Einfach mal ein bisschen bloggen oder ein Video bei Youtube hochladen – was kann da schon passieren? Viele Menschen, die sich in die sozialen Medien vorwagen, haben keinen Riecher für mögliche Risiken, die ihnen da begegnen können. Dabei ist ein Fehler schnell passiert. In einer Datenbank recherchiert ein Blogger zum Beispiel ein lizenzfreies Foto für einen redaktionellen Beitrag. Monate später erhält er eine Abmahnung: Das Bild darf nicht genutzt werden. Warum? Weil der Beitrag auch werbliche Teile enthält. Der Fotograf fordert nun Schadenersatz in fünfstelliger Höhe. Oder, der Klassiker, Werbung ist nicht als Werbung gekennzeichnet. Auch hier drohen die Abmahnung und Kosten von mehreren Tausend Euro.
Wie schnell auch sehr teure Reputationsschäden entstehen können, darauf weist der digitale Versicherer Andsafe auf seiner Website hin: „Ein Influencer bewirbt das Produkt einer Firma. Allerdings hat ihm die Autokorrektur ein Wort auf sensible Art und Weise verändert. Es kommt zu einer negativen Publicity für das Produkt und die Firma selbst. Deshalb werden Schadenersatzforderungen in Höhe von 120.000 Euro aufgrund des schlechten Influencer-Marketings gestellt.“ Das dürfte bei vielen Influencern, die ja meist junge Leute sind, dann deutlich den Rahmen des finanziell Möglichen sprengen.
„Viele Youtuber, Blogger und Influencer kennen die Gefahren und Fallstricke nicht, denen sie ausgesetzt sind“, warnt daher Armin Molla, IT- und Vertriebsvorstand des digitalen Gewerbeversicherers Mailo, der eine spezielle Police für Blogger anbietet. „Während fast alle Handwerker und Friseure eine Absicherung haben, sind Youtuber, Blogger und Influencer in der Regel nicht versichert.“ Online gebe es dabei „unwahrscheinlich viele rechtliche Dinge, die man genauestens beachten muss“, so Molla weiter. Umso wichtiger sei es, diese Zielgruppe richtig anzusprechen und sie darauf aufmerksam zu machen, sich und ihr Geschäft rundum gut abzusichern.
„Unbedingt empfehlenswert ist eine Haftpflichtversicherung für Vermögensschäden im Falle von Schadenersatzforderungen oder Abmahnungen“, sagt Peter Pillath, Underwriting Manager für das gewerbliche Eigentum bei Hiscox. Auch Hiscox hat, wie Mailo, eine Spezial-Versicherung für Blogger im Angebot – die Berufs- beziehungsweise Vermögensschadenhaftpflicht ist in beiden Policen ein wesentlicher Baustein. Bei Schadenersatzansprüchen prüft der Versicherer dann den Haftungsanspruch, wehrt unberechtigte Ansprüche ab und begleicht bei berechtigten Ansprüchen die Kosten. Bei Mailo kann die Versicherungssumme dabei bis zu einer Million Euro betragen, die Nachhaftung ist zeitlich nicht begrenzt. Bei Hiscox liegt die Versicherungssumme in Normalfall bei bis zu 2 Millionen Euro.
Zusätzlich zu diesem Basisschutz lassen sich die Policen noch um weitere Bausteine ergänzen – etwa um eine Cyber-Versicherung. Pillath: „Blogger, Youtuber und Influencer sind ja in ganz besonders hohem Maße abhängig von ihrer Online-Präsenz. Da kann eine Cyber-Attacke, die womöglich mit Datenverlust oder Lösegeldforderungen einhergeht, schnell existenzbedrohend sein.“
Eine gute Cyber-Police bietet dabei nicht nur finanzielle Absicherung, sondern auch Präventionsangebote, einen Krisenplan und im Fall der Fälle Soforthilfe zum Beispiel durch IT-, Rechts- und PR-Experten. Auch Mailo-Experte Molla stuft eine Cyber-Deckung als „absolutes Muss“ für Blogger, Youtuber und Influencer ein.
