Immer weniger junge Menschen in Deutschland sorgen für ihr Alter vor – lediglich ein Drittel der 17- bis 27-Jährigen legt regelmäßig Geld für die Rentenzeit zur Seite. Rechnet man die Jungen dazu, die ab und zu etwas für ihre Altersvorsorge sparen, sind es 48 Prozent. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 55 Prozent (siehe Grafik). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen 2019“, die zum vierten Mal vom Versorgungswerk Metall Rente in Auftrag gegeben und am Montag vorgestellt wurde.
Für die Studie werden im Abstand von drei Jahren rund 2.500 junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 27 Jahren zu ihren Vorstellungen für die persönliche Zukunft, zu ihrem Sparverhalten, ihren finanziellen Kenntnissen sowie zu ihren Einstellungen und Strategien zur Altersvorsorge befragt. Die Untersuchung wird vom Forschungsunternehmen Kantar Public durchgeführt.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie finden Sie in grafisch aufbereiteter Form in unserer Bilderstrecke.

Besonders Vollzeitbeschäftigte sparen weniger fürs Alter als noch vor neun Jahren, stellen die Autoren fest. Die Altersvorsorgesparer-Quote lag bei ihnen im Jahr 2010 noch bei 76 Prozent. Sie ist auf 62 Prozent im Jahr 2019 gesunken.
Und: Gut zwei Drittel der jungen Generation sorgen sich um ihr Auskommen im Alter. 68 Prozent haben Angst davor, nur eine geringe Rente zu bekommen und in Altersarmut zu fallen.

84 Prozent der 17- bis 27-Jährigen in Deutschland stimmten der Aussage zu, dass es auch in Zukunft „eine gute Rente“ geben könne, wenn der Staat dies wirklich wolle. 2010 waren 74 Prozent dieser Auffassung.

56 Prozent der Jugendlichen – die zwar sparen, aber nicht fürs Alter – sind sogar der Überzeugung, dass der Staat für die Altersvorsorge zuständig ist. Ein kompletter Transfer der Verantwortung für die Alterssicherung auf den Einzelnen finde so gut wie keine Akzeptanz, schlussfolgern die Autoren.
„Die Rentenpolitik muss sich gleichermaßen an den Bedürfnissen der älteren und der jüngeren Generation ausrichten. Geschieht das nicht, sind die jungen Leute nicht nur eindeutig von Altersarmut bedroht, sondern ihr Vertrauen in die Politik wird gefährdet“, warnen die wissenschaftlichen Leiter der Untersuchung Klaus Hurrelmann und Christian Traxler von der Hertie School of Governance in Berlin.

Der Geschäftsführer des Versorgungswerks Metall Rente, Heribert Karch, hält die aktuellen Ergebnisse für alarmierend. In einer Mitteilung der Metall Rente weist er darauf hin, dass junge Menschen mit ihrer durchaus vorhandenen Sparbereitschaft an Grenzen stoßen würden.
„Niedrige Einkommen und befristete Arbeitsverhältnisse erschweren es jungen Leuten heute, regelmäßig für ihr Alter zu sparen und systematische Vorsorge zu betreiben“, so Karch.

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht besonders die jungen Frauen gefährdet: Während knapp drei Viertel der jungen Frauen davon ausgehen, in der Lebensphase mit kleinen Kindern in Teilzeit berufstätig zu sein, erwarten das für sich nur vier von zehn jungen Männern. Auch investieren junge Männer mit 35 Prozent deutlich häufiger in Aktien und Investmentfonds als Frauen mit 18 Prozent.

Handlungsdruck und Unsicherheit werden, so zeigt die Studie, nicht nur durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der jungen Erwachsenen bestimmt, sondern durch die Erkenntnis, über zu wenig Wissen zu verfügen. Nur weniger als ein Drittel der Befragten kennt sich in diesem Bereich aus.
Gleichzeitig wünschen sich 92 Prozent verständlichere Informationen zum Thema Altersvorsorge. 87 Prozent wollen in der Schule auch über Altersvorsorge informiert werden. 93 Prozent der jungen Erwachsenen wollen ein Online-Portal, in dem sie zu sämtlichen erreichten Ansprüchen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge Informationen finden.

Der Ökonom Christian Traxler stellt fest: „Die Metall-Rente-Studie 2019 zeichnet ein zwiespältiges Bild. Einerseits betont mittlerweile jeder zweite junge Erwachsene, im ‚Hier und Heute‘ zu leben und der Anteil derjenigen, die die Altersvorsorge als Grund zum Sparen angeben, sinkt. Andererseits gibt es ein klares Problembewusstsein.“
Ein Hinweis darauf: 85 Prozent der befragten jungen Erwachsenen rechnen damit, noch weit über ihr 67. Lebensjahr arbeiten zu müssen. 86 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ohne eine eigenständige Vorsorge künftig deutlich mehr Menschen von Altersarmut betroffen sind und 68 Prozent fürchten, im Alter selbst arm zu sein.
