Krankheitsfall im Ausland

Warum sich Urlauber vor Reiseantritt versichern sollten

Endlich wieder raus, die Welt sehen! Der Reisehunger der Deutschen ist so groß wie lange nicht. Dabei gehört zu einer sorgfältigen Urlaubsplanung auch ein transportabler Versicherungsschutz. Hier kommen die Details.
© picture alliance / Markus Mainka
Piste direkt hinterm Strand: Ein Airbus A319 landet auf dem Flughafen von St. Maarten, der für Piloten als einer der herausforderndsten der Welt gilt.

Barbados statt Bad Bramstedt, lieber „Dom Rep“ als Usedom – nach coronabedingter Vollbremsung sehnen sich viele Deutsche danach, bloß nicht auch noch den dritten Sommer hintereinander überwiegend im Inland zu verreisen. Und das lässt nicht nur die Tourismusindustrie aufatmen, sondern auch so manche Versicherer, die sich in der Nische Reiseversicherung eine starke Stellung erobert haben – wie etwa die Hanse-Merkur, die in dem Segment traditionell zu den Marktführern zählt.

„Die Reiselust der Deutschen ist dieses Jahr mit voller Kraft zurückgekehrt“, freut sich Johannes Ganser, Vorstand Kooperations- und Reisevertrieb der Hanse-Merkur. So hätten 86 Prozent der Deutschen konkret vor, in den Urlaub zu fahren, sagt Ganser und beruft sich dabei auf eine bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage, die beim Marktforschungsunternehmen „Heute und Morgen“ beauftragt wurde.

Allerdings stammen die Umfrageergebnisse von Ende Februar/Anfang März – seither hat sich nicht nur der Krieg in der Ukraine weiter zugespitzt, sondern auch die Inflation immer tiefer durch die Portemonnaies der Deutschen gefressen. Ausgerechnet jetzt also, wo die Corona- Lage so beherrschbar ist wie nie zuvor, kommt einem dieser aktuelle Satz aus der „Süddeutschen Zeitung“ in den Sinn: „Diese unsere Zeit kennzeichnet nun mal, dass Krisen nicht überwunden, sondern von größeren Krisen geschluckt werden.“

Und tatsächlich kursiert bereits eine neue Umfrage, wonach sich jeder zweite Deutsche (48 Prozent) wegen des massiven Anstiegs der Verbraucherpreise beim Sommerurlaub 2022 einschränken möchte – 16 Prozent planen sogar, komplett auf eine Reise zu verzichten. Jeder dritte Bundesbürger (32 Prozent) will sich hingegen keinerlei Einschränkungen auferlegen, wie das Marktforschungsinstitut Insa Ende Mai mitteilte. Immerhin: Von denen, die in diesem Jahr in den Urlaub fahren, möchte die Mehrheit (57 Prozent) die Ferien außerhalb Deutschlands in Europa verbringen. 14 Prozent zieht es ins außereuropäische Ausland und 29 Prozent planen, im eigenen Land zu urlauben.

Unverzichtbarer Auslandsreiseschutz

Vor allem eine Police ist bei Destinationen jenseits deutschen Bodens ein Muss, wie man beim Bund der Versicherten (BdV) betont: „Die Auslandsreisekrankenversicherung zählen wir zu den wichtigsten Versicherungen, die nach unserer Einschätzung alle Auslandsreisenden brauchen“, sagt BdV-Pressesprecherin Bianca Boss – schließlich gehe es für Reisende darum, die Erstattung der anfallenden Kosten im akuten Krankheitsfall abzusichern – insbesondere die Kosten für einen medizinischen Rücktransport, wie Boss hinzufügt.

Tim Schmidt, verantwortlich für das Kundengeschäft bei der Generali-Tochter Europ Assistance Deutschland, ist überzeugt davon, dass die Reisekranken-Police durch die Pandemie „noch einmal bedeutend an Gewicht gewonnen“ habe. „Gerade in Zeiten von Covid-19 ist eine richtige Absicherung der medizinischen Versorgung im Ausland unabdingbar, um sorgenfrei den Urlaub antreten zu können“, so Schmidt. Dabei sollte die Krankenabsicherung speziell den Schutz vor pandemischen Erkrankungen wie Covid-19 beinhalten, wie Schmidt findet.

Vertrauen ins Reisen zurückgegeben

Bei der Hanse-Merkur ist man dann auch sichtlich stolz, dass man 2020 der erste Anbieter gewesen ist, der einen „Corona-Reiseschutz“ auf den Markt gebracht hat. „Diese Absicherung hat 2021 vielen Verbrauchern das Vertrauen ins Reisen zurückgegeben“, wie Konzernchef Eberhard Sautter im Mai erklärte. Demnach sind Leistungen rund um eine Covid-19-Erkrankung in die Reiseversicherungen eingeschlossen, wie etwa medizinisch notwendige Arztbesuche oder Krankenhausaufenthalte am Urlaubsort. Der Corona-Reiseschutz soll dann vor Folgekosten schützen, die aufgrund eines Erkrankungsverdachts während der Reise entstehen können – zum Beispiel infolge einer Quarantäne-Anordnung.

Seite 2: BdV hadert mit der Reiserücktrittsversicherung

Mächtig viel Reise-Stress hat die Pandemie dem Ombudsmann für Versicherungen, Wilhelm Schluckebier, beschert. Denn die Schlichtungsstelle erreichten viele Beschwerden verärgerter Reisender, die Buchungen und Stornierungen aus den Jahren 2019 und 2020 betrafen. Als Zankapfel erwies sich dabei vor allem die Frage, ob sich die Kunden ihre Versicherungsbeiträge erstatten lassen können, wenn die versicherte Reise vom Reiseveranstalter aufgrund der Pandemie abgesagt wurde.

Was der BdV zur Reiserücktrittsversicherung empfiehlt

Zudem musste Schluckebier nach eigenen Angaben auch 2022 noch oft erklären, dass die Sorge, an Covid-19 zu erkranken, in der Reiserücktrittsversicherung nicht mitversichert ist. „Auch Reiseabsagen aufgrund von Quarantäne-Anordnungen sind in den herkömmlichen Reiseversicherungen nicht vom Versicherungsschutz umfasst“, betont der Versicherungsombudsmann in seinem aktuellen Tätigkeitsbericht. Es sei aber immerhin zu gütlichen Einigungen gekommen, wenn die Reise aufgrund einer bestätigten Corona-Infektion abgesagt werden musste und die Versicherer zunächst nicht zahlen wollten, „weil eine ,schwere‘ Erkrankung nicht nachgewiesen sei“, so Schluckebier.

Hat die Branche aus derlei Querelen gelernt, indem sie die Versicherungsbedingungen seither klarer aufgeschrieben hat? „Dies können wir leider in der Breite nicht bestätigen“, entgegnet BdV-Sprecherin Bianca Boss. „Einige Tarife zur Reiserücktrittsversicherung sehen einen weitergehenden Versicherungsschutz bei Pandemien vor. Andere wiederum schließen eine Pandemie als solche als Rücktrittsgrund aus“, schildert sie. Wiederum andere Versicherer leisteten nicht, wenn das Auswärtige Amt vor Reisen in die entsprechenden Länder gewarnt hat. Der Rat des BdV lautet dann auch: „Wer den Pandemiefall und damit einhergehende Risiken mitversichern möchte, muss die unterschiedlichen Tarifangebote vor Abschluss in dieser Hinsicht genau prüfen.“ Oder prüfen lassen: etwa von einem Makler.

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Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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