Versicherungsmakler Bastian Kunkel, der selbst einen Youtube-Kanal mit mehr als 25.000 Abonnenten betreibt – „Versicherungen mit Kopf“ heißt er – und damit zu den Influencern gehört, empfiehlt noch weitere Policen: „Vor allem als Blogger, Youtuber oder Influencer hat man schnell mal eine Klage am Hals, weil man irgendwelche Kennzeichnungspflichten ignoriert oder vergessen hat. Hier ist dann ein Firmenrechtsschutz sehr praktisch.“
Auch eine Betriebshaftpflichtversicherung sei in vielen Fällen sinnvoll, empfiehlt Hiscox-Manager Pillath. „Sie fängt den Versicherungsnehmer auf, wenn sich jemand durch seinen Fehler verletzt oder Eigentum anderer Schaden nimmt. Also beispielsweise wenn ein Influencer eine teure Drohne kaputt macht.“ Für das eigene hochwertige Equipment – wie typischerweise Laptop, Foto- und Videokamera et cetera – könne außerdem der Abschluss einer Elektronikversicherung ratsam sein.
Wirklich teuer sind die Policen dabei nicht. Bei Hiscox zum Beispiel kann ein Blogger mit einem Jahresumsatz von bis zu 30.000 Euro eine Vermögensschadenhaftpflicht zu einem Nettobetrag ab 150 Euro pro Jahr abschließen. Eine Cyber-Versicherung würde noch mal 125 Euro extra pro Jahr kosten. Bei Mailo startet der Preis für die Versicherungspolice bei rund 15 Euro im Monat, inklusive Versicherungssteuer. Molla: „Also ungefähr so teuer wie drei Latte macchiato.“
Pauschal könne man nur schwer sagen, wie viel Geld diese Zielgruppe für den Versicherungsschutz einplanen sollte, meint Makler Kunkel, „da die Beiträge von vielen Faktoren wie Umsatz, Alter und so weiter abhängen und vom genauen Versicherungsschutz.“ Für die rein gewerblichen Absicherungen sollten Influencer & Co. aber um die 500 bis 1.000 Euro im Jahr einplanen.
Die Betonung auf die „rein gewerblichen Absicherungen“ legt Kunkel dabei bewusst. Denn seiner Ansicht nach liegt die Basisabsicherung eines jeden Selbstständigen woanders: In Gesprächen spiele meist immer nur ein Thema eine Rolle, meint er: „Abgemahnt zu werden. Weil dies eben auch das Thema ist, was man immer wieder in den Medien mitbekommt, wenn mal wieder ein Influencer vor Gericht gezogen wird.“ Andere mögliche Risiken wanderten dann schnell in den Hintergrund. Nämlich: „Vor allem die privaten Absicherungen – private Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung und Altersvorsorge – passen bei vielen Personen in dieser Berufsgruppe (noch) nicht.“
Für Makler und Vermittler ist diese Zielgruppe also durchaus interessant. Es gilt in vielerlei Hinsicht, aufzuklären. Wo trifft man die jungen Leute dabei am ehesten an? „Online ist hierbei das Stichwort“, sagt Mailo-Vorstand Molla. „Bei uns ist es möglich, die Versicherung binnen weniger Minuten volldigital abzuschließen und sofortigen Versicherungsschutz zu erhalten – das ist auch die Strategie, mit der eben genau diese Zielgruppe erreicht werden kann: digital, schnell und einfach.“
Bei Hiscox habe man gute Erfahrungen damit gemacht, „diese Zielgruppe über verschiedene Online-Kanäle zu erreichen“, sagt Pillath – also etwa über Social Media oder Blogbeiträge. Aber auch Veranstaltungen wie Blogger-Messen oder Influencer-Events seien gute Anlaufstellen.
Makler Bastian Kunkel plädiert ebenfalls dafür, sich an die alte Vertrieblerweisheit zu halten: Gehe dahin, wo deine Kunden sind. „Natürlich erreicht man diesen Personenkreis am besten auf den Plattformen, auf denen diese selbst unterwegs sind – sprich Youtube, Instagram oder Website.“ Dort müsse man dann präsent sein und über die Risiken aufklären. Kunkel: „Aber eben angepasst an die Zielgruppe und nicht mit plumper Werbung.“

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