Wegen Corona

Jeder vierte Beschäftigte im Gesundheitswesen unzufrieden mit seinem Job

Schlechte Bezahlung, Unterbesetzung und zu viele Überstunden – Jobs im Gesundheitswesen waren hierzulande bereits vor Corona vergleichsweise unbeliebt. Die Pandemie hat die Unzufriedenheit derer, die im Medizinbereich arbeiten, nun jedoch nochmal deutlich verstärkt. So würden vier von zehn von ihnen jungen Menschen nicht mehr empfehlen, ihren Beruf zu wählen.
© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch
Eine Ärztin mit Pflegekräften bei einem Corona-Patienten: Die Pandemie hat die Unzufriedenheit der im Gesundheitswesen Tätigen weiter verstärkt.

Bei den Beschäftigten in medizinischen Gesundheitsberufen hat die Corona-Pandemie einschneidende Folgen hinterlassen. Laut einer bundesweiten Befragung im Auftrag des Versicherers HDI wollen vier von zehn Beschäftigten im Gesundheitsbereich jungen Menschen nicht mehr zur Wahl ihres Berufes raten. In keiner anderen Berufsgruppe ist dieser Wert so hoch (siehe Grafik).

Eine wichtige Rolle spielt hier wohl die negativere Berufseinstellung nach den Corona-Erfahrungen, die deutlich stärker ausfällt als im Schnitt der übrigen Berufsgruppen. So gab jeder Vierte im Gesundheitswesen gegenüber dem Studienautoren diese veränderte negativere Berufseinstellung an. Ein weitaus größeres und grundlegendes Problem scheint allerdings der Zeitdruck zu sein – jeder Zweite gab dies an. HDI zufolge ist auch das ein Rekordwert. Und: In keinem anderen Beruf wird die Unvereinbarkeit mit dem Privatleben als so belastend empfunden wie im Gesundheitswesen – mehr als jeder Vierte klagte darüber.

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Diese Belastung im Berufsalltag könnte ein ausschlaggebender Grund für ein weiteres Studienergebnis sein. So gehen medizinisch Tätige im Schnitt zu 53 Prozent davon aus, nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten. Auch das ist die höchste Quote unter allen Berufsgruppen. Nur noch im Sicherheits- und Reinigungsgewerbe wird dieser hohe Wert ebenfalls erreicht. Wenig verwunderlich ist, dass bereits jeder dritte Befragte in den medizinischen Gesundheitsbereichen von einer erhöhten Wechselbereitschaft im Beruf nach den Corona-Erfahrungen in Deutschland ausgeht – auch dies ist ein Spitzenwert.

Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender von HDI Deutschland, bezeichnet die Ergebnisse als „alarmierend“ für das deutsche Gesundheitssystem. „Wenn die Attraktivität der medizinischen Berufe weiter so in den Keller rauscht, sind langfristige Folgen für das deutsche Gesundheitssystem unausweichlich“, so der HDI-Chef.

Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln, sieht das ähnlich und ergänzt: „Nicht erst seit der Corona-Krise wissen wir, von welcher enormen Bedeutung die Arbeit der im Gesundheitswesen beschäftigten Menschen für unsere Gesellschaft ist.“

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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