Knackpunkt aktuarieller Unternehmenszins

Höherer Zins mindert die nötige Beitragserhöhung in der PKV

Vor etwa zwei Jahren begann der Leitzins der Eurozone seinen steilen Aufstieg. Jetzt liegt er zwar etwas tiefer, aber immer noch deutlich über null. Wie sich das auf die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) und Pflegeversicherung auswirkt, erklärt Holger Eich vom PKV-Verband in einem lesenswerten Interview. Wir geben die wichtigsten Erkenntnisse wieder.
Holger Eich ist Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband
© PKV-Verband
Holger Eich ist Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband

Holger Eich zerlegt gleich mal einen durchaus verbreiteten Irrglauben: Nein, der gestiegene Leitzins wirkt sich nicht eins zu eins auf die Beiträge zur Privaten Kranken- und Pflegeversicherung aus. Das erklärt der Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband in einem Interview, das eben dieser Verband jetzt veröffentlichte.

Die Beiträge für die genannten Versicherungen richten sich eher nach dem aktuariellen Unternehmenszins (AUZ). „Allerdings beeinflusst der Zinssatz der EZB zunächst nur kurzfristige Anlagen und ist damit nur einer von vielen Faktoren des AUZ“, erklärt Eich. Aber immerhin half der gestiegene Leitzins insofern, dass er den Zinstrend geändert hat. Nach Jahren.

Aber was ist denn nun der AUZ? Eich erklärt: „Der AUZ ist der unternehmensindividuelle Höchstrechnungszins.“ Jedes Unternehmen legt ihn selbst fest und richtet sich dabei nach der hauseigenen Geldanlagepolitik. Die Frage lautet, welche Erträge man in Zukunft dort erwarten kann. „Wenn ein Unternehmen nur Aktien hätte, wäre der Zins ein anderer, als wenn es ausschließlich Pfandbriefe des Bundes im Portfolio hätte“, so Eich.

Es gilt zunächst die Faustformel: Je höher die künftigen Erträge liegen, desto weniger Beiträge sind nötig, um Leistungen auszuzahlen und Alterungsrückstellungen aufzubauen.

„Zeigt sich erst nach und nach“

Und weil die Kapitalanlagen – auch bei den PKV-Unternehmen meist langfristig ausgerichtet sind, wirkt der lediglich für sehr kurzlaufende Anlagen greifende Leitzins eben nur bedingt. Eich: „Das hat nun natürlich zur Folge, dass ein steigender Zins sich im AUZ auch erst nach und nach zeigt. Im vergangenen Jahr lagen wir schon wieder bei 2,75 Prozent.“

Aber das ist ja immerhin schon etwas. Und Eich gibt sich sicher, dass dieser gestiegene AUZ auch bei den Versicherten ankommt. Ob das auch gemäß der Faustformel zu sinkenden Beiträgen führt, sei aber eine andere Frage: „Das hängt von der Gesamtentwicklung ab.“ Und die liegt nicht nur am Zins, sondern auch an der Ausgabenseite. Dort beobachtet die PKV deutlich steigende Leistungen, vor allem für Krankenhäuser und Arzneimittel.

Deshalb muss man es relativ sehen: Auch 2025 werden die Beiträge wohl steigen. Aber die gestiegenen Zinsen dämpfen das ein Stück.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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