Rechtsstreit

Gewerberechtsschutzpolicen können Unternehmer vor hohen Kosten schützen

Ob wegen einer Kündigung oder bei Steuerangelegenheiten – Unternehmer müssen manchmal vor Gericht. Und das kann ganz schön teuer werden. Eine Gewerberechtsschutzpolice kann hohe Kosten abfedern.
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© Prostooleh / Freepik.com
Einem Mitarbeiter wird gekündigt? Das führt immer wieder zum Streit, der vor Gericht ausgefochten werden muss.

Es kann jeden treffen. Als Unternehmer oder Firma hat man jeden Tag mit Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, Behörden und Co. zu tun. Und bei jeder Interaktion besteht das Risiko eines Streits, beobachtet Kai Becker: „Typische Beispiele dafür sind arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern, verwaltungsrechtliche Konflikte rund um die Gewerbeerlaubnis oder Öffnungszeiten sowie behördliche Auflagen und Streitigkeiten mit dem Finanzamt“, sagt der Businessmanager Gewerbe bei Roland Rechtsschutz. Aber auch mit jedem Kilometer auf der Straße wachse das Risiko, in einen Unfall und damit in eine rechtliche Auseinandersetzung verwickelt zu werden.

Und das kostet. Die Gebühren und Honorare für Anwalt, Gericht und gegebenenfalls Gutachter können schnell in die Tausende gehen. Das hat nicht jede Firma mal eben auf der hohen Kante. Abhilfe kann hier eine Gewerberechtsschutzversicherung schaffen. Mit ihr erspart sich der Unternehmer zwar nicht die Auseinandersetzung vor Gericht, sehr wohl aber Zeit und Geld. Denn sie hilft unter anderem dabei, einen geeigneten Rechtsanwalt zu finden, übernimmt die Gerichtskosten und hilft, auch unberechtigte Ansprüche gegen den Betrieb abzuwehren.

„Grundsätzlich eignet sich eine Gewerberechtsschutzversicherung für jeden Firmenkunden“, meint Payam Rezvanian, Geschäftsführer der Gewerbeversicherungsplattform Finanzchef24. „Vielleicht benötigt nicht jeder einen vollumfänglichen Rechtsschutz, aber Absicherungen für den steuer-, verkehrs- oder immobilienrechtlichen Bereich sind in unterschiedlichen Ausprägungen für jedes Unternehmen geeignet.“ Rezvanian empfiehlt, den Bedarf genau zu analysieren, damit man sich später nicht ärgern muss, wenn man an der falschen Stelle gespart hat. Gerade bei kleineren Unternehmen hänge das Ausmaß des Schutzes oft vom Preis ab.

Das Produkt lässt sich dabei recht leicht auf den eigenen Bedarf zuschneiden, denn der Gewerberechtsschutz ist modular aufgebaut. Das Angebot reicht vom gewerblichen Verkehrs- und Immobilienrechtsschutz über den Strafrechtsschutz bis hin zu einer Absicherung bei Vertrags- und Arbeitsrechtsstreitigkeiten. Aber es gibt Leistungsbausteine, die sich quasi für jedes Unternehmen lohnen, weil sich hier einfach die meisten Konflikte entzünden. „Knapp ein Drittel aller Streitereien findet rund um das Thema Straßenverkehr und Mobilität statt. Ebenfalls häufig sind Auseinandersetzungen im Arbeitsumfeld“, sagt Matthias Maslaton, Vorstandsmitglied Vertrieb, Produkt und Innovation bei der Arag. Diese Bausteine sollten Unternehmer also bei ihrer Absicherung bevorzugen.

Deutliche Unterschiede beim Schutz

Maslatons Kollegin, Patricia Körner, die bei der Arag Hauptabteilungsleiterin für das Produktmanagement ist, gibt dabei aber einen Tipp – nämlich: vergleichen! „Denn selbst wenn Policen die gleichen Gebiete umfassen, kann sich der Schutz im Einzelnen deutlich unterscheiden“, sagt die Produkt-Expertin. „Ein Unternehmen sollte genau überlegen, was es wirklich braucht. Zusatzleistungen wie Anwaltshotline, Vertrags-Check, Prüfung von Websites oder Downloads von Vertragsvorlagen können für kleine Unternehmen sehr sinnvoll sein. Wer eine eigene Rechtsabteilung hat, kann sich die Kosten aber vermutlich für viele Bereiche sparen.“

Tendenziell unterschätzt werden dabei Risiken im Strafrecht, findet Roland-Manager Kai Becker. Beispiele für Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren sind etwa Sozialversicherungsbetrug oder Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). „Hierbei ist ein Verdacht bereits ausreichend. Das heißt, auch wenn Unternehmer alles richtig machen, benötigen sie eine professionelle Strafverteidigung, und die Kosten können hier schnell im fünf- und sogar sechsstelligen Bereich liegen“, warnt Becker. Und der Geschäftskunde bleibe auch auf den Kosten sitzen, wenn das Verfahren eingestellt werde. Hier helfe dann nur eine Strafrechtsschutzversicherung, um insbesondere Kleinbetriebe und Mittelständler vor den teils existenzbedrohenden Kosten zu schützen.

 

Auch im Arbeitsrecht lauert eine Stolperfalle, sagt Arag-Vorstand Maslaton. Nämlich die, „dass in der ersten Instanz immer beide Parteien ihre Kosten selbst tragen – auch wenn sie gewinnen. Daher ist gerade hier eine Rechtsschutzversicherung besonders wichtig“, so der Arag-Manager. Gefahr lauert auch bei der Nichteinhaltung von Verträgen. „Unbezahlte, schon erbrachte Leistungen, aber auch ungerechtfertigte Forderungen an die Firma sind nicht nur belastend, sondern bringen langfristig aufgestellte Kalkulationen durcheinander“, sagt Patricia Körner.

So könnten die Liquidität und der flüssige Ablauf der Unternehmensaktivitäten gefährdet sein. Daher sei es besonders wichtig, in solchen Situationen sein Recht einzufordern. Körner: „Hierbei unterstützt der zusätzliche Baustein Firmenvertragsrechtsschutz, Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. Voraussetzung ist üblicherweise ein Mindeststreitwert von in der Regel 300 Euro.“

Unbegrenzte Versicherungssumme wählen

Hat sich ein Unternehmer also für die passenden Rechtsschutz-Bausteine entschieden, geht es an die Wahl der Höhe der Versicherungssumme. Nach oben ist oft alles offen, viele Versicherer bieten eine unbegrenzte Versicherungssumme an. Wer sich das leisten kann und will, fährt damit sicherlich gut. Als Mindestsumme sollten 500.000 Euro nicht unterschritten werden.

Aufpassen ist auch beim Thema Karenz- und Wartezeiten angebracht. Ein frisch unterzeichneter Vertrag muss oft erst mal drei bis sechs Monate in der Schublade liegen, bevor Unternehmer Ansprüche geltend machen können. Den Vertrag also lieber früher als später abschließen. Auf der sicheren Seite ist dabei, wer sich bei einer anbahnenden Streitigkeit erst mal die Deckungszusage seines Versicherers einholt. So kann man für Gewissheit sorgen, ob die Versicherung im konkreten Fall die Leistung übernimmt.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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