Als ein Pro-Argument für die Fusion von Krankenkassen wird gerne folgendes angebracht: Wenn Krankenkassen fusionieren, so werden Verwaltungskosten signifikant gespart. Das führt zu geringeren Beiträgen.
Fakt: Es gibt keinen empirischen Beweis, dass das so ist. Diese These bedeutet im Umkehrschluss, dass größere Krankenkassen geringere Verwaltungskosten haben als kleinere. Oder noch genauer, dass Krankenkassensysteme mit wenigen Krankenkassen wie AOKen und Ersatzkrankenkassen niedrigere Verwaltungskosten haben als Krankenkassensysteme mit vielen Krankenkassen wie Betriebskrankenkassen.
Schaut man sich die veröffentlichten Finanzstatistiken nach Kassenarten an, so wird diese These schnell widerlegt. Denn alle Betriebskrankenkassen (über 80) haben im Durchschnitt deutlich geringere Verwaltungskosten als die Ersatzkassen oder AOKen. Selbst, wenn man Verwaltungskosten optimal einsparen würde, so reden wir von finanziellen Auswirkungen von maximal 0,025 Beitragssatzpunkten. Das ist nicht einmal ein Beitragssatzzehntel. Bei einer Spreizung der Zusatzbeiträge von bis zu 1,7 Prozent ist die Einsparung von Verwaltungskosten zwar gut und richtig, hat aber überhaupt keine Auswirkungen.
Im Übrigen: Die Spitzengehälter der Vorstände von kleinen Krankenkassen sind oft deutlich niedriger als die von größeren Krankenkassen. Dort müssen Hauptabteilungsleiter auch bezahlt werden.
Fusionen, um die Marktmacht zu stärken
Das Argument: Durch Fusionen wird die Marktmacht gestärkt. Das heißt, dass durch Bündelung von Nachfrage bessere Preise in der Versorgung zu erreichen sind.
Fakt: Auch das ist empirisch nicht zu belegen. Auch, wenn größere Krankenkassen oft für ihr eigenes Haus besondere Verträge schließen, sind diese nicht immer günstiger als andere bestehende Verträge. In aller Regel werden gute Versorgungspreise sowohl von größeren und kleineren Einheiten jeweils oder zusammen nur durch Bündelung erreicht. Warum sollten Krankenkassen ansonsten fusionieren?
Fusionen, um strukturelle Probleme zu lösen
Fusionen in der Vergangenheit haben in den seltensten Fällen dazu geführt, dass es für die Versicherten der betroffenen Krankenkassen deutlich günstiger wurde. Allerdings hat es auch oft dazu geführt, dass es für sie nicht deutlich teurer wurde, was aber ohne eine Fusion eingetreten wäre. Denn eine der betroffenen Krankenkassen hätte wahrscheinlich aufgrund struktureller Probleme überproportional teure Risiken nur noch mit höheren Beiträgen ausgleichen können.
Verwaltungskosten spielen hier aber kaum eine finanzielle Rolle. Weitere Gründe für eine Fusion sind in der Regel nur selten sachbezogen. Bei kleinen Krankenkassen sind sachliche Gründe oft nur in einer größeren Handlungsvielfalt begründet.
Müssen Krankenkassen auf eine bestimmte Anzahl reduziert werden?
Ganz sicher nicht, denn es gibt keine wirklichen Sachargumente, die dafür sprechen. Vielmehr haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass sich der Markt sowieso automatisch „bereinigt“. Die Kassenvielfalt bringt auch mehrere Vorteile mit sich. Hier nenne ich nur zwei Gründe. Erstens erfahren die Versicherten durch den Krankenkassenwettbewerb einen deutlich besseren Service. Stellen Sie sich vor, sie würden bei einer Agentur für Gesundheit einen (dringlichen) Leistungsantrag stellen.
Zweitens bringt die Vielfalt auch Fortschritt. Zwar schreibt das Gesetz 95 Prozent der gesetzlichen Leistungen vor. Die Ausgestaltung dieser Leistungen obliegt aber den Krankenkassen. Somit gibt es bei diesen 95 Prozent der „gleichen“ Leistungen ganz klar auch Unterschiede im Spektrum sowie in der Qualität – und damit übrigens auch in den Kosten. Und immerhin gibt es noch 5 Prozent eigene Satzungsleistungen. Diese Unterschiede und daraus resultierenden Entwicklungen gäbe es ohne Wettbewerb nicht.
Über den Autoren: Björn Hansen ist Vorstand der BKK Wirtschaft & Finanzen aus Melsungen.
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