Mangel im Überfluss

So sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht sinnvoll. Sie sind sogar schädlich. Wer sich ausgewogen ernährt, braucht außerdem nichts zu ergänzen. Kennen Sie solche Aussagen? Dem gegenüber stehen Empfehlungen, dass man zumindest bestimmte Nährstoffe ergänzen sollte. Das sagen selbst viele Schulmediziner. Was aber stimmt nun? Bringen wir etwas Licht in den Dschungel der Ergänzungspräparate.
© Pixabay

Meine Großeltern haben auch keine Zusatzprodukte zu sich genommen und sind dennoch über 80 Jahre alt geworden. Solche oder ähnliche Aussagen kann man häufig lesen und hören. Das mag sein. Jedoch haben viele unserer Großeltern auch noch ganz anders gelebt und waren anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Fertigprodukte, Convenience-Food auf Neudeutsch, gab es damals noch nicht. Da wurde frisch gekocht. Dafür wurden oft Zutaten verwendet, die entweder vom Bauern um die Ecke stammten oder aus dem eigenen Garten. Geerntet wurde, wenn das Gemüse und die Früchte reif waren. Regional, saisonal und frisch.

Unreife Ernten, damit die Lebensmittel auf dem Transportweg nicht verfaulen, lange Lagerungen, ein „Zu-Tode-kochen“ und stundenlanges Warmhalten in Kantinen und Restaurants waren unseren Großeltern noch eher unbekannt. Ebenso genetisch veränderte Pflanzen, damit diese den massiven Pestizideinsatz überleben. Die Tiere lebten damals noch zum größten Teil auf Weiden und wurden artgerecht ernährt. Antibiotika und Hormone wurden nicht zu Mastzwecken eingesetzt.

Alle diese Methoden, die sich verstärkt in den vergangenen 50 Jahren entwickelt haben, verringern jedoch massiv den Vitamin- und Nährstoffgehalt der pflanzlichen und tierischen Lebensmittel.

Regional und frisch gekocht – reicht das?

Die Lösung wäre also, wieder mehr auf regionale Lebensmittel zu setzen und frisch zu kochen. Achtet man nun noch auf biologischen Anbau, ist das ein sehr guter Ansatz. Im Biolandbau wird auf Kunstdünger verzichtet und die Pestizidrückstände sind deutlich reduziert. Wer sich entsprechend ausgewogen ernährt, hat gute Chancen, ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt zu sein.

Mangel im Überfluss

In Europa haben wir einen Überschuss an Lebensmitteln. Dennoch kann es zu Mängeln kommen. Deutschland ist zum Beispiel Selen-Mangelgebiet. Die Böden enthalten nur wenig von diesem seltenen Spurenelement, das unter anderem für die Schilddrüse und zur Entgiftung sehr wichtig ist. In Süddeutschland ist die Jodversorgung schlechter als an der Küste, wo mehr frischer Fisch gegessen wird. Auch Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion sowie für den Stoffwechsel, den Wärmehaushalt, den Energiestoffwechsel, das Wachstum und die Organentwicklung.

Lagerung, langes Erhitzen und Aufwärmen reduzieren den Folsäuregehalt einer Mahlzeit stark. Da dieses B-Vitamin unter anderem für das Zellwachstum und die Embryonalentwicklung wichtig ist, erhalten es Schwangere standardmäßig verschrieben. In den Monaten zwischen Oktober und April steht in Mitteleuropa die Sonne so tief, dass selbst dann nicht ausreichend Vitamin D in der Haut produziert werden kann, wenn man sich in der Sonne aufhält. Sogar im Sommer leiden heute viele an Vitamin-D-Mangel. Schuld daran ist die Fahrt mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Dort angekommen, wird in geschlossenen Räumen so lange gearbeitet, bis die Sonne wieder sehr tief steht.

Höherer Bedarf durch Schadstoffe, Medikamente und Lifestyle

Wer zu einer Risikogruppe gehört, hat ohnehin einen höheren Bedarf. Schadstoffe wie Tonerstaub und Autoabgase können den Verbrauch von Mikronährstoffen erhöhen. Ebenso Medikamente, die häufig verwendet werden: Verhütungsmittel (erhöhen den Bedarf von Vitamin B2, B6, C, Folsäure, Magnesium), Schmerzmittel (Folsäure, Vitamin B12, C, E, Eisen, Kalium und vieles mehr), Betablocker (Vitamin B2, Magnesium, Coenzym Q10), Statine (unter anderem Q10, Vitamin D) Magenschutztabletten (Vitamin B12, D, Folsäure, Calcium, Magnesium, Eisen) und so weiter.

Ein erhöhten Bedarf ergibt sich ebenfalls durch Rauchen und Alkoholkonsum. Aber auch, wer intensiv Sport treibt, hat gegebenenfalls einen höheren Verbrauch an Mikronährstoffen, als durch die reine Ernährung aufgenommen werden kann.

Da jedoch auch Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen und Einfluss auf die benötigte Medikamentendosis haben können, sollte man nicht blind zuführen. In bestimmten Fällen kann die Einnahme sogar nachteilig sein. Das heißt: Ergänzungsmittel können sowohl gesundheitsförderlich als auch schädlich sein. Es kommt eben immer darauf an.

Mehr zum Thema

Gesunde Ernährung wird Zukunftsthema für alle

Joachim Haid: Matthias, im Sommer 2018 hast du dich mit deiner Frau zu meinem PaleoMental®…

„Firmen-Fitness anzubieten reicht nicht für ein nachhaltiges Konzept“

Pfefferminzia: Was versteht man unter dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, kurz BGM? Anke Lambrecht: In der Praxis…

Geht gesunde Ernährung auch auf Geschäftsreisen?

Dienstag: Für heute steht wieder sogenanntes intermittierendes Fasten auf dem Plan. Die erste Mahlzeit werde…

Erst messen, dann auffüllen

Deshalb lautet hier die Devise: Erst messen, dann gezielt auffüllen. Kleinere Mängel können durch eine entsprechende Ernährung ausgeglichen werden. Bei größeren Mängeln kommt man häufig um die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht herum. Hier gilt es dann, auf Reinprodukte zu achten. Diese enthalten keine unnötigen Zusatz-, Konservierungs- und/oder Füllstoffe.

Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia