Ärzte sollen behandeln, nicht beraten? Gehört das nicht beides zusammen? Adipositas ist eine hormonelle Störung/Erkrankung, welche unterschiedliche Ursachen haben kann:
In beiden Fällen wird der aktuell geplante Nutri-Score nichts helfen. Es geht doch nicht nur um den Zucker. Es geht auch nicht um Fett allgemein und schon gleich gar nicht um Salz. Im Bereich der Ernährung geht es darum, was wie im Körper mit welchen Folgen verstoffwechselt wird.
Zucker ist nicht gleich Zucker und auch nicht nur Haushaltszucker oder die gut 60 anderen Bezeichnungen dafür. Relevant sind grundsätzlich alle Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Das löst langfristig die Hormonstörung aus, die zu Adipositas und/oder Diabetes Typ II führt.
Fruktose ist hier noch viel bedeutender als „Zucker“. Glukose-Fruktose-Sirup noch viel mehr. Fruktose mit der vollen Frucht aufgenommen, ist jedoch etwas ganz anderes als Fruktose als Zusatz in industriell gefertigten Produkten oder im Saft (Nein, der Orangensaft ist eben nicht gesund).
Wer sich unbewusst aus psychischen Gründen fehlernährt, dem wird der Nutri-Score auch nichts helfen. Im schlimmsten Fall werden vielleicht nur zusätzliche Schuldgefühle erzeugt. Das müssen Psychologen einschätzen.
Was kann nun aber wirklich helfen?
Und wo kommen da jetzt ein Nutri-Score oder eine Lebensmittelampel ins Spiel? Wo industriell gefertigte Lebensmittel? Wo rein auf Ertrag und Resistenzen hochgezüchtete landwirtschaftliche Erzeugnisse? Wo Medikamente?
Nirgends! Genau das ist die Herausforderung in unserer Politik.
Wenn…
… ein Ministerium gleichzeitig für Ernährung steht, aber auch für Landwirtschaft (Ministerin: Julia Klöckner, Studienschwerpunkt unter anderem Agrarpolitik),
… das Verbraucherschutzministerium sich gleichzeitig um Justiz kümmern muss (Ministerin: Christine Lambrecht, studierte Juristin und Rechtsanwältin),
… das Bundesministerium für Gesundheit von einem Minister geführt wird (Jens Spahn), der Bankkaufmann ist und Politikwissenschaft studiert hat,
dann…
…wird es schwierig, selbst über die notwendigen Erkenntnisse zu verfügen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen.
Ja, ich bin gelernter Versicherungskaufmann und habe weder Medizin noch Sport studiert, noch bin ich Oecotrophologe. Ich bin „nur“ Fitnesstrainer A-Lizenz und zertifizierter Mikronährstoff-Coach. Dennoch habe ich mich in diese Themen so intensiv, nicht nur in der Theorie, weitergebildet, dass ich zumindest nicht vollständig auf „Sachverständige“ angewiesen bin und deren Aussagen kritisch betrachten und fachliche Rückfragen stellen kann.
Auf jeden Fall kann ich jedoch einschätzen, ob jemand wirklich Sachverstand hat – und verlasse mich dabei nicht rein auf seinen Studienabschluss und Titel – oder ob er Lobbyvertreter ist. Dafür muss man jedoch selbst in der Materie stecken. Das kostet viel Zeit, die ein Minister meist nicht hat und deshalb auf „Sachverständige“ angewiesen ist. Werden hier jedoch zum Teil veraltete und/oder fehlinterpretierte Studien herangezogen, löst das leider keine Probleme.
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