Das Inventar richtig absichern

Wie Inhaltsversicherungen die Existenz von Betrieben schützt

Die Betriebsinhaltsversicherung ist quasi die Hausratversicherung für Gewerbetreibende. Wo die Gefahren lauern und worauf beim Kauf zu achten ist, erfahren Sie hier.
© (c) dpa - Report
Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen in einem brennenden Reifenlager in Berlin.

Gegen 18.45 Uhr geht der Notruf im Polizeipräsidium ein. Ein Zeuge hat dichte Rauchwolken und bis zu 30 Meter hohe Flammen aus einer Lagerhalle gen Himmel schlagen sehen – rund 16.000 Reifen befinden sich im lichterloh brennenden Reifenlager. Die Löscharbeiten im unterfränkischen Elsenfeld dauern bis in die Nacht. Verletzt wird laut Polizei niemand. Doch der Sachschaden geht in die Millionen: Halle, sämtliche Reifen und Arbeitsgeräte, wie etwa Gabelstapler, wurden zerstört, wie der Bayerische Rundfunk im November 2018 berichtete.

Mehr zum Thema

Makler wünschen vermehrt digitale Unterstützung

Firmenkunden schätzen persönliche Beratung Das Firmenkundengeschäft bietet jedoch durchaus Potenzial. Kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU)…

„Dann gleicht ein Schadenfall einem Würfelspiel“

Stille Cyber-Exponierung ist keine bewusste Taktik von Versicherern, um sich aus der Verantwortung zu…

Werden Schulungen zur Gewerbeversicherung überhaupt anerkannt?

Was erwartet die entsprechenden Vermittler, die sich zu Betriebshaftlicht, Betriebsunterbrechungsversicherung, Inhaltsversicherung, gewerbliche Gebäudeversicherung, Maschinenversicherungen &…

Bleibt zu hoffen, dass der Besitzer des Reifenlagers gut versichert war – zum Beispiel mit einer Betriebsinhaltsversicherung. In der Branche kursieren hierfür auch die Bezeichnungen Inventarversicherung, Geschäftsinhaltsversicherung, Praxisinhaltsversicherung oder Firmeninhaltsversicherung – gemeint ist immer das Gleiche. „Wie die Hausratversicherung die Gegenstände des privaten Haushaltes absichert, sichert die Inhaltsversicherung entsprechend den betrieblichen Erfordernissen die Gegenstände eines Unternehmens oder einer Praxis gegen Gefahren ab“, sagt Versicherungsmakler Ralf Kirchhoff.

Dabei sind die potenziellen Zerstörungsquellen, die vom Schutz gedeckt sind, breit gefächert: Feuer, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl mit Vandalismus, Sturm/Hagel, sogenannte unbenannte Gefahren oder Naturgefahren wie Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und ja, theoretisch auch das: Vulkanausbruch.

Stark abhängig von der Betriebsart

„Eine Inhaltsversicherung ist insbesondere für Gewerbetreibende und Freiberufler empfehlenswert, die ein Anlage- und Umlaufvermögen besitzen, dass im Schadenfall nicht mit eigenen finanziellen Mitteln ersetzt werden kann oder soll“, erläutert Makler Kirchhoff.

Während sich bei Verbrauchern sowohl die zu versichernden Werte als auch die Schadenmeldungen ähneln, ist die Wahl der optimalen Betriebsinhaltsversicherung sehr stark von der Betriebsart abhängig. „Ein Juwelier möchte seine lagernden Werte in sicheren Händen wissen, während ein Handwerksbetrieb auf funktionierende Maschinen angewiesen ist“, sagt Rainer Brand, Vorstand Produkte und Betrieb des Kieler Assekuradeurs Domcura. „Darüber hinaus wird der Geschäftsführer des herstellenden Betriebs sich eher gegen Feuergefahren absichern wollen, der Juwelier sorgt sich währenddessen um die Einbruchsicherheit.“

Entschädigung bei Ertragsausfall

Gleichwohl gibt es Risiken, die unabhängig von der gewählten Branche auftreten können. „Zum Beispiel könnten bei einem Leitungswasserschaden elektronische Geräte und Büromöbel derart beschädigt werden, dass der Betrieb kurzfristig schließen muss“, sagt Armin Molla, Vertriebsvorstand des digitalen Gewerbeversicherers Mailo, der seit März 2019 im hiesigen Markt für Furore sorgen will. „Mit einer Betriebsinhaltsversicherung werden die Kosten für eine Neubeschaffung der elektronischen Geräte und Möbel übernommen.

