötigt er also 1.428 Euro, um seine Versorgungslücke zu schließen.

Wie viel Kapital benötigt er nun mit 67 Jahren, um das auch umsetzen und richtig ausfinanzieren zu können? Das liegt natürlich auch an den Zinsen, die er ab heute für das Ansparen und später während der Rentenzeit bekommt. Geht man von 3 Prozent Ertrag während der Rentenzeit aus, benötigt er ein Kapital von 284.500 Euro.

Um dieses Kapital aufzubauen, muss der Anleger selbst bei einer angenommenen Verzinsung von 5 Prozent nach Steuern und Gebühren jeden Monat immerhin 416 Euro sparen. Dabei bedeuten 5 Prozent nach Steuern und Gebühren einen Anlagezins von über 7 Prozent. Setzt unser Angestellter hier lieber auf die Sicherheit einer deutschen Lebensversicherung, so benötigt er aufgrund der geringeren Verzinsung für das gleiche Ergebnis eine monatliche Sparrate von 570 Euro. Sicherheit muss man sich eben leisten können.

Über das Buch und den Autoren

Norman Argubi ist Vorstand der finanz-center AG, Jahrgang 1966, Volljurist und seit 27 Jahren unabhängiger Finanzberater und Anlageexperte; Finanzwirt und Master of Financial Consulting bbw. Außerdem ist er einer von 35 von der IHK zertifizierten Mental-Coaches.

Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch „33 Geheimnisse, die Ihnen Ihre Bank zum Thema Geldanlage nicht verrät“ von Norman Argubi. Das Buch erhalten Sie in allen üblichen Online-Shops, in Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Autoren unter www.33geheimnisse.de. Nur dort erhalten Sie auch ein handsigniertes Exemplar.

Mehr zum Thema

„Strategische Vorgaben im Vertrieb sind viel schlimmer als Provisionen“

Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus dem Buch „33 Geheimnisse, die…

„Schafft den Garantiezwang in der betrieblichen Altersvorsorge ab“

Die Altersvorsorge und die damit verbundenen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben ein Dauerbrenner. „Es fehlt…

„Steigende Rentenbeiträge würden Arbeitsplätze gefährden“

Die Forderungen nach einem höheren Rentenniveau seien unbezahlbar, sagt Rainer Dulger, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall,…

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia