Der Markt für Gewerbeversicherungen wird derzeit von vielen externen Faktoren beeinflusst und befindet sich deutlich im Umbruch. Zu diesen Faktoren gehören vor allem die Digitalisierung, die Disruption der Wirtschaft und der Klimawandel. Das hat der erste Gewerbeversicherungsreport des Insurtechs Finanzchef 24 aus dem vergangenen Herbst offenbart.
Einen großen Trend sieht Finanzchef 24 zum Beispiel in der Hybridisierung der Berufswelt, also dem Nebeneinander von offline und online. „Im Maschinenbau geht es bereits heute eher um Software denn um Maschinen. Auch für den Messebau bedeutet die Messe nicht mehr nur den analogen Stand, der Messebauer verwirklicht heute Messestände immer öfter zugleich digital“, sagt Tobias Wenhart, Co-Geschäftsführer des Insurtechs.
Diese Hybridisierung erstrecke sich aber nicht nur auf das Nebeneinander von analoger und digitaler Welt, sondern auch auf das Nebeneinander von beruflichen Tätigkeiten. So gebe es gerade bei den Selbstständigen und Kleinstunternehmen immer öfter Handwerker, die gleichzeitig als Maurer, Fliesenleger und Elektriker arbeiteten. „Die Frage lautet längst nicht mehr, welche Versicherungen Kunden verkauft werden können, sondern wie sie arbeiten und welche Gefahren abzusichern sind“, sagt Wenhart. „Die Produkte müssen individueller werden. Versicherern muss es gelingen, kleine Unternehmen, die viele Produkte und Dienstleistungen anbieten, gut abzubilden.“
Angesichts der unübersichtlichen Lage aktuell, der erwarteten Engpässe in den Lieferketten, unvorhersehbarer Auswirkungen der Klimaveränderung und einer zunehmenden Welle von Cyber-Angriffen sollten sich Vermittlerinnen und Vermittler mit ihren Firmenkunden die bestehenden Betriebsversicherungen vornehmen und schauen, ob diese noch in die Zeit passen. Dazu rät die Finanzberatungsgruppe Plansecur.
„Herkömmliche Betriebsversicherungen aus der guten alten Zeit sind für die vor uns liegenden Herausforderungen ungeeignet“, sagt Plansecur-Geschäftsführer Johannes Sczepan. Insbesondere folgende Policen sollte man kritisch durchgehen – oder, so noch nicht vorhanden, prüfen, ob man sich nicht mal eine zulegen sollte: Betriebs- und Produkthaftpflicht, Betriebsunterbrechung, Transport, Warenkredit, Rechtsschutz und Cyber-Versicherung.
Apropos Cyber-Versicherung. Das ist ein weiterer Trend, den die Finanzchef-24-Studie ausmacht: dass Hacker-Angriffe und IT-Probleme die Nachfrage nach diesen Policen beschleunigen könnten. Das beobachtet auch Peter Bertram, Produktmanager Cyber bei der HDI Versicherung: „Das Bewusstsein für die Gefahren wächst zwar nicht zuletzt durch starke Medienpräsenz stetig.“
Trotzdem sieht der Experte hier ein Problem: „Die eigene Risikoeinschätzung, Opfer eines Angriffs werden zu können, ist weiterhin sehr gering bei einer Vielzahl der Unternehmen.“ Dabei gebe es dringenden Handlungsbedarf. Denn: „Mit der wachsenden Abhängigkeit von digitalen Prozessen avanciert eine Betriebsunterbrechung zum existenzbedrohenden Szenario für viele Firmen, aber auch für Freiberufler.“
Für Vermittlerinnen und Vermittler ist daher wichtig, den Unternehmen aufzuzeigen, an welchen Stellen eine Cyber-Versicherung unterstützt. „Dabei geht es nicht primär um einen finanziellen Ausgleich, sondern vielmehr um ein Gesamtkonzept, welches zusätzlich präventive Maßnahmen und ein umfassendes Krisenmanagement in Form eines Dienstleisternetzwerkes bereithält“, erklärt Bertram. Ab dem Moment, in dem ein Unternehmen erkennt, dass es Opfer eines Cyber-Vorfalls geworden ist, spiele Zeit nämlich eine wesentliche Rolle.
„Durch schnelles Erkennen, Eingreifen, Minimieren und Beheben der Bedrohungslage werden die Auswirkungen auf das Unternehmen begrenzt und beherrschbar“, sagt Bertram. Dafür seien unterschiedlichste Leistungen notwendig. Angefangen bei forensischen Untersuchungen über das Wiederherstellen von Daten und IT-Systemen bis hin zu rechtlicher und PR-Beratung. Bertram: „Ein gutes Krisenmanagement erkennt, welche Leistungen im individuellen Fall benötigt werden, hat Zugriff auf ein umfassendes Netzwerk zur Bereitstellung und koordiniert die Maßnahmen im Gesamtkontext.“
Und noch einen Trend gibt es bei Produkten im Gewerbebereich. Im Zuge der Klimadebatte rücken dem Finanzchef-24-Report zufolge auch grüne Gewerbeversicherungen immer mehr ins Blickfeld von Kunden und Anbietern. So zahlen erste Versicherer bei grünen Produkten im Schadenfall bereits bis zu 20 Prozent mehr, wenn im Gegenzug ökologische Materialien verbaut oder nachhaltig wirtschaftende Firmen beauftragt werden. Andere Anbieter wiederum sichern Betriebe speziell ab, die auf Photovoltaik oder Geothermie setzen.
Fazit: Im Sachversicherungsbereich für Gewerbekunden ist aktuell viel Bewegung. Vermittlerinnen und Vermittler, die ihre Kunden auf die sich ändernden Risiken aufmerksam machen und bei der Risikoabdeckung begleiten, machen sich zu wichtigen, ja gar unverzichtbaren Partnern der Unternehmen.
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