Zusätzlich wird bei einer Unterbrechung des Geschäftsbetriebs eine Entschädigung für den erlittenen Ertragsausfall gezahlt“, legt Molla den Nutzen des Absicherungskonzepts von Mailo dar. Dies besteht aus einer Grunddeckung – enthalten ist darin die Absicherung gegen Zerstörung durch Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel und Einbruchdiebstahl. Hinzu kommen folgende optionale Bausteine: Elementar, Extended Coverage, Glasbruch, Transportgefahren, Elektronik und, wie erwähnt, Ertragsausfall.

Damit macht Molla zugleich deutlich, dass eine Inhaltsdeckung Hand in Hand geht mit einer Absicherung der aus dem Schadenfall resultierenden Ertragsausfälle. „Bei vielen Selbstständigen und Freiberuflern ist die Kombination einer Inhaltsversicherung mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung anzuraten“, sagt auch Makler Kirchhoff. „Sollte beispielsweise nach einem Schaden die betriebliche Produktion oder die berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden können, werden beispielsweise neben der Miete auch die laufenden Kosten für Mitarbeiter, Versicherungen, Tilgung, Zins, entgangener Gewinn und weitere Kosten durch die Versicherung erstattet.“

Doch all dies geschieht natürlich nur dann zur vollen Zufriedenheit des Geschädigten, wenn auch das jeweilige Bedingungswerk der Police entsprechend solide gebaut ist. So warnt Domcura-Manager Brand vor „Pauschalangeboten“, wie der „kleiner Betriebsunterbrechungsversicherung“, die den tatsächlichen Bedürfnissen im Ernstfall häufig nicht gerecht würden. „So hat man zwar die eigenen Maschinen vor Augen und versteht, dass nach einem Sachschaden bis zur Wiederherstellung der kaufmännischen und technischen Betriebsbereitschaft fortlaufende Kosten und entgehende Betriebsgewinne drohen“, so Brand. „Weniger offensichtlich ist hingegen die Abhängigkeit von zuliefernden Betrieben. Wissen die Versicherungsnehmer, dass sie sich auch gegen Ausfälle in der Lieferkette absichern können?“, gibt der Manager zu bedenken.

Grundbausteine ändern sich kaum

Damit skizziert Brand, wohin die Reise geht: Weil sich die Grundbausteine der Betriebsinhaltsversicherung kaum ändern, suchen einige Marktteilnehmer ihr Heil darin, Deckungs- und Leistungserweiterungen voranzutreiben. „Im besten Fall bilden diese den Kundenbedarf ab und bieten branchenspezifische Lösungen“, schildert Brand. Diese sollten für Kunden, wie auch für Vermittler, klar verständlich sein. „Denn schließlich kann nicht jeder das nötige Wissen für alle Kunden vom Arzt bis zum Zoohändler bündeln“, wie der Manager betont.

Der Philosophie der Einfachheit scheint auch Mailo zu folgen. Das Kölner Start-up bietet seinen Kunden gezielt einen Rundumschutz an. „Deshalb gehört eine Elektronikabsicherung selbstverständlich zu einer Betriebsinhaltsversicherung dazu“, wie Vertriebsvorstand Molla betont. Und da elektronische Geräte immer häufiger auch Cyber-Angriffen ausgesetzt seien, werde man im Juni mit „zielgruppenspezifische Cyber-Lösungen die Produktplalette erweitern“.

Auch Cyber-Schutz kann sinnvoll sein

Einen ähnlichen Weg beschreitet die Domcura mit der Inventarpolice für Ärzte. So fragt der zugrunde liegende Risikoanalysebogen unter anderem auch Risiken ab, die insbesondere gut vernetzte Betriebe treffen könnten. „Hier besteht zum Beispiel die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Cyber-Police gegen Erpressungsversuche durch sogenannte Ransomware, die den Zugang zur eigenen IT sperrt, abzusichern“, schildert Brand und verweist auf entsprechende Vorfälle an einigen deutschen Kliniken seit 2016.

Potenzial für Innovationen sieht Mailo-Vorstand Molla zudem „in der Erklärung und damit in der vereinfachten Darstellung der notwendigen Sicherheitsanforderungen“. Man arbeite daher an modernen Lösungen, die den Maklern auf der einen Seite Zeit sparen und auf der anderen Seite zu mehr Sicherheit in der Beratung und der Haftung verhelfen sollen.

Stichwort Zeit sparen – für Molla ist noch ein weiterer Punkt wichtig: „Bisher konnte keine Betriebsinhaltsversicherung direkt, also in Echtzeit abgeschlossen werden. Mit unserer Lösung bieten wir Maklern diese Absicherung jetzt komplett direkt und in Echtzeit an“, berichtet er. Die gesamte Policierung und alle dazugehörigen Dokumente habe der Makler damit nun ganz verbindlich „in weniger als 10 Sekunden“ nach Abschluss vorliegen.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia