Es war ein nachdenklicher Frank Grund, den das Fachpublikum am Dienstag auf dem Euroforum-Haftpflichtkongress in Hamburg erlebte. Der Exekutivdirektor für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der Bafin sprach in seiner Keynote-Rede zum Thema „Cyber-Risiken: Die Sicht der Aufsicht“.
„Leider wird der Gegner immer besser“
Und die Sicht der Aufsicht lässt sich in etwa so zusammenfassen: Liebe Versicherer, schaut bitte ganz genau hin, welche Risiken ihr da zeichnen wollt. „Ich glaube schon, dass das Cyberrisiko an sich, nicht so richtig kontrollierbar ist“, gab Grund angesichts stetig wachsender IT-Vorfälle infolge von Cyberkriminalität zu bedenken.
„Leider wird der Gegner immer besser“, konstatierte der Aufseher mit besorgter Miene. „Das wird tendenziell eher zu Ausschlüssen führen. Ob denn die Cyberpolice das Risiko eins zu eins abdecken kann – da habe ich meine Zweifel“, so die Einschätzung Grunds zur aktuellen Situation in der Cyberversicherung.
Mit den Worten „Wir wissen zu wenig, was wirklich passiert“, rief er die Versicherungswirtschaft zu einer vorsichtigen Gangart im Vertrieb von Cyberpolicen auf. Die Unternehmen sollten „sorgsam aussuchen“, was sie da versicherten. „Zeichnen Sie Cyber vorsichtig“, so der Aufseher wörtlich. Es gehe darum, Kumulrisiken nicht zu unterschätzen, sagte Grund und zog einen bildhaften Vergleich heran: Während Naturkatastrophen nicht überall auf der Welt gleichzeitig auftreten würden, könnten Cyber-Attacken gewissermaßen alles und jeden zu jeder Zeit treffen.
Danach gefragt, welche Absatzentwicklung Grund in diesem vergleichsweise jungen Markt für wünschenswert hält, entgegnete er, dass er auf eine „sukzessive“ und keine „sprunghafte“ Entwicklung hoffe. Prognosen, die zweistellige Wachstumsraten vorsehen, seien ungerechtfertigt.
Außerdem bekräftigte Grund: „Wir als Bafin haben den Anspruch und den Ansporn uns in Deutschland ein eigenes Bild vom Markt für Cyberversicherungen zu machen.“ 2020 wolle man den Markt schwerpunktmäßig untersuchen, kündigte der Versicherungsaufseher an.
Weitere Experten-Meinungen, Eindrücke und Stimmungen vom Euroforum-Haftpflichtkongress gibt es auf den nachfolgenden Seiten.

Foto: Euroforum Deutschland
„Wir müssen Werte vermitteln“, sagte Frank Harting, Vorstand bei HDI Global SE (dritter von rechts). Aus Sicht von Harting gehört das Personal zu einer der größten Schlüsselfaktoren, um das Vertrauen der Haftpflicht-Kunden auch in Zukunft zu behalten.
Im Hinblick auf die Debatte, ob die Prämien in der industriellen Haftpflichtversicherung deutlich erhöht werden müsste, betonte Harting, dass die Versicherer „einen angemessenen Preis für das Risiko“ benötigten.

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Sebastian Vogel, Head of Liability & Financial Lines beim Flugzeugbauer Airbus, appellierte an die Branche, dass sich mehr Versicherer als bislang zutrauen sollten, „internationale und große Programme zu zeichnen und Innovationen zu unterstützen“.
Als die Frage in der anschließenden Diskussionsrunde aufkam, ob Airbus auch ohne Versicherungsschutz arbeiten könnte, reagierte Vogel ausweichend und betonte lieber die gute Zusammenarbeit mit der Branche.
Doch das Thema kommt nicht so schnell vom Tisch: Da es in der Industrie-Haftpflichtversicherung in manchen Segmenten, wie etwa dem Pharma-Bereich, kaum Wettbewerber gibt, sehen sich manche Großunternehmen gezwungen, ihren Versicherungsschutz intern zu organisieren.

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Stefan Segger, Geschäftsführer der Segger Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, ging in seinem Vortrag auf den Megatrend „Big Data und Künstliche Intelligenz bei Versicherern“ ein und nahm dabei speziell die Perspektive der Versicherungsaufsicht ein.
Der KI-Experte erklärte, dass die Finanzaufsicht Bafin bislang noch keine Antworten auf das Thema gefunden habe. „Die Aufsicht über Algorithmen ist bislang noch nicht geklärt“, sagte Segger, der allerdings davon ausgeht, dass man im Februar 2020 „Konkretisierungen“ seitens der Bafin sehen werde.
Klar sei aber schon jetzt: Es soll auch künftig keine Abwälzung von Verantwortung durch Menschen auf Maschinen geben. Dabei kam der Jurist auch darauf zu sprechen, dass es in Zukunft maschinelle Standards für den Einsatz von Algorithmen geben müsse, um beispielsweise eine Diskriminierung von Kunden zu verhindern. Hierbei sei eine formale Zertifizierung von Algorithmen als „Vorab-Kontrolle“ durch die Bafin denkbar.
Dies sei „die Stunde der Aktuare“ kündigte Segger an, weil das Know-how der Versicherungsmathematiker bei der Entwicklung von versicherungsrelevanten Algorithmen stark gefragt sein werde.

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