War früher alles besser?

Stressfaktoren heute und in der Steinzeit

Sorgten früher Säbelzahntiger, Infektionen und Hunger für hohe Stress-Level im Menschen, sind es heute eher Arbeitslast, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung. Früher war zwar nicht alles besser, aber ein wenig Rückbesinnung auf diese ersten Tage der Menschheit täte dem modernen Menschen durchaus gut.
© Panthermedia
Viele Menschen fühlen sich heute von der Arbeit gestresst.

Eine kleine Gruppe steinzeitlicher Menschen sitzt im südlichen Afrika um das Lagerfeuer, verzehrt die Erfolge der letzten Jagd und tauscht die Erlebnisse des Tages aus. In der Nähe rauscht das klare, saubere Wasser des Sambesi. Vor dem Goldrot der untergehenden Sonne zeichnet sich der Schatten eines Elefanten ab, der zum Trinken an den Fluss gekommen ist. Die gute alte Zeit…

Elefant am Sambesi ©Joachim Haid
Elefant am Sambesi 

Das klingt ein wenig nach „Der König der Löwen“. Kein Stress, keine Termine, kein Ärger im Büro. Aber war es in der Altsteinzeit wirklich so idyllisch? War früher wirklich alles besser? Einen so romantischen Blick sollte man auf das Leben unserer Vorfahren vor mehreren zehntausend Jahren nicht haben. Sicher, es gab keinen Gesetzgeber, der einem vorschrieb, wie man den Datenschutz einzuhalten oder was man maximal zu verdienen habe. Es gab keinen Chef, der einem kurz vor Feierabend noch um die eine Kleinigkeit bat, die doch noch so wichtig und schließlich auch schnell erledigt sei. Es lauerten jedoch ganz andere Gefahren und es gab andere Stressauslöser.

Säbelzahntiger, Infektionen und Hunger

Da schlendert man durch die Steppe, hört ein Rascheln und blickt plötzlich in das weit aufgerissene Maul eines Säbelzahntigers mit bis zu 28 Zentimeter langen Reißzähnen. Die Adrenalin- und Cortisolspiegel steigen explosionsartig an. Die Augen sind geweitet, die Verdauung wird unterbrochen, um möglichst viel Energie für die Muskeln bereitstellen zu können. Bestimmte Immunzellen werden aktiviert, um bei eventuellen Verletzungen auf Bakterien und Viren reagieren zu können, die in blutende Wunden eintreten können. Stress pur. Fight or Flight, Kampf, oder Flucht. Da ging es ums nackte Überleben. War der Abstand noch groß genug und hatte man gerade seinen Speer nicht dabei, dürfte die Flucht bei einem Gegner mit bis zu 400 Kilo Lebendgewicht vermutlich die bessere Alternative gewesen sein. War die Flucht erfolgreich, normalisierte sich das Stressniveau wieder relativ schnell, der Cortisolspiegel sank.

Kam es doch zum Kampf und man überlebte diesen verletzt, oder zog sich Wunden beim Fluchtversuch zu, lauerten zwei weitere große Gefahren der damaligen Zeit: komplizierte Knochenbrüche und Infektionen. Beides konnte ebenfalls lebensgefährlich sein. Schließlich war da dann noch der Hunger. Nicht jede Jagd war von Erfolg gekrönt und die Erfindung des Kühlschranks und der Supermärkte ließ noch lange auf sich warten. Hunger war jedoch im Vergleich das geringste Risiko. Der Mensch ist gut daran angepasst, auch einmal längere Zeit ohne Essen auszukommen. Als Allesfresser ist er weder rein auf Pflanzen noch rein auf tierische Nahrung angewiesen.

Umweltgifte, Junk-Food und chronischer Stress

Ganz so romantisch, wie eingangs beschrieben, war das Leben also nicht. Wobei – könnten wir einen Steinzeitmenschen durch ein Zeitportal in unsere heutige Welt versetzen, er fände sein damaliges Leben im Vergleich zu unserem heutigen vielleicht doch deutlich stress- und sorgenfreier. Gut, wir verfügen an vielen Orten der Welt über eine moderne Notfallmedizin, lebensrettende Medikamente, und der Säbelzahntiger ist auch ausgestorben. Dafür lauern heute ganz andere Gefahren auf uns.

Pestizide, Mikroplastik, Abgase, Luftschadstoffe. Aufgrund des massiven und unbekümmerten Einsatzes von Antibiotika, gerade in der Massentierhaltung, sind manche Infektionen mit multiresistenten Keimen für uns heute schnell gefährlicher als eine infizierte Säbelzahntigerwunde. Unsere Nahrung, in vielen Fällen ist diese Bezeichnung stark übertrieben, stammt häufig von Tieren, welche mit Mastfutter und Hormonen zum schnellen Wachstum angeregt wurden.

Zu hoher Zuckerkonsum

Viele unserer Pflanzen sind mit Pestiziden belastet und wachsen auf nährstoffarmen Böden, oder gleich auf künstlichen Untergründen in Gewächshäusern. Der durchschnittliche Zuckerkonsum in den Industrieländern ist mit gut 100 Gramm pro Tag etwa viermal so hoch wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als maximale, tägliche Zufuhr empfiehlt. Während unsere Vorfahren noch bis zu 30 Kilometer am Tag an der frischen Luft liefen und ihren Stress durch Kampf oder Flucht abbauen konnten, können wir heute mit dem Chef, der kurz vor Feierabend noch einen Stapel Akten mit dem Hinweis „das muss bis morgen erledigt sein“ auf den Tisch krachen lässt, schlecht eine körperliche Auseinandersetzung führen oder diesem davon laufen.

So verbringen wir 40, 50, oder mehr Stunden pro Woche in geschlossenen Räumen, um anschließend in blechernen Kästen nach Hause zu fahren und uns vor dem Fernseher zu „entspannen“, bevor das Spiel am nächsten Tag von vorne beginnt. Unser Jagdaufwand besteht aus dem Weg zum Kühlschrank oder maximal zum nächsten Supermarkt. So steigen chronischer Stress und Körperfülle ähnlich epidemisch an wie Zivilisationskrankheiten und Allergien zunehmen. Unser Vorfahre würde sich vermutlich wünschen, lieber wieder einem Säbelzahntiger gegenüber zu stehen, als in unserer heutigen Welt zu leben.

Back to the Roots

War früher also alles besser? So pauschal sicher nicht. Viele unserer heutigen Errungenschaften erleichtern uns das Überleben und haben dafür gesorgt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung, gerade in den vergangenen 150 Jahren, stark gestiegen ist. Jedoch täte ein wenig Rückbesinnung auf unsere Ursprünge sicherlich ganz gut: etwas mehr Bewegung, weniger dauerhafter Stress und eine ursprüngliche Ernährung mit Lebensmitteln, die diese Bezeichnung verdienen. Nicht umsonst stammt das „Paleo“ im „Paleolithikum“, der Altsteinzeit, vom griechischen „paleios“ ab, was „alt/ursprünglich“ bedeutet.

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Